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    Hammelburg

    Zwischenfrucht statt sauberen Acker

    Jan Röger vom AEL Bad Neustadt und Wasserberater Rainer Schubert (von links) informierten interessierte Landwirte auf den Felder von Gerhard Fella in Seeshof über Zwischenfrüchte, die nach der Ernte 2019 in Streifen angelegt wurden.Hilmar Ruppert
    Jan Röger vom AEL Bad Neustadt und Wasserberater Rainer Schubert (von links) informierten interessierte Landwirte auf den Felder von Gerhard Fella in Seeshof über Zwischenfrüchte, die nach der Ernte 2019 in Streifen angelegt wurden.Hilmar Ruppert

    Der landwirtschaftliche Hof von Gerhard und Lore Fella in Seeshof ist Demonstrations- und Multiplikatorbetrieb für Gewässer-, Boden- und Klimaschutz . Man verzichtet dort auf den Pflug und arbeitet seit 20 Jahren mit Zwischenfruchtanbau - und das sogar im hauseigenen Garten. Zusammen mit dem AELF Bad Neustadt (Jan Röger, Theresia Dietz, Abteilungsleiter Peter Will) und Wasserberater Rainer Schubert konnten interessierte Landwirte sehen und vergleichen wie die unterschiedlichen Aussaaten auf die Witterungsverhältnisse reagieren.

    Nach der Ernte 2019 hatte Fella Zwischenfrüchte auf 15 Streifen angelegt. Die Saaten tragen Namen wie Universal, Beta Maxx, Warm Season, Landsberger Gemenge, Greening Star oder Gesundvariante Ölrettich. Sie beinhalten Pflanzen wie Senf, Wicke, Alexandriner Klee, Lupine, Ölrettich, Phacelia, Ramtillkraut und viele mehr. "Man muss sich von dem Bild verabschieden - Ich brauche einen sauberen Acker", gab Schubert zu bedenken. Man müsse dem Boden die Gelegenheit geben steigende Temperaturen und geringere und unregelmäßigere Niederschläge auszugleichen. Dabei sei die Zwischenfrucht gut für den Humusaufbau, eine erhöhte Wasseraufnahme, die Bindung von Nährstoffen wie Stickstoff und dem Unterbrechen von Krankheitszyklen.

    Praxistaugliche Tests

    Die verschiedenen Mischungen haben verschiedene Aussaatzeiten und werden abgestimmt auf unterschiedliche Fruchtfolgen. Sie ernähren den Boden und unterdrücken Bei- bzw. Unkräuter. Zwei praxistaugliche Test wurden durchgeführt: Zum einen zählte man die Regenwürmer und rechnete die Anzahl auf einen Quadratmeter (mit 30 cm Tiefe) um. Zum anderen prüfte man die Wasseraufnahmefähigkeit eines Zwischenfruchtfeldes. Simuliert wurde ein Starkniederschlag von 40 Liter/qm. Das Ergebnis für viele überraschend: In nur 30 Sekunden hatte der Boden das Wasser aufgenommen. Zwischenfruchtanbau dient damit als Wasserspeicher.

    Vortrag über Gesetz und Auswirkungen

    Im Anschluss an den Rundgang referierte Wolfgang Ehbauer, Regierung von Unterfranken , über das Gesetz zur Artenvielfalt und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Landwirtschaft . Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" änderte das Bayerische Naturschutzgesetz und zusätzlich wurde das Versöhnungsgesetz zum 1. August 2019 beschlossen. Zu den definierten Zielen zählen die Erweiterung des Ökolandbaues auf 30 Prozent (bis 2030), die Schaffung eines Biotopverbundes auf 15 Prozent, Gewässerrandstreifen mit fünf Metern Breite und das Verbot der Umwandlung von Dauergrünland in Ackerland. "Bleiben Sie selbstbewusst, wir machen nicht alles falsch", ermunterte Ehbauer die anwesenden Landwirte. Zum Thema Arten- und Naturschutz müsse man kooperativ sein.

    "Wir sind Unternehmer und wir müssen unsere Produkte verkaufen", so Abteilungsleiter Peter Will. Wenn diese Auflagen nur in Deutschland wirksam werden und nicht EU-weit, werde man Probleme bekommen. Theresia Dietz, die auch "Fridays for Farmers" mitbegleitet verwies darauf, dass Schul-Lehrpläne vermitteln sollen wie Landwirtschaft funktioniere. In diesem Zusammenhang animierte sie die Landwirte dazu, Schulklassen einzuladen und den Betrieb vorzustellen.

    Hilmar Ruppert

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