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    ERMERSHAUSEN

    „Acht Verletzte, da schluckt man erst mal“

    Die Abstimmung zwischen Feuerwehr und Rettungskräften war Schwerpunkt einer Übung im Rahmen der Aktionswoche auf einem Wirtschaftsweg von Ermershausen in Richtung Sulzdorf. Foto: Beate Dahinten

    Im Rahmen der Aktionswoche probten sie gemeinsam den Ernstfall: die Feuerwehren Ermershausen und Sulzdorf, Rettungskräfte der BRK-Bereitschaften Bad Königshofen und Ebern sowie die Notärzte Dr. Leonore Jahn und Dr. Frank Schweinfest.

    Ein Autounfall als Übung für die Aktionswoche – als Andreas Franz, Kreisbrandmeister und Kommandant der Feuerwehr Ermershausen, und sein Sulzdorfer Kollege Tobias Wirsing das vor gut zweieinhalb Wochen geplant hatten, konnten sie noch nicht wissen, dass die Realität sie überholen würde: Vergangene Woche waren die Ermershäuser Feuerwehrleute bei dem schweren Unfall in Maroldsweisach im Einsatz gewesen, diese Woche die Sulzdorfer in Obereßfeld. Trotzdem oder gerade wegen solcher Einsätze war die Übung am Freitag keineswegs überflüssig.

    An einem Wirtschaftsweg zwischen Ermershausen und Sulzdorf – bewusst etwas abseits, wie Kreisbrandinspektor (KBI) Peter Hegemann erläutert – ist das Ausgangsszenario arrangiert: Ein VW Golf und ein Skoda Fabia sind zusammengestoßen.

    Demolierte Autos

    Um die demolierten Autos allerhand Trümmer, auf gut fränkisch gesagt. „Damit‘s möglichst realistisch wirkt“, sagt Andreas Franz. Aus dem Grund kommt dann auch noch künstlicher Rauch dazu.

    Die Feuerwehr Maroldsweisach ist ebenfalls mit dabei: Fünf Aktive und zwei Mitglieder der Jugendwehr steigen in die ausrangierten Autos, um verletzte Insassen zu mimen. Am Steuer des Golfs sitzt ein Dummy. Die große Zahl der Insassen ist eine bewusst gewählte Herausforderung, das wird Franz später bei der abschließenden Besprechung deutlich machen.„Acht Verletzte, da schluckt man erst mal.“

    Ein kühler Wind weht über die Felder, zeitweise immerhin stark genug, um den Campingstuhl umzuwerfen, den Hegemann samt Tisch für seinen Beobachtungsposten aufgebaut hat. Abgesehen davon ist es ruhig. Kurz nach der Alarmierung um halb sechs ein ganz anderes Bild: mehrere Einsatzfahrzeuge, mehrere Dutzend Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst, zwei Notärzte. Und dann: Wasser marsch – nicht aus dem Schlauch, den zwei Ermershäuser Wehrleute bereithalten, sondern aus den Schleusen des Himmels.

    Unbeeindruckt vom Wetter

    Wochenlang kein Regen, und dann ausgerechnet heute. Aber davon lassen sich die Frauen und Männer nicht beeindrucken. Schließlich gibt es genug zu tun.

    An beide Autos müssen sie mit schwerem Gerät ran: Sowohl die Ermershäuser als auch die Sulzdorfer haben die Rettungsschere ausgepackt. Und selbst ohne Dach ist es nicht so einfach, die Insassen aus den Autos herauszubekommen. Besonders bei der Befreiung der beiden „Verletzten“ hinterm Steuer zeigt sich: Es braucht viele Hände, viel Geschick und eine gute Abstimmung zwischen Wehrleuten einerseits und Notärzten und Rettungskräften andererseits. Letztere müssen bei der Versorgung der Verletzten etwas improvisieren, können sie wegen der örtlichen Gegebenheiten nicht in die Krankenwägen bringen.

    40 Minuten nach der Alarmierung ist es geschafft und alle Insassen sind draußen. Die Bewertung der Verantwortlichen fällt überwiegend positiv aus. Andreas Franz zeigt sich „im Großen und Ganzen zufrieden.“ „Das Handwerk läuft“, lobt er die routinierte Vorgehensweise der Wehrleute.

    Abläufe trainieren

    Bei der Übung sei es vor allem darum gegangen, gemeinsam mit Rettungsdienst und Notärzten den Ablauf zu trainieren, sich kennenzulernen, betonen Franz und Hegemann. „Die Übung hat mich überzeugt“, sagt der KBI, „alles hat wunderbar reibungslos geklappt.“

    Technisch seien die beteiligten Wehrleute „100 Prozent fit“, die Zusammenarbeit zwischen den Aktiven aus Ermershausen und Sulzdorf sei „sehr gut“ gewesen. Der Sulzdorfer Kommandant Tobias Wirsing hat da nicht mehr viel hinzuzufügen: „Es war alles soweit in Ordnung.“

    Dr. Leonore Jahn zeigt sich beeindruckt: Es sei „unglaublich schnell“ gearbeitet worden und „ich habe einen guten Ablauf gesehen.“ Im Hinblick auf die technische Seite spricht sie von einer „unglaublichen Leistung“.

    Dankbar für die große Beteiligung an der Übung und „dass das überörtlich funktioniert“ ist Ermershausens Bürgermeister Günter Pfeiffer. Er lobt zudem auch die Einsatzbereitschaft der Wehrleute und Rettungskräfte: „Ihr seid da, ihr seid da für uns.“

    Fast zeitgleich mit dem Ende der Übung schließen sich die Schleusen des Himmels. Noch während die Feuerwehrleute aufräumen, wird Dr. Jahn zu einem Einsatz gerufen. Kurz darauf ist ein Sanka mit Blaulicht auf der B 279 unterwegs.

    ONLINE-TIPP

    Mehr Informationen und Bilder unter www.mainpost.de

    Die Abstimmung zwischen Feuerwehr und Rettungskräften war Schwerpunkt einer Übung auf einem Wirtschaftsweg von Ermershausen in Richtung Sulzdorf. Foto: Beate Dahinten

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