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    ANSBACH

    Wo Hunderte Magnolien blühen

    Blütenpracht: Auf dem Gelände des Landschaftsparks von Schloss Dennelohe erwarten die Besucher allein 45 verschiedene Magnolien-Arten. Foto: Sabine von Süsskind; unten: Thomas Obermeier

    Ein Bhutanischer Tempel, eine Magnolieninsel, sanfte bewachsene Hügel, eine Heidelandschaft, elf kleine Inseln mit Brücken verbunden und verschlungene Pfade: In 25 Jahren haben Robert und Sabine von Süsskind den Park von Schloss Dennenlohe in Unterschwaningen bei Ansbach in einen Besuchermagnet verwandelt. Und: Der „grüne Baron“ hat noch mehr Ideen. Über 60 verschiedene Sorten Christrosen, diverse Winterschneebälle, Scilla, Osterglocken, Flieder, Iris und Krokusse blühen dort schon jetzt.

    Das schlichte Barockschloss Dennenlohe ist seit 1825 Familienbesitz und wird in der achten Generation von den von Süsskinds bewohnt. Der Tod seines Vaters veranlasste Robert von Süsskind, seine Studien- und Wanderjahre in München, Sankt Gallen und Brüssel abzubrechen und heimzukehren in das Familienschloss in Mittelfranken. Dort entdeckte er seine Leidenschaft für das Gärtnern. Zunächst verwandelte er den alten Gemüsegarten in einen repräsentativen Englischen Park, den heutigen Privatgarten, bevor er mit dem Rhododendronpark etwas völlig Neues begann.

    2014 pilgerten rund 40 000 Besucher vorbei an Wasserflächen, Rosenbergen, Moorflächen und amerikanischer Prärie durch die ungewöhnliche Parklandschaft. Angefangen hat alles mit Rhododendren. „Viele der fast drei Meter hohen Sträucher hat mein Vater schon in den 1950er Jahren gepflanzt“, erklärt der Schlossherr. Rhododendren sind immergrüne Sträucher, die sich im Frühling mit einer überwältigenden Blütenfülle schmücken. Sie kommen ursprünglich aus dem Himalaya. Die Blütensträucher vertragen keinen Kalk und haben recht spezielle Ansprüche. „Zu schattig darf der Platz für Rhododendren nicht sein, denn sonst setzen sie weniger Blüten an.“

    Früher gab es nur den Weiher und eine weitläufige Schilflandschaft. Heute ist das 26 Hektar große Gelände (drei Hektar Rhododendron) ein Treffpunkt für Pflanzenfans aus ganz Deutschland und Europa. Ein Teil des Parks ist seit 2007 aufgrund seiner Pflanzenvielfalt als Botanischer Garten anerkannt.„Seit einigen Jahren werden die Pflanzennamen erfasst und können gegen eine extra Gebühr von allen Liebhabern bezogen werden.“ Viele Pflanzen, wie seltene wilde Azaleen, immergrüne Eichen oder Gunnera haben die Süsskinds von ihren Reisen aus England oder Frankreich mitgebracht.

    Durch das Mondtor, das rundherum komplett mit Efeu bewachsen ist, gelangt man vom Privatgarten in den Landschaftspark. Eine Sichtachse verbindet das runde Mondtor und die Rote Brücke, die – ergänzt durch ihr Spiegelbild im Wasser – ebenfalls einen Kreis bildet. „Der Kreis ist das Symbol für Yin und Yang, das Weibliche und das Männliche, das Gute und das Böse. Eins kann nicht ohne das andere.“ Ganz neu sind vier antike Säulen: „Das Aufstellen war sehr mühsam“, erzählt die Schlossherrin, denn ein tiefes Ringfundament und Kernbohrungen mussten die nötige Stabilität für die sechs Meter hohen Säulen bringen. Auch ein eigens für die Süsskinds in Bhutan gefertigter Tempel ist seit vergangenem Jahr fertig und thront auf einer Hügelkette mit Blick über den See.

    Der Garten ist dreigeteilt: Rhododendronpark, Landschaftspark und Privatgarten. Mindestens 90 Minuten sollten Besucher einplanen, wenn sie das gesamte Areal erkunden wollen. Die meisten Führungen macht der „grüne Baron“ selbst und man merkt ihm seine Leidenschaft für den Garten schon beim Erzählen an. Spricht er über die Pflanzen, gerät er immer wieder ins Schwärmen. „Es gibt immer wieder Überraschungseffekte“, freut sich von Süsskind, der noch im Alter von 52 Jahren eine Gärtnerlehre bei der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim gemacht hat.

    1998 kamen die ersten Gäste und besichtigten beim „Tag des offenen Denkmals“ den Garten. Es folgten Gartentage und eine Messe rund um das Thema und schon war der Garten auch Geschäftsidee. Das Schloss mit seinen 34 Zimmern kann nicht besichtigt werden. Allerdings stellen die von Süsskinds seit diesem Jahr fünf ihrer privaten Gästezimmer zur Verfügung: Übernachten beim Adel ist das Motto der Kampagne der Bayern Tourismus Marketing GmbH. Wer Glück hat, kann gar mit dem Baron gemeinsam frühstücken oder im Kaminzimmer Whiskeys probieren. „Mein Mann freut sich immer über Gäste.“

    Vor 20 Jahren wurden elf Inseln im Schlossweiher angelegt, die durch Stege miteinander verbunden sind. Neben fünf Airedale Terriern und einem wilden kleinen Lakeland Terrier leben noch die 17-jährigen Zwillinge auf Schloss Dennenlohe. Sie machen gerade Abitur und wissen noch nicht genau, ob sie die Gartenleidenschaft ihrer Eltern teilen. „Beide sind aber sehr kreativ“, sagt Sabine Freifrau von Süsskind.

    „Fanny's Place“ ist einer ihrer Lieblingsplätze im Garten. Den kleinen Steg im Schlossteich hat der Baron extra für sie gebaut, als die Kinder schwimmen lernten. „Den besten Ausblick über den Park und das Moor hat man vom Bhutan-Tempel aus. Das Wasser glitzert unglaublich, wenn die Sonne untergeht“, schwärmt von Süsskind.

    „2007 kamen mein Mann und ich aus England zurück und beschlossen die erste Gartennetzwerkkarte in Bayern zu realisieren, da wir in vielen England-Aufenthalten gesehen hatten, wie wichtig ein Netzwerk für Parks und Gartenbesucher ist“, erzählt sie. Knapp ein halbes Jahr später erschien die erste Karte mit 32 bayerischen Gärten, die ein voller Erfolg war. 2008 gründete Sabine von Süsskind das Bayerische Gartennetzwerk und initiierte den Deutschen und den Europäischen Gartenbuchpreis.

    Sehenswert sind auch der Rosengarten auf der Südseite des Schlosses und der Rosenberg mit über 8000 Rosen. „Im 18. Jahrhundert waren Rosen ein absoluter Luxus“, erklärt von Süsskind. Kostspielig in der Anschaffung und aufwendig in der Pflege wurden sie in Adelskreisen zum Statussymbol. Die Rosen der robusteren Sorte „Maxl Graf“ blühen von Juni bis in den Oktober hinein. Auf dem Gelände gibt es über 500 Rhododendron- und Azaleensorten sowie 45 verschiedene Arten von Magnolien, die ursprünglich aus Ostasien und Amerika stammen. Ab Ende April bis Mitte Mai bezaubern sie mit ihren großen Blüten.

    Schloss Dennenlohe

    Öffnungszeiten: Der Schlosspark ist von 1. April bis Anfang November täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen oder Privatbesichtigungen nach Reservierung. Von 14. bis 17. Mai finden die Schloss- und Gartentage statt. Über 100 Aussteller zeigen Nützliches, Kunst und Stilvolles zum Thema Garten. Eintrittspreis: Eine Tageskarte kostet 8 Euro, Klangpark-Sonntage kosten 10 Euro. Eintritt für Kinder bis 18 Jahre kostenlos. Führungen mit Baron Süsskind für Gruppen ab 25 Personen: Preis pro Person 4 Euro zuzüglich Parkeintritt.

    Kontakt: Freiherrlich von Süsskind?sche Schloss- und Gartenverwaltung, Dennenlohe 1, 91743 Unterschwaningen; Tel. (0 98 36) 9 68 88; www.dennenlohe.de/de/park

    Die Gastgeber: Robert und Sabine von Süsskind haben den Park von Schloss Dennenlohe in einen Besuchermagnet verwandelt.
    Mit dem Baron frühstücken: Die von Süsskinds stellen seit diesem Jahr fünf ihrer privaten Gästezimmer zur Verfügung.

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