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    KARLSTADT

    Keine Alternative zur Stromtrasse

    Während die Bürgerinitiative und der Landrat von Main-Spessart die Stromtrasse SuedLink im Sinn-, Saale oder Werntal für undenkbar halten, bleibt der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, vorsichtig: Er werde keinerlei Vorfestlegungen treffen, sagte er bei einem Treffen im Landratsamt in Karlstadt (Lkr. Main-Spessart), zu dem er mit einer kleinen Delegation aus Bonn angereist war. Gleichwohl aber sei man im Planungsprozess angewiesen auf Rückmeldungen aus den betroffenen Gebieten.

    Es werde sich wohl in den drei Jahren der Planungsphase auf technischem Gebiet viel tun, sagte er, als über das Thema Erdverkabelung diskutiert wurde. Beide Techniken – sowohl Leitungen in der Luft wie auch Kabel im Boden – seien in Deutschland bei Höchstspannungsgleichstromtrassen noch nicht erprobt. Aber siebenmal so teuer wie eine Luftleitung sei das Erdkabel bei einer Gleichstromleitung nicht. Das gelte nur für Wechselstrom. Bei Gleichstrom rechne man momentan mit den zwei- bis vierfachen Kosten.

    Es gebe auch keine Quoten – wie manchmal zu hören ist – für den Anteil der Erdverkabelung, sagte Homann. Vielmehr werde man dort in der Erde verlegen, wo es notwendig ist. Als Bürgerinitiativensprecher Johannes Sitter das Thema Elektrosmog anschnitt, stellte Homann klar, „dass wir keine Leitung über einem Wohnhaus oder einem Kindergarten bauen werden“. Man werde stets angemessene Abstände einhalten und sich im Übrigen nach den Grenzwerten der Bundesimmissionsschutzverordnung richten.

    Sowohl Johannes Sitter als auch Landrat Thomas Schiebel, Bundestagsabgeordneter Bernd Rützel und Landtagsabgeordneter Thorsten Schwab halten den Landkreis Main-Spessart für ungeeignet, um dort die Stromtrasse zu bauen. Schiebel sagte, gerade das Sinntal sei einerseits ein wirtschaftlich benachteiligtes Gebiet, andererseits bereits belastet. Dort verläuft die ICE-Strecke. Rützel betonte, er bevorzuge eine Trassenführung entlang der Autobahn A7. Schwab schloss sich dem teilweise an. Er plädierte aber dafür, dass sich Bayern selbst mit Strom versorgt. Er denke dabei an Gaskraftwerke, die sich derzeit nicht rentieren, weil für sie der Bedarf nicht vorhanden ist.

    Homann erteilte solchen Überlegungen ein deutliche Absage. Spätestens wenn das letzte Atomkraftwerke abgeschaltet ist, werde es zu Problemen kommen – denen man mit dem Trassenbau vorbeugen könne. Die Energiewende sei beschlossen. Gaskraftwerke aber seien nicht Sinn der Energiewende, weil Gas keine erneuerbare Quelle ist. Ohne die Trasse drohe Bayern eine Versorgungslücke beim Strom. Volkswirtschaftlich sei es wesentlich günstiger, die Stromtrasse zu bauen, als neue Kraftwerke. Zugleich betonte er aber, die Bundesnetzagentur wolle, dass die Trasse möglichst verträglich gebaut werde.

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