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    Hammelburg

    Zweckverband Hammelburg: Feuchttücher verstopfen Pumpen

    Das meiste Abwasser, das in die Kläranlage fließt, muss mindestens einmal gepumpt werden. Dabei gibt es oft Störungen durch Fremdstoffe im Abwasser. Zur besseren Überprüfung wurden alle Standorte vernetzt.
    Wie ein langer verfilzter Zopf sieht der Strang an Feuchttüchern aus, den Abwassermeister Albrecht Leurer gerade aus einer der Pumpen in der Hammelburger Kläranlage geholt hat. Regelmäßig fallen Pumpen wegen Abfall im Abwasser aus. Foto: Ralf Ruppert       -  Wie ein langer verfilzter Zopf sieht der Strang an Feuchttüchern aus, den Abwassermeister Albrecht Leurer gerade aus einer der Pumpen in der Hammelburger Kläranlage geholt hat. Regelmäßig fallen Pumpen wegen Abfall im Abwasser aus. Foto: Ralf Ruppert
    Wie ein langer verfilzter Zopf sieht der Strang an Feuchttüchern aus, den Abwassermeister Albrecht Leurer gerade aus einer der Pumpen in der Hammelburger Kläranlage geholt hat. Regelmäßig fallen Pumpen wegen Abfall im Abwasser aus. Foto: Ralf Ruppert

    Zwischen 4000 und 9000 Kubikmeter Abwasser kommen jeden Tag in der Hammelburger Kläranlage an. Mehr als 90 Prozent davon in sieben Metern Tiefe, für die Klärung muss es also nach oben gepumpt werden. Ein Teil des Abwassers läuft sogar durch mehrere Pumpen , das aus Engenthal etwa muss in Trimberg, Elfershausen und Langendorf jeweils gepumpt werden. Dabei werden Abfälle in den Kanälen immer mehr zum Problem, vor allem Feuchttücher: "Die sind so zäh und reißfest , dass sie sich regelrecht zu einem Zopf verbacken", berichtet Burkhard Oschmann, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes (AZV) Thulba-Saale.

    "Vor 20 Jahren gab es das noch gar nicht, vor zehn Jahren fing es richtig an", erinnert sich Oschmann an die Verbreitung von Feuchttüchern. Aktuell verschlimmere die Corona-Pandemie die Situation: Zum einen seien mehr Menschen daheim, zum anderen würden sie zusätzliche Hygiene-Tücher verwenden. Selbst die Produkte, die als biologisch abbaubar deklariert sind, hätten lange Fasern, die die Tücher zu echten "Pumpenkillern" mache.

    Bis zu 18 Störungen pro Tag

    Bis zu 18 Störungen habe es im Verbreitungsgebiet des AZV an einem Tag schon gegeben. Immerhin betreut der Zweckverband 51 Kilometer eigene Sammelleitungen und mehr als 220 Kilometer Kanäle in den vier Mitgliedsgemeinden. Vor allem nach längeren Trockenperioden würden Abfall-Stoffe auf einen Schlag durchgespült. Bis Ende 2019 mussten die zehn Mitarbeiter des AZV deshalb ein bis zwei Mal pro Woche alle 27 Stationen des riesigen Abwasser-Netzes anfahren. Dabei seien mehr als 200 Kilometer Fahrt zusammen gekommen.

    Seit Jahresbeginn hat der AZV nun seine neue "fernwirktechnische Anbindung" aller Stationen in Betrieb genommen. Auf mehr als 370 000 Euro war die Vernetzung veranschlagt, bisher sind laut Oschmann gut 300 000 Euro abgerechnet. Der Geschäftsführer hofft, dass die Auftragssumme nicht voll ausgeschöpft wird. Die AZV-Mitarbeiter können nun genau sehen, welche Pumpen Störungen anzeigen und diese Pumpwerke gezielt anfahren. Auch der Durchfluss und der Wasserstand in Zwischenbecken wird zentral erfasst. Damit könne auch effektiver verhindert werden, dass Abwasser ungeklärt überläuft. Die Technik hilft auch bei der Suche nach Ursachen, weil der Zeitpunkt des Schadens genau erfasst wird. Zudem gebe es einen Vorteil für Anwohner: Auf manchen Pumpwerken leuchteten bisher rote Signallichter bei Störungen , zum Teil riefen dann die Nachbarn beim AZV an. Das sei nun nicht mehr nötig.

    Das neue System habe sich bereits bewährt: "Wir haben jetzt mehr Zeit für Wartung und andere Arbeiten", sagt Oschmann. Das habe gerade in der Zeit der Corona-Beschränkungen das Team erheblich entlastet. Allerdings sei die Umrüstung unter anderem wegen Liefer-Engpässen durch Corona noch nicht ganz abgeschlossen, der Geschäftsführer hofft auf eine Abnahme im August.

    Trotz der neuen Technik ruft der AZV-Geschäftsführer dazu auf, nichts in die Toilette zu werfen, was nicht hinein gehört: "Die Abfall-Entsorgung übers Abwasser-System ist mit Abstand die teuerste", stellt er klar. Probleme machen nicht nur die langfasrigen Feuchttücher, auch wenn deren Schaden besonders hoch sei: Essenreste in den Kanälen zum Beispiel lockten Ratten an, Medikamente oder Mikro-Plastik seien nur sehr aufwändig aus dem Abwasser zu bekommen. Windeln, Textilien, Haare oder Katzenstreu führten oft zu verstopften Kanälen. Bei anderen Abfällen im Abwasser geht Oschmann dagegen sowieso davon aus, dass sie nicht absichtlich dorthin gelangen: "Bei uns kommen auch manchmal Handys, Zahnspangen oder Rasierpinsel an", berichtet er.

    Ein weiteres Problem im Kanalnetz ist das Fremdwasser, also eigentlich sauberes Grundwasser, das an schadhaften Stellen ins Kanalnetz fließt. Laut Oschmann beträgt der Anteil im Jahresmittel mehr als 50 Prozent der gesamten Abwassermenge. Die Aufsichtsbehörde habe bereits einen zu hohen Fremdwasseranteil angemahnt.

    Sieben Stellen werden saniert

    Die Verbandsversammlung stimmte deshalb dem Antrag zu, dass in den kommenden Monaten insgesamt sieben Stellen ausgebessert werden, an denen das ganze Jahr über Wasser in die Kanäle strömt, etwa an der Sammelleitung in Westheim oder direkt auf dem Gelände der Kläranlage . Weitere besonders schadhafte Stellen befinden sich in Oberthulba, an der Thulbaunterquerung bei Thulba, an der Drossel-Einrichtung Reith und am Regenüberlauf in Engenthal. Den Auftrag zur Sanierung erhielt die Firma "Kanal Türpe" für rund 15 000 Euro. Die Arbeiten sollen bis Oktober abgeschlossen werden.

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    Ralf Ruppert

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