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    WÜRZBURG

    Werbung für Baby-Notarztwagen immer dubioser

    Die Spendenaktion der Björn-Steiger-Stiftung für einen Baby-Notarztwagen (Baby-NAW) in Würzburg wirkt mit dem Bekanntwerden neuer Fakten immer fragwürdiger. Der Eindruck verfestigt sich: Es ist kein Zufall, dass die Werber – wie in Würzburg vorige Woche – mit drastischen Schilderungen (über die Belastung für Babys beim Transport) den Eindruck erwecken, man sammle für ein Fahrzeug, das dringend hier benötigt werde.

    Aber die hiesigen Hilfsorganisationen (Johanniter, Bayerisches Rotes Kreuz und Malteser) haben seit 2001 einen Wagen im Einsatz – nicht das Modell „Felix“, das im Auftrag der Stiftung eigens entwickelt wurde. Dieser Zeitung liegen Beweise vor, dass sie seit Jahren weiß, dass hier ein weiterer Baby-NAW nicht gebraucht wird. Damit konfrontiert, spricht die Stiftung von „Missverständnis“ und „Irritationen“: Man sammle ja für die flächendeckende Versorgung.

    „Rettungsmittel von gestern“

    Offenbar bisher ohne großen Erfolg: Von 62 Fahrzeugen bundesweit sind gerade zwei im Einsatz. Eines wurde nach kurzer Erprobung als „nicht notfalltauglich“ zurückgegeben. Experten aus Würzburg belegen das mit Fakten: Der Baby-NAW ist „ein Rettungsmittel von gestern“. Bei sinkendem Bedarf gehen die Einsatz-Zahlen immer weiter zurück.

    Anna Eberchart, Pressesprecherin der Stiftung, protestierte gegen die Darstellung dieser Zeitung. Dadurch werde die Stiftung zu Unrecht in ein schiefes Licht gerückt. Doch am Freitag berichtete die Mittelbayerische Zeitung: Auch in Cham warb man jetzt mit der gleichen Masche um Spenden für einen Baby-NAW – obwohl es auch da längst einen gibt.

    Die Hilfsorganisationen dort sind ebenso sauer wie Uwe Kinstle, Regionalvorstand der Würzburger Johanniter. „Das sind unwahre Werbemethoden“, sagt er zum „Versehen“ der Werber. Der Redaktion sind weitere Fälle aus Pforzheim und Osnabrück bekannt. Das Vorgehen hat offenbar Methode: Kritik wird ignoriert, weil man Spenden und Mitglieder dringend braucht. Insider berichten, die Entwicklungskosten für „Felix“ hätten der Stiftung 2009 die Luft abgeschnürt. Steiger musste die Landesregierung in Stuttgart um eine Drei-Millionen-Euro-Bürgschaft bitten.

    Diese Zeitung hat Belege dafür, dass die Stiftung im Raum Würzburg seit 2009 mit der Masche arbeitet, Besserung gelobt und unverdrossen weitermacht. Das machte hiesige Hilfsorganisationen wütend. „Es tut mir sehr leid, dass sich unsere Agentur nicht an die Anweisung – in Würzburg nicht für den Baby-NAW zu werben – gehalten hat“, räumte Vorstand Pierre-Enric Steiger schließlich 2009 ein. Martialisch forderte er die Agentur, die im Auftrag der Stiftung um Geld und Mitglieder wirbt, „letztmalig auf, im Raum Würzburg keinerlei Förderwerbung für Baby-Notarztwagen zu betreiben“.

    Werbung trotz Verbots

    Aber entweder verstand die Agentur das nicht – oder sie wusste, dass sie dies ignorieren durfte. Kurz darauf war sie wieder da, zehn Kilometer weiter, in Giebelstadt. Johanniter-Vorstand Ralph Knüttel, dem lange an der gütlichen Regelung lag, drohte nun mit dem Anwalt: „Offenbar macht trotz Abmahnung in Ihrem Laden jeder, was er will, oder?“

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