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    HAßFURT

    40-Jähriger muss wegen Betrugsversuch ins Gefängnis

    Um eine Wohnung zu bekommen, soll ein Angeklagter über seine Einkommensverhältnisse gelogen und eine gefälschte Bescheinigung vorgelegt haben.

    Dass ein 40-Jähriger bei einer in Erfurt geplanten Wohnungsanmietung im Oktober 2018 eine Urkundenfälschung und einen versuchten Betrug verübt hatte, sah Strafrichterin Ilona Conver als erwiesen an. Richtig schlimm wurde es für den Außendienstmitarbeiter aber dadurch, dass er rund ein Jahr zuvor mit derselben Masche auf die Nase gefallen und vom Amtsgericht Würzburg zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war. So wurde er nun zu einem Jahr Knast verurteilt – ohne erneute Bewährungschance.

    2018 wurde die finanzielle Schieflage des Angeklagten immer dramatischer und er konnte seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr einhalten. Schließlich gab er Mitte Oktober 2018 bei einem Gerichtsvollzieher eine eidesstattliche Erklärung ab, nach der er keine Vermögenswerte und kein verwertbares Einkommen habe.

    Angeklagter verdächtigt seine Ex

    Gleichzeitig trennte er sich von seiner Lebensgefährtin. Mit ihr und deren 17-jährigem Sohn hatte er bis dato in einer gemeinsamen Wohnung in Haßfurt gelebt. Als sie auszog, konnte er sich die Wohnung alleine nicht mehr leisten.

    Das Gericht war überzeugt, dass er sich bei der Suche nach einer neuen Wohnung, die er mit seiner neuen Freundin beziehen wollte, strafbar machte, weil er einem Vermieter in Thüringen eine gefälschte Verdienstbescheinigung vorlegte. Weil sich der Vermieter für einen anderen Interessenten entschied, blieb es bei dem versuchten Betrug.

    Der Beschuldigte bestritt, sich für die Wohnung interessiert zu haben. Er verdächtigte seine Ex-Freundin, aus Rache von seinem PC aus die Nachrichten und die getürkte Bescheinigung verschickt zu haben. Im Zeugenstand schilderte diese, sie habe kurz nach ihrem Auszug Sachen aus der gemeinsamen Wohnung holen wollen, sei aber wieder gegangen, weil die Schlösser ausgetauscht worden waren. So sei es gar nicht möglich gewesen, die Wohnung heimlich zu betreten.

    Erdrückende Indizien

    Eine Zeugin aus Erfurt erkannte den Mann auf der Anklagebank als denjenigen, der vor Ort die Wohnung besichtigt habe. Auf Nachfrage von Rechtsanwalt Tilman Fischer war sie sich allerdings nicht mehr sicher und meinte: „Hundertprozentig kann ich es nicht sagen.“ Der Verteidiger sah „keine geschlossene Beweiskette“ und unterstrich, dass kein Vermögensschaden entstanden war. Er plädierte auf Freispruch.

    Die Staatsanwältin wertete die Verdächtigung der Ex als Versuch, „den Kopf aus der Schlinge zu ziehen“. Sie bezeichnete ihn als Bewährungsversager und forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten.

    Die Urteilsbegründung lautete ähnlich. „Ihre Verschwörungstheorie ergibt keinen Sinn“, meinte die Vorsitzende. Die Indizien seien erdrückend. Rechtsanwalt Fischer signalisierte im Anschluss an die Urteilverkündung, dass die Verteidigung Berufung einlegen werde. (mwa)

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