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    DÜSSELDORF / GRAFENRHEINFELD

    E.ON-Umbau: Mainfranken spürt davon wohl nichts

    E.ON denkt um: Der hoch verschuldete Konzern will das bisherige Hauptgeschäft mit Atomkraft, Kohle und Gas abgeben. Foto: dpa

    Der hoch verschuldete Düsseldorfer Dax-Konzern will sich künftig auf erneuerbare Energien, Energienetze und Kundendienstleistungen konzentrieren – das Hauptgeschäft mit Atom, Kohle und Gas will E.ON hingegen abgeben. An der Börse kamen die Pläne gut an, doch es gibt auch warnende Stimmen.

    Die künftige E.ON-Gesellschaft für die Stromerzeugung mit Atomkraft, Kohle und Gas hat nach Überzeugung von E.ON-Chef Johannes Teyssen gute Aussichten am Markt. „Es ist noch nicht gesagt, wer in fünf Jahren der erfolgreichere ist – E.ON oder die neue Gesellschaft“, sagte er am Montag in Düsseldorf. Die neue Gesellschaft starte schuldenfrei und mit den kompletten Atomrückstellungen des Konzerns in Höhe von rund 14,5 Milliarden Euro.

    Großkraftwerke würden noch für eine lange Zeit als Rückgrat der Energieversorgung gebraucht, betonte Teyssen. Deshalb werde das ausgegliederte Geschäft eine starke Zukunft haben. Allerdings unterscheide sich das klassische Geschäftsmodell immer stärker von den Anforderungen der neuen Energiewelt. Es sei schwer geworden, beides unter einem Dach zu vereinen.

    Die Grundlagen für die Börsennotierung des neuen Unternehmens sollen im kommenden Jahr geschaffen werden. Dafür werden unter anderem die Investitionen um 500 Millionen Euro auf 4,8 Milliarden Euro erhöht. Nach der Zustimmung der Hauptversammlung soll die Abspaltung dann im Geschäftsjahr 2016 durchgeführt werden. Auswirkungen auf die Arbeitsplätze sollen die Maßnahmen der Mitteilung zufolge nicht haben.

    Aushängeschild in der Region ist das Bayernwerk (vormals E.ON Bayern). Der Netzbetreiber und Energiedienstleister mit Sitz in Regensburg beschäftigt etwa 2800 Mitarbeiter, davon rund 220 in Unterfranken. Durch die neue Konzernstruktur stünden beim Bayernwerk keine Veränderungen an, schreibt Unternehmenssprecher Maximilian Zängl.

    Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sind weder Jobs noch die Milliarden-Atom-Rückstellungen beim Energieriesen gefährdet. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeitsplätze in beiden Unternehmen gesichert bleiben“, sagte Gabriel.

    Der Staat sei an einem Einstieg nicht interessiert. Sorgen, dass E.ON sich beim Atomausstieg aus der Verantwortung ziehen könnte, seien unbegründet, so Gabriel. Dies sei gesetzlich klar geregelt: „Wir passen auf, dass die Rückstellungen für den Rückbau von Atomkraftwerken und die nukleare Entsorgung gesichert bleiben.“

    Die Grünen warnten indes vor Risiken für die Steuerzahler. „Ich befürchte, dass E.ON eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss“, sagte die Energie-Expertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn. Sie ist der Ansicht, dass diese Gesellschaft nicht genug Gewinn machen würde, um den Rückbau und die Entsorgung der Atommeiler zu finanzieren.

    Zu den sieben Atommeilern des E.ON-Konzerns gehört der in Grafenrheinfeld (Lkr. Schweinfurt). Er soll Ende Mai 2015 endgültig vom Netz gehen.

    Dann kann der Rückbau beginnen, wobei die letzten Brennelemente für etwa fünf Jahre im Abklingbecken gekühlt werden müssen, bis die Betriebstemperatur es ermöglicht, sie im Zwischenlager zu deponieren.

    Auf Nachfrage zum Zeitplan in Grafenrheinfeld teilte ein Konzernsprecher lapidar mit, von der Änderung der Konzernstruktur seien „einzelne Standorte nicht unmittelbar betroffen“.

    E.ON schiebt mittlerweile einen Schuldenberg von 31 Milliarden Euro vor sich her. Daran ändert auch der Verkauf des gesamten Geschäfts in Spanien und Portugal für 2,5 Milliarden Euro nur wenig.



    (Mit Informationen von dpa.)

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