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    WESTHEIM

    Neue Entwicklung: Projekt Dorfladen ruht vorerst

    Während der Informationsveranstaltung zum geplanten Dorfladen beschlossen die Verantwortlichen, das Projekt neu zu überd... Foto: Alexandra Wirth

    Seit Geschäftsaufgabe des Zeiss?n Eck zum Jahresende 2016 laufen die Projektarbeiten für den neuen Dorfladen in Westheim. Hauptanliegen ist es, die Versorgung der älteren und nicht mehr mobilen Bevölkerung sicherzustellen. Am Donnerstag war im Sportheim des TSV Westheim ein weiterer Infoabend zum Stand der Bürgerinitiative. Es waren hierzu 30 Helfer, an der Unternehmergesellschaft Beteiligte und Interessierte gekommen.

    Um die 90 Aktionen zur Realisierung eines Dorfladens hat die Projektgruppe Dorfladen laut Wolfgang Benzinger seit Bekanntwerden der Schließung des Zeiss?n Eck im September 2016 unternommen, etwa die Organisation von Arbeitskreisen, die Kostenplanung oder der Austausch mit dem Geschäftsleiter des Dorfladens in Kleinsteinach, Georg Lindner. Nachdem sich genug Interessierte bereit erklärt haben, den Dorfladen als stille Gesellschafter zu unterstützen, und das notwendige Startkapital von 40 000 Euro aus Eigenanteilen gesichert war, die Kosten-Umsatzplanung positiv ausgefallen und sich vor allem genug Leute bereit erklärt haben, regelmäßig dort einzukaufen, ging die Projektgruppe auf die Suche nach zwei geeigneten Geschäftsführern.

    Obwohl das Konzept des Dorfladens weniger auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet ist, sondern vor allem auf die Sicherung der Nahversorgung, ist die Wirtschaftlichkeit dennoch von Bedeutung, denn drei bis vier versicherungspflichtige Arbeitsplätze (Marktleiter und Verkäufer) soll es im Laden geben. Der Geschäftsführer soll laut Kostenrechnung ehrenamtlich fungieren.

    40-Stunden-Woche

    Schlussendlich ergab sich ein Arbeitspensum von insgesamt 40 Stunden in der Woche – das sind mehr, als für den Geschäftsführer erwartet worden war. Deshalb sollen sich zwei Personen diese Aufgaben teilen.

    „Viele können das Arbeitspensum nicht auf sich nehmen“, sagte Benzinger. Es hätten sich durchaus Interessierte bei ihm gemeldet, die jedoch wegen des hohen Aufwands zurückgeschreckt seien. Ohne ein Entgelt würde wohl kaum ein Geschäftsleiter zu finden sein, hieß es aus der Runde. Es würde jedoch kaum möglich sein, den für eine Entlohnung zusätzlichen Umsatz im Dorfladen zu erwirtschaften.

    Die Löhne in der Lebensmittelbranche seien stark angestiegen, erklärte Karl Meister, Mitglied der Projektgruppe, der die Projektrechnung durchgeführt hat. Größere Ketten würden das Lohnniveau, vor allem das des Marktleiters, nach oben treiben. Deshalb sei es fraglich, ob der Dorfladen mit diesen Arbeitgebern konkurrieren könne. „Wir müssen Leute finden, die mit Herzblut dabei sind und etwas für die Gemeinschaft machen wollen“, sagte Gemeinderatsmitglied Peter Werner.

    Mit Georg Lindner, Geschäftsleiter des Dorfladens in Kleinsteinach, tauschte sich das Westheimer Team während der gesamten Planung aus. In Riedbach seien es die offenen Fleisch- und Backwaren, die den Gewinn verbessern, so Meister. Doch die Einnahmen aus diesen Bereichen würden in Westheim wegen der Nähe zu großen Discountern wohl niedriger ausfallen als in Kleinsteinach.

    „Wir haben kaum finanziellen Spielraum“, so Benzinger. Da wohl kaum ein ehrenamtlicher Geschäftsführer zu finden sein wird, kam die Frage auf, ob das Projekt auf Eis gelegt oder komplett abgebrochen werden solle. Die Verantwortlichen entschieden sich nach vielen Rückmeldungen dafür, das Projekt erst einmal ruhen zu lassen. „Auf Eis legen bedeutet nicht, dass das Projekt gestorben ist“, sagten die Projektleiter. Jetzt sei es notwendig, ein alternatives Geschäftsmodell zu finden.

    „Wir alle kommen irgendwann in das Alter, in dem wir kein Auto mehr fahren können oder sogar das Haus nicht mehr verlassen können“, sagte Peter Werner. Deshalb sei es jetzt wichtig, eine Übergangslösung für die Versorgung der Westheimer Senioren zu finden. Ideen, wie die Bündelung eines Lieferservice durch Sammelbestellungen kamen am Donnerstagabend auf. „Dorfversorgung“ soll das Projekt jetzt heißen. Dieser Name ließe alle Möglichkeiten der Realisierung offen.

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