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    NÜRNBERG / BAMBERG

    Kritik am Franken-Thüringen-Express

    Neu, aber nicht unbedingt besser: 22 Talent-Triebzüge setzt die Deutsche Bahn seit Dezember für den Franken-Thüringen-Ex... Foto: Dpa

    Seit Anfang Dezember rollen sie über Frankens Schienen, die neuen Züge des Franken-Thüringen-Express (FTX). Ohne Umsteigen geht es von Nürnberg über Bamberg und Sonnefeld bis Jena. Erstmals gibt es eine zweistündliche Direktverbindung zwischen Franken und der thüringischen Universitätsstadt. Doch nicht alle Fahrgäste sind begeistert, der Fahrgastverband Pro Bahn hat gar „schwere Defizite“ ausgemacht.

    DB Regio hat 22 Talent-Triebzüge in drei-, vier- und fünfteiliger Konfiguration beschafft. Die spurtstarken Niederflurfahrzeuge wurden vorab als Komfort-Revolution gefeiert, doch jetzt gibt es Ärger. Überfüllte Züge und Verspätungen sind an der Tagesordnung, berichtet der Bayerische Rundfunk (BR). Dass es bei fünf der 22 Züge wegen eines Konstruktionsfehlers bei Minustemperaturen immer wieder zu Problemen kommt, hat Bahn-Sprecher Anton Knapp dem BR bestätigt. Hersteller Bombardier müsse nachbessern.

    Probleme treten nicht nur bei Frost auf. Das Hauptproblem ist die zu geringe Sitzplatzkapazität der neuen Triebwagen. Pro Bahn gibt zu bedenken, dass der Zug im Nahverkehr primär mit dem Auto konkurriert, und im eigenen Auto hat man immer einen Sitzplatz. Wenn der öffentliche Nahverkehr wirklich konkurrenzfähig werden solle, müsse dies auch dort gelten.

    Weitere Beschwerden gibt es wegen unkomfortabler Sitze. Die harten Stühle bieten nicht mehr als Nahverkehrsstandard. Außerdem fehlten Gepäckablagen. Pro Bahn fordert den Besteller der Leistungen, die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) zur Abhilfe auf. Die eingesetzten Züge müssten verlängert und durchgängig mit Gepäckablagen ausgerüstet werden.

    Das Grundkonzept des FTX sieht stündlich eine Direktverbindung von Nürnberg nach Sonneberg vor. Diese Züge führen immer einen zweiten Zugteil mit. Abwechselnd wird dieser entweder in Bamberg abgehängt und fährt nach Würzburg oder er wird in Lichtenfels zur Fahrt nach Jena abgetrennt. In der Gegenrichtung werden die Züge in denselben Bahnhöfen vereinigt. „Dieses Konzept ist grundsätzlich zu begrüßen“ heißt es bei Pro Bahn, leider träten auch hier Probleme auf: Die neuen Talent 2 Züge brauchten relativ lange für die Vereinigung von zwei Zugteilen. Dies kostet Zeit, und die fehlt, um Verspätungen abzubauen. Vollends unverständlich aber ist für Pro Bahn, dass ein pünktlicher Zugteil „teilweise bis zu einer Stunde“ auf einen verspäteten Partner warte. Es wäre sinnvoll, so Pro Bahn, eine Praxis aus dem Osten Bayerns zu übernehmen. Dort werde ab einer Verspätung von rund zehn Minuten auf das Kuppeln verzichtet und beide Zugteile fahren separat zum Endbahnhof.

    Der Franken-Thüringen-Express fährt zum Nahverkehrstarif. Eine Fahrt zwischen Jena und Nürnberg kostet 37,30 Euro im Normalpreis. Der ICE-Tarif beträgt 49 Euro, ist aber im Sparpreis auch für 19 Euro zu bekommen. Von Jena bis Bamberg verliert der neue Zug nur acht Minuten auf den ICE, hält aber 16 Minuten in Bamberg. Von Jena bis Nürnberg hält der Regionalexpress 18 Mal. Er braucht dafür zwei Stunden 56 Minuten, bis zu 37 Minuten länger als ein ICE.

    tito

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