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    WÜRZBURG

    Joachim Spatz (FDP) kandidiert für den Deutschen Bundestag

    Im Café Fortuna am Vierröhrenbrunnen ist Joachim Spatz Stammgast.

    Er bestellt zwei Kugeln Eis und ein stilles Wasser – „wie immer“.

    In Biergärten oder im Dallenbergbad sei er im Sommer öfters anzutreffen.

    „Mit meiner Familie“, sagt Spatz.

    Diesen Satz muss man dem Bundestagskandidaten aus der Nase ziehen.

    Privates gehört für ihn nicht in die Zeitung und seine Frau oder sein Sohn schon gar nicht.
     
    „Schließlich stehe ja ich zur Wahl und nicht meine Familie.“

    Lieber spricht er über Steuerrecht, Außen- und Sicherheitspolitik oder die Wirtschaftskrise.

    Das Eis kommt und Spatz erklärt, warum Deutschland mit der FDP am besten aus der Krise kommt. Panik sei nicht angebracht, allenfalls bekomme er Angst bei den panischen Reaktionen mancher politischer Gegner.
     
    „Unsere freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in Frage zu stellen ist völlig unangebracht. Dass jetzt der Ruf nach Verstaatlichung von Schlüsselindustrien laut wird, hätte ich mir nicht träumen lassen.“

    Durch sachliche, aber pointiert vorgetragene Beiträge ist der FDP-Politiker in den vergangenen 13 Jahren im Stadtrat aufgefallen. Reden kann er. Das Eis schmilzt.

    Mit einigen Änderungen sollte die freie soziale Gesellschaftsordnung schon aus der Krise gehen, glaubt er. „Die Rückbesinnung auf die Grundethik in der Marktwirtschaft ist dringend notwendig.

    Die Stützen der Gesellschaft müssen sich in Bescheidenheit und Moral üben, sonst wird das auf Dauer nicht funktionieren.“

    Das Thema Unternehmenskultur interessiert ihn deutlich mehr als sein Eis.

    Den regionalen Mittelstand lobt der FDP-Mann ausdrücklich. Dieser agiere trotz 30 bis 40 Prozent Nachfragerückgang gelassen und versuche, die Arbeitsplätze durch Kurzarbeit zu sichern.

    Die Praxis kennt der Bundestagskandidat durch seine 15-jährige Tätigkeit in der Wirtschaft, zuletzt als Unternehmensberater. „Es ist gut, die Politik immer auch von der Seite derer zu sehen, die mit ihren Vorgaben umgehen müssen.“

    Der Diplom-Mathematiker ist beruflich viel in Osteuropa und im Nahen Osten unterwegs. Eine große Umstellung wäre es also nicht, wenn er im Herbst in den Bundestag einzieht.

    „Und was würden Sie dann mit Ihrem Stadtratsmandat machen? Abgeben oder weitermachen?“

    Endlich nimmt sich Joachim Spatz ein paar Löffelchen von seinem weichen Vanilleeis, denn zu dieser Frage schweigt er ausnahmsweise.

    Obwohl er sich mit Platz acht einen Platz auf der Landesliste erkämpft hat, von dem aus sein Einzug in den Bundestag höchstwahrscheinlich ist, sieht er sich noch nicht in Berlin. „Die Wähler entscheiden.“

    Um diese will er in den nächsten Wochen noch kräftig werben. Obwohl er in den vergangenen Wahlkämpfen um Bundestags- oder Landtagsmandate und OB-Sessel nicht erfolgreich war, Wahlkampf macht ihm Spaß.

    Spatz schätzt Podiumsdiskussionen, auch der Straßenwahlkampf in der Fußgängerzone macht ihm Spaß.

    Eine Homepage hat er, mehr aber nicht. „Twittern oder so ist nicht mein Ding,“ sagt er zu einem Wahlkampf im Obama-Stil. Statt per SMS hofft er mit Argumenten zu überzeugen. Mit Aussagen zu Renten-, Familien- und Bildungspolitik.

    Das Vanilleeis fließt schon – also noch eine letzte Frage: Was bewegt ihn dazu, sich seit über 20 Jahren politisch zu engagieren? „Ich bin ein Weltverbesserer“, sagt er mit einem offenen Lächeln und ganz selbstverständlich.

    „Ich glaube, dass man an der ein oder anderen Stelle etwas dazu tun kann, um die Situation der Menschen zu verbessern.“

    Für Spatz ist das kein Widerspruch zum liberalen Ruf nach Eigenverantwortung in der Leistungsgesellschaft.
     
    „Die Rahmenbedingungen, damit die Menschen ihr Glück machen können, muss schon die Politik schaffen,“ sagt er und rührt sein zur Vanille-Soße geschmolzenes Eis um.

    Zur Person


    Joachim Spatz ist verheiratet und Vater eines neunjährigen Sohnes.

    Er arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater. Der 45-Jährige ist in Rück-Schippach bei Elsenfeld (Landkreis Miltenberg) geboren und aufgewachsen. Spatz saß 1990 bis 1994 für die FDP im Landtag.
     
    Er gehört dem Landesvorstand der Partei an, ist Bezirksvorsitzender und FDP-Fraktionsvorsitzender im Würzburger Stadtrat.

    Online-Tipp

    Alle Informationen zur Bundestagswahl im Internet: www. mainpost.de/bundestagswahl

    Von unserem Redaktionsmitglied MANUELA GÖBEL

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