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    MÜNCHEN

    Aigner will Verlauf der SuedLink-Trasse verschieben

    Dorn im Auge: Weil Strommasten selbst bei Sonnenuntergang nur bedingt schön sind, soll die SuedLink-Trasse möglichst aus Bayern hinausgedrängt werden. So will es die Staatsregierung.
    Dorn im Auge: Weil Strommasten selbst bei Sonnenuntergang nur bedingt schön sind, soll die SuedLink-Trasse möglichst aus Bayern hinausgedrängt werden. So will es die Staatsregierung. Foto: Martina Müller

    Die CSU-Staatsregierung will bei einem weiteren Ausbau der Stromnetze in Süddeutschland eine Belastung Unterfrankens über die bereits im Bau befindliche Thüringer Strombrücke hinaus verhindern. „Die Region Grafenrheinfeld darf nicht zur nationalen Stromdrehscheibe werden“, heißt es in einer Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums zum aktuellen Entwurf der Bundesnetzagentur für einen „Netzentwicklungsplan Strom“.

    Gelingen soll dies durch eine Verschiebung der umstrittenen Gleichstromtrasse SuedLink nach Westen. Anstatt durch Unterfranken könnte die Trasse „im Fall des Bedarfsnachweises“ vor allem durch Hessen und Baden-Württemberg nach Kupferzell/Großgartach in den Großraum Stuttgart geführt werden.

    Von dort aus sei „anstelle des Netzverknüpfungspunktes Grafenrheinfeld der Netzverknüpfungspunkt Gundremmingen möglichst weitreichend auf Bestandstrassen anzustreben“, heißt es in dem Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt. Bayern wäre damit weitgehend von der SuedLink-Trasse entlastet.

    Durchsetzen will Bayerns Energieministerin Ilse Aigner (CSU) diese Westverschiebung nach Informationen dieser Zeitung offenbar vor allem mit dem Verweis auf eine faire Lastenverteilung zwischen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, den drei großen Verbrauchszentren in Süddeutschland: Alle drei Bundesländer profitierten schließlich gleichermaßen vom Netzausbau, so Aigners Argumentation.

    Bei SuedLink könne sogar unter bestimmten Voraussetzungen der Schwerpunkt der Versorgung in Baden-Württemberg liegen. Bayern sei jedenfalls nicht bereit, als einziges Bundesland möglicherweise zwei neue Gleichstromtrassen hinnehmen zu müssen, heißt es.

    Zuletzt soll sich auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) massiv gegen ein „Spinnennetz“ aus neuen Leitungen um Grafenrheinfeld ausgesprochen haben: Neben der Thüringer Strombrücke aus dem Osten könnte SuedLink aus dem Norden nach Grafenrheinfeld und von dort Richtung Süden weiter nach Baden-Württemberg geführt werden. Eine solche „Überbündelung von Strominfrastruktur in Grafenrheinfeld muss nach unserer Auffassung schon allein aus Gründen der Sicherheit entflochten werden“, heißt es in dem Schreiben aus Aigners Ministerium an die Bundesnetzagentur.

    Für die zweite in Bayern geplante neue Stromtrasse, die Gleichstrompassage Süd-Ost, fordert die Staatsregierung eine überwiegende Führung auf bestehenden Stromtrassen sowie eine deutliche Verkürzung durch die Festlegung eines neuen südlichen Endpunktes. Offenbar ist hier an einen Verlauf weitgehend auf bestehenden Masten durch Oberfranken und die Oberpfalz und von dort in den Raum Ingolstadt gedacht. Bislang ist Meitingen bei Augsburg als südlicher Endpunkt vorgesehen.

    Aigner macht den Ausbau der Trassen nach wie vor vom Nachweis der Notwendigkeit abhängig und pocht weiter auf den Zubau neuer fossiler Reservekraftwerke: Effiziente Gaskraftwerke wie im oberbayerischen Irsching müssten am Netz gehalten und Investitionen in neue Kraftwerke ermöglicht werden.

    Dabei müsse eine „wirtschaftliche Vergleichsrechnung“ gelten: Weil neue Gaskraftwerke in Bayern das Netz stärker entlasten könnten, als weit entfernte Kraftwerke etwa in Norditalien, müsse man vor Ort deutlich weniger Leistung vorhalten – was den Neubau preisgünstiger mache, argumentiert Aigner.

    Der Chef der Bundesnetzagentur Jochen Homann hatte neue Gaskraftwerke in Bayern kürzlich ausgeschlossen – „weil sie sich nicht rechnen“. Homann pochte zudem zum Schließen der Versorgungslücke auf zwei neue Stromtrassen im Freistaat. Die Bundesnetzagentur soll in den nächsten Wochen ihre Pläne für das künftige deutsche Stromnetz vorlegen. Die politische Entscheidung über den Netzausbau soll in Berlin noch vor der Sommerpause fallen.

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