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    Weißenbach

    Zeitlofs: Revolution in der Pädagogik - 100 Jahre Grundschule

    Der 82-jährige Anton Ebert aus Schondra erzählt aus seiner Schulzeit im Zweiten Weltkrieg. Schulfräulein Emilie führt die Kinder durch den historischen Unterricht. Foto: Julia Raab
    Der 82-jährige Anton Ebert aus Schondra erzählt aus seiner Schulzeit im Zweiten Weltkrieg. Schulfräulein Emilie führt die Kinder durch den historischen Unterricht. Foto: Julia Raab

    Zum 100. Geburtstag der Grundschule äußerten sich kürzlich alle wichtigen Bundespolitiker: Als "demokratische Revolution in der Schulpolitik " bezeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Einführung der Grundschule. Erstmals durften Kinder im Jahr 1919 - unabhängig der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stellung oder dem Religionsbekenntnis der Eltern - gemeinsam die Schulbank drücken.

    Auch die Grundschulen selbst haben sich dem Thema angenommen und pädagogisch für die Schüler aufbereitet. Schulfräulein Emilie, mit echtem Namen Karola Helfrich und Lehrerin der Grundschule Zeitlofs , führte die Kinder der dritten Klasse am vergangenen Dienstag hautnah an die Geschichte heran. Die Schüler erlebten am eigenen Leib, wie der Unterricht in den Nachkriegsjahren ablief.

    Zeitzeuge berichtet

    Im historischen Klassenzimmer des Chrisam-Hofs in Weißenbach herrschte an diesem Morgen Disziplin und Ordnung. Neben Finger- und Haltungskontrolle führt die Lehrerin die gemischten Klassenstufen durch den sogenannten frontalen Anschauungsunterricht. "Ohne Disziplin ging das damals nicht, denn große Klassen mit mehreren Jahrgangsstufen wurden parallel unterrichtet", erklärt Helfrich im Anschluss. Methodisch und didaktisch sei das eine große Herausforderung gewesen, sagt die Lehrerin.

    "Der außerschulische Lernort hat den Vorteil, dass das Gelernte sich bei den Kindern besser festsetzt", sagt Helfrich. Denn das Thema habe einen konkreten Lehrplanbezug und werde im Unterricht vor- und nachbereitet. Anhand von verschiedenen Quellen sollen die Inhalte an die Kinder gebracht. Heutiges Thema in der dritten Klasse: Getreidesorten. Hafer, Roggen, Gerste und Weizen stellt Zeitzeuge Anton Ebert anhand des Gebrauchs in der Landwirtschaft vor. Denn nicht nur der Mensch ernährte sich davon, sonder auch Schweine, Kühe und Pferde bekamen bestimmte Getreidesorten zum Fressen.

    Sammeln aus Leidenschaft

    Im Anschluss hatten die Kinder die Möglichkeit, den Zeitzeugen Anton Ebert zu seiner Schulzeit in Schondra während des Krieges zu interviewen. Fragen zum Schulalltag, der Kleidung der Schüler und zur Ausstattung der Klassenzimmer beantwortete der 82-jährige mit großer Freude . Zwar habe es oft an Lehrern gemangelt, doch habe er die Schulzeit als sehr eindrucksvoll und positiv in Erinnerung. Dankbar sei er heute noch für alles, was er dort lernen durfte.

    Karola Helfrich alias Schulfräulein Emilie hat eine große Leidenschaft: Sie sammelt alles, was die Schulen an Lernmaterialien aussortieren. "Alles, was historisch ist, findet bei uns in der Museumsscheune im historischen Klassenzimmer einen Platz", sagt die Lehrerin der Grundschule Zeitlofs . Dei mittlerweile beachtliche Sammlung stellt sie gerne der jungen Generation vor:

    "Ich sehe das historische Klassenzimmer als Botschaft an die Kinder." Und solange es Zeitzeugen wie Anton Ebert gebe, sagt sie, sollte man das Wasser der Erinnerung nutzen, das aus ihnen heraussprudelt.

    Und das meinen die Schüler

    Jonas Weber (8 Jahre): "Zumindest ist Schule viel besser, als nur auf dem Sofa zu hocken und zu zocken." Besonders seien ihm die Bestrafungsmethoden in Erinnerung geblieben: "Früher war alles viel strenger." Dort sei mit dem Rohrstock geschlagen worden und zur Strafe mussten sich die Kinder in eine Ecke stellen. "Ganz schön schlimm", findet Jonas.

    Vivien Kral (8 Jahre): Das Mädchen sei sehr verblüfft gewesen, was es früher für harte Strafen gab. Ihre Schule findet sie heute richtig gut und ist froh, dass es keine so schlimmen Bestrafungen mehr gibt. "Und außerdem habe ich in der Schule Freizeit von meinem kleinen Bruder", fügt sie hinzu. Der historische Unterricht habe sie sehr beeindruckt.

    Kiana Adam (7 Jahre): "Ich hatte einen Schock weil ich dachte, dass wir heute auch mit den Methoden von früher bestraft werden", sagt die Schülerin. Jetzt sei sie sehr erleichtert, dass der historische Unterricht nur sehr unterhaltsam und anschaulich gewesen ist. Die Schule mag sie insgesamt richtig gerne. Was sie heute gelernt haben, wird in der nächsten Probe abgefragt, sagt Kiana.

    Julia Raab

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