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    WÜRZBURG / SCHWEINFURT

    Wie wird die Region noch erfolgreicher?

    Wie können wir Mainfranken zukünftig noch erfolgreicher machen? Diese Frage wurde beim Zukunftsforum Mainfranken am Donnerstagabend im Main-Post-Kasino diskutiert – und das mitunter heftig.

    Die Rivalität zwischen Würzburg und Schweinfurt ist dabei nicht zu unterschätzen, wie im Verlauf der Diskussion deutlich wurde. Im Rahmen des Zukunftsforums wurde allerdings auch eine neue Idee geboren: eine "Wir-Gefühl-Pflegetour". Soll heißen: Gemeinsam den Kreuzberg erklimmen für eine prosperierende Zukunft Mainfrankens: Mit dieser ungewöhnlichen Aktion wollen führende Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Sport im Herbst das Regionalbewusstsein stärken.

    Die Region Mainfranken GmbH, die IHK Würzburg-Schweinfurt und die Main-Post hatten am Donnerstagabend rund 150 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingeladen, um die Ergebnisse einer Sonderauswertung des jüngsten Zukunftsatlas der Prognos-AG zu vertiefen. „Unser Ziel ist es, die vielfältigen Stärken Mainfrankens im Bewusstsein der Menschen zu verankern, gleichzeitig aber auch Schwächen und mögliche Risiken für die Zukunft aufzuzeigen“, sagte der Geschäftsführer der Mediengruppe Main-Post David Brandstätter.
     


    Mainfranken ist laut der Prognos-Studie eine Topregion mit Zukunftschancen. Alle Landkreise sowie Würzburg und Schweinfurt befänden sich unter den besten 40 Prozent, sagt Asa Petersson, Geschäftsführerin der Region Mainfranken GmbH. Doch es gibt Luft nach oben. So sei die Gründungsintensität zu niedrig. Zudem werde die Bevölkerung in Folge des demografischen Wandels schrumpfen. Mainfranken muss also handeln, um im überregionalen Vergleich weiterhin zur Spitze zu gehören.

    Die Frage nach dem richtigen Weg

    Es bleibt die Frage nach dem richtigen Weg. Den diskutierten Rainer Hundsdörfer, Vorsitzender der Geschäftsführung der ebm-papst GmbH in Mulfingen, Thomas Habermann, Landrat des Landkreises Rhön-Grabfeld, Dieter Pfister, Präsident der IHK Würzburg-Schweinfurt, und Robert Grebner, Präsident der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. Moderiert wurde die Debatte von Main-Post-Chefredakteur Michael Reinhard.

    Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion in Würzburg hatten unisono beklagt, dass in Würzburg und Schweinfurt der Wille unterentwickelt sei, gemeinsam die Interessen der Region zu vertreten. „Da haben beide Städte noch Luft nach oben“, war die einhellige Überzeugung.

    Schweinfurt und Würzburg stünden beispielsweise im Wettbewerb bei der Anwerbung junger Menschen. „Es ist der Region nicht geholfen, wenn Würzburg um vier Prozent wächst und Schweinfurt um fünf Prozent schrumpft“, so der Schweinfurter Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) am Freitag auf Anfrage dieser Zeitung. „Solche Themen sind eben auch mit wohlmeinenden gegenseitigen Sympathiebekundungen nicht wegzudiskutieren.“

    Auch am Donnerstagabend sprachen die Redner den Aspekt "junge Leute" an: Schon bei den Studenten der Fachhochschule sei eine gewisse Immobilität zu erkennen. Vielen Studierenden in Schweinfurt sei gar nicht bewusst, dass die Hochschule einen Standort in Würzburg hat, so Grebner. Und das bei gerade einmal rund 36 Kilometer Luftlinie, die die beiden Städte trennen.

    Oberstes Ziel müsse es daher sein, die Unstimmigkeiten der beiden Städte zu überwinden. Durch die häufig unzureichende Kooperationsbereitschaft blockierten sich die Beteiligten selbst auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft, so der Tenor der Veranstaltung.

    Über diesen Tenor zeigten sich sowohl Remelé als auch Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) , die beide nicht bei der Veranstaltung waren, am Freitag überrascht. Remelé: „Glauben Sie mir, es gibt keine Rivalitäten zwischen Schweinfurt und Würzburg. Wir befehden uns nicht. Ich habe mit Herrn Schuchardt sogar schon über eine engere Zusammenarbeit gesprochen.“

    Christian Schuchardt sieht das ähnlich. Es könne keine Rede davon sein, dass es „auf Amtsebene“ zwischen den beiden Stadtoberhäuptern nicht funktioniere. „Im Gegenteil“, sagte der OB-Novize, „einer meiner ersten Antrittsbesuche war beim Kollegen Remelé“. Wenn es gelegentlich „vielleicht ein paar Sticheleien zwischen den Bürgern beider Städte“ gebe, entspringe dies einer historischen Tradition. Schuchardt: „Aber das ist völlig normal. Das gibt es anderswo auch. Schauen Sie sich nur mal das Verhältnis der Kölner und Düsseldorfer an.“

    Remelé machte allerdings deutlich, dass er gegen eine „zwangsweise Harmonisierung“ sei. „Wir haben in der Region Mainfranken mit Schweinfurt und Würzburg zwei Ballungsräume. Und wir verstehen uns auf verschiedenen Gebieten auch als Wettbewerber. Das liegt in der Natur der Sache und ist alles andere als schädlich. Im Gegenteil: Ein gesunder Wettbewerb zwischen den beiden Städten ist für die Region eher förderlich.“

    Bei der Veranstaltung war die Grundstimmung etwas anders: "Die Kräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik müssten gebündelt werden, um zusammen anstrengende, aber lohnende Projekte umzusetzen", sagte zum Beispiel Thomas Habermann, Landrat des Landkreises Rhön-Grabfeld. Geinsame Erfolge seien wichtig für die Identitätsbildung.

    Christian Schuchardt bleibt angesichts der Diskussion gelassen, vor allem, was das Thema Arbeitsplatz und Wohnraum angeht: „Im Sinne der Region habe ich überhaupt nichts dagegen, wenn einer in Schweinfurt arbeitet und in Würzburg wohnt – oder umgekehrt. Wir sollten da eine gewisse Entspanntheit entwickeln.“

    Nach Ansicht des Würzburger Oberbürgermeister sei es wünschenswert, den Wettbewerb untereinander auf kleiner Flamme zu kochen und dafür die Kräfte für ein gemeinsames Regionalverständnis zu bündeln. „Ich freue mich zum Beispiel genauso wie Herr Remelé über ein neues Museum in Schweinfurt. Davon profitiert doch die gesamte Region.“ Und nur gemeinsam könne man Mainfranken voranbringen.“

    Das gemeinsame Voranbringen der Region - da sind sich alle einig - sollte das übergeordnete Ziel sein.  Ein erster Schritt in diese Richtung wurde mit der Debatte beim Zukunftsforum Mainfranken gegangen. „Wir haben für einen Funken gesorgt“, so Asa Petersson zum Ende der Veranstaltung. Es werden jedoch weitere Schritte folgen müssen.


    Das gelte vor allem im Auftreten „gegenüber München“. Wenn Interessen der Region bei der Landesregierung vorgetragen würden, fehlten ihnen häufig Gewicht, hieß es bei der Diskussion. Robert Grebner, Präsident der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, pflichtete dem bei und ergänzte: „Mainfranken muss Herausforderungen gemeinsam angehen.“ Und auch Remelé sagt am Freitag: „Da können wir zusammen viel selbstbewusster agieren und Mainfranken noch größeres Gehör bei der Staatsregierung verschaffen.“

    Von der Idee, zusammen mit zahlreichen mainfränkischen Mitstreitern auf den Berg der Franken zu wandern, ist das OB-Duo begeistert: „Wir sind auf jeden Fall mit von der Partie!

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