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    BISCHOFSHEIM / GERA

    Nach Raub Kinder vom Sport abgeholt

    Ein Überfall in Bischofsheim (Lkr. Rhön-Grabfeld) brachte die Polizei auf die Spur der mehrfachen Bankräuberin: Verzweifelt versuchte eine 39-jährige Mutter, ihre Heroinsucht zu verbergen – aus Angst, ihre Kinder würden ihr genommen werden.

    Vor knapp einem Jahr war sie am 23. November auf dem Weg von Meiningen nach Frankfurt, um Stoff zu besorgen. Aber sie hatte kein Geld, um die Droge zu zahlen, wie sie sechs Monate später vor dem Landgericht Schweinfurt gestand: Sie tarnte sich mit schwarzer Perücke und Brille. Dann betrat sie mit einer Spielzeugpistole in der Hand die Postagentur im unterfränkischen Bischofsheim. Mit 260 Euro in der Tasche floh sie, wurde am gleichen Tag gefasst und ins Bezirkskrankenhaus in Lohr gebracht. Im Mai 2013 verurteilte das Landgericht Schweinfurt sie zu viereinhalb Jahren Haft – doch damit war der Fall noch nicht zu Ende.

    Drei Wochen zuvor hatte eine schwarzhaarige Frau einer Bankangestellten im thüringischen Knau (Saale-Orla-Kreis) die Pistole unter die Nase gehalten: „Ich will große Scheine, sonst erschieße ich dich.“ Die Frau gehorchte – löste aber heimlich Alarm aus und reichte der Räuberin ein 1000-Euro-Paket mit markierten Scheinen. Dann war die Maskierte aus der Bankfiliale gerannt.

    „Ich habe die Sucht vertuscht, weil ich Angst hatte, dass mir die Kinder weggenommen werden.“
    Angeklagte Lehrerin

    Nach der Festnahme in Unterfranken werteten Polizisten ihre Handydaten aus. Dabei zeigte sich: Die Tatverdächtige war bei dem Überfall in Knau gewesen – wie zuvor am 15. August 2012 in Kühndorf (Lkr Schmalkalden-Meiningen). Wegen der zwei Banküberfälle stand die Frau nun in Gera erneut vor Gericht. Der Vorsitzende bot ihr gegen ein schnelles Geständnis eine Gesamtstrafe von sechseinhalb Jahren an. Die Angeklagte nahm das an. Ihren Worten zufolge hatte sie nach der Wende den falschen Freunden vertraut und Heroin ausprobiert. Wegen der drei Kinder, die sie gebar, verzichtete sie jeweils kurzzeitig auf die Droge, doch wurde immer wieder rückfällig. „Ich habe die Sucht sehr gut vertuscht, weil ich Angst hatte, dass mir die Kinder weggenommen werden“, gestand sie vor Gericht. Doch der Bedarf stieg, 1500 bis 2000 Euro brauchte sie schließlich pro Monat für Stoff, von dem sie zuletzt drei Gramm pro Tag konsumiert habe.

    Aus Geldnot plante sie die Überfälle: Im Fernsehen habe dies „immer so leicht“ ausgesehen. Die Bank in Knau wählte sie aus, weil die auf dem Weg von ihrer Wohnung nach Gera lag. Nach dem Überfall „habe ich zwei Kinder aus dem Schwimmtrainingslager abgeholt, das in den Herbstferien in Gera stattfand“, gestand sie vor Gericht.

    Die Frau bleibt in der Entziehungsanstalt. Wenn die Therapie erfolgreich ist, kann die Schwimmtrainerin aus Südthüringen – die schon fast ein Jahr gesessen hat – in gut zwei Jahren auf freiem Fuß sein.

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