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    Hammelburg

    Zita Zeier - 90 Jahre Grande Dame und ein bisschen weise

    In einem Gespräch mit unserer Zeitung blickte Zita Zeier auf ihr Leben zurück.
    "Ich trinke auf euer aller Wohl und bedanke mich für die vielen guten Wünsche", so die Jubilarin Zita Zeier.  Foto: Bianca Volkert
    "Ich trinke auf euer aller Wohl und bedanke mich für die vielen guten Wünsche", so die Jubilarin Zita Zeier. Foto: Bianca Volkert

    Eigentlich hatte Zita Zeier lange gezögert, da sie einen Bericht zu ihrem 90. Geburtstag überbewertet fand. Zu ihrer aktiven Zeit war jeder Anlass für eine Berichterstattung in der Presse willkommen. Heute möchte sie das nicht mehr, denn jetzt sind andere dran. In einem Gespräch mit unserer Zeitung blickte sie auf ihr Leben zurück.

    Was war Ihnen in der Politik wichtig?

    Zita Zeier: Kompetenz und Fairness. Es war eine sehr schöne Zeit, in der ich viele interessante Menschen mit unterschiedlichsten Charakteren kennen lernen durfte. Der respektvolle Umgang und die gegenseitige Achtung waren stets die Grundlage für gute Politik. Selten war man sich einer Meinung, doch immer mit dem Ziel vor Augen, eine vernünftige verträgliche Lösung zu finden.

    Wann begann Ihre politische Karriere und in welchen Bereichen erstreckte sich Ihr Engagement?

    Eingetreten bin ich in die Ost-CDU und kam 1949 zur CSU Hammelburg . 1970 bis 1986 gehörte ich dem Bezirkstag an. 30 Jahre Stadträtin in Hammelburg . Als Gründungsmitglied der Frauen-Union übernahm ich bis 1981 den Vorsitz, engagierte mich im Vorstand der Musikakademie und beteiligte mich aktiv an der Gründung der Senioren Union. Man behauptet, meine Stimme hätte Gewicht in allen Gremien gehabt. Mit schönen Erinnerungen und als Bestätigung vieles richtig gemacht zu haben, verbinde ich die Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz oder die bronzene Ehrenraute für mein Engagement in der Politik .

    Wie sieht Ihr Blick in die Zukunft aus?

    Die Veränderungen der letzten Jahre stimmen mich nachdenklich. Die Verrohung und die Umgangsformen in unserer Gesellschaft machen mich sehr nachdenklich. Natürlich tragen auch die neuen Medien dazu bei. Geschützt durch Pseudo-Namen ist es möglich Hass , Anfeindungen und Lügen zu verbreiten. Das Ganze eskaliert dann auf der Straße, wo man sich formiert ohne jemals miteinander gesprochen haben. Zu meiner politisch aktiven Zeit stand man sich Auge in Auge gegenüber. Während meiner politischen Laufbahn überlegte ich stets die Konsequenz meines Handelns. Als Person des öffentlichen Lebens war ich mir meiner Vorbildfunktion immer bewusst.

    Welche Prioritäten sind Ihnen heute wichtig?

    Es ist schön, dass ich noch viele Einladungen bekomme, denn ich genieße das öffentliche Leben. Das scheint mein Jungbrunnen zu sein. Glücklicherweise bin ich noch rüstig genug, fahre leidenschaftlich gerne Auto und kann viele Veranstaltungen besuchen. Zeit verbringe ich gerne mit Freunden, aber das wichtigste ist meine Familie, auf die ich sehr Stolz bin. Ich hoffe noch viele Jahre mit meinen Liebsten, die während meiner politischen aktiven Zeit oft zu kurz kamen, verbringen zu dürfen.

    Was ist das Fazit Ihres bewegten Lebens?

    Wenn der Herrgott mir so ein langes Leben schenkt, habe ich die Verantwortung und Verpflichtung, davon etwas weiterzugeben. Es ist mir einfach ein Bedürfnis, Euch alle daran zu erinnern, dass unsere Zeit nur begrenzt ist. Nutzt die Zeit und begegnet allen Menschen ohne Vorurteile, mit Respekt und stets freundlich gesinnt. Hass und Streit sind der Nährboden für die Verrohung und Zerrüttung unserer Gesellschaft. Lasst Euch das von einer alten weisen Frau gesagt sein! Eure Zita Zeier. Das Gespräch führte Bianca Volkert.

    Bianca Volkert

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