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    HAßFURT

    Amtsgericht: Bruchpilot kommt glimpflich davon

    Die Staatsanwaltschaft war der Meinung, der 20-jährige Auszubildende hätte wissen müssen, dass ihm durch die Einnahme von Blutdrucktabletten schwindlig werden könnte – und dass er sich deshalb nicht hinter das Steuer seines Autos hätte setzen dürfen. In der Verhandlung vor dem Jugendrichter stellte sich aber heraus, dass es von ärztlicher Seite keinen entsprechenden Hinweis gegeben hatte. Deshalb darf der unbescholtene Heranwachsende seinen Führerschein behalten. Jugendrichter Martin Kober stellte das Verfahren mit einer Geldauflage von 400 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung ein.

    Folgenschwerer Schwindelanfall

    Zu dem Prozess kam es aufgrund eines Verkehrsunfalls, der sich an einem Morgen Anfang Januar dieses Jahres ereignet hatte. Damals wollte der im nördlichen Bereich der Haßberge lebende Angeklagte mit seinem Hyundai zu seiner Arbeitsstelle fahren. Wie er schilderte, wurde ihm durch einen Schwindelanfall „schlagartig schwarz vor den Augen“. Er geriet von der Fahrbahn ab und rammte den um das Gelände einer Schule gebauten Holzzaun. Der am Zaum entstandene Schaden belief sich auf gut 2400 Euro, der Schaden am Auto lag bei etwa 2000 Euro. Der Unfallverursacher erlitt nur eine leichte Prellung.

    Die zivilrechtliche Seite der Angelegenheit stellt sich folgendermaßen dar: Während die Haftpflichtversicherung des Heranwachsenden die Kosten für den verursachten Fremdschaden übernahm, muss er den Schaden an seinem eigenen Wagen selber tragen. Strafrechtlich gesehen war nun zu klären, ob der Azubi sich überhaupt ans Steuer setzen durfte.

    Vor etwa sechs Wochen erhielt der Azubi Post von der Staatsanwaltschaft. Laut Strafbefehl sollte er eine Geldstrafe von 1000 Euro bezahlen, verbunden mit einem sechsmonatigen Entzug der Fahrerlaubnis. Weil er dagegen mithilfe seines Rechtsanwalts Alexander Wessel Einspruch erhob, kam es zur Verhandlung.

    Neue Medikamente

    Dazu betonte der Verteidiger, dass sich sein Mandant laufend in ärztlicher Behandlung befinde. Weder sein Hausarzt noch die Ärzte in der Klinik hätten seinen Klienten darauf hingewiesen, dass er kein Auto fahren dürfe. Auf Nachfrage des Jugendrichters erläuterte der Betroffene, dass ihm sein Arzt nach dem Unfall andere Medikamente verschrieben habe. Seitdem habe es keine Schwindelanfälle mehr gegeben.

    Weil sich sowohl im Bundeszentralregister als auch im Fahreignungsregister keine Einträge befinden, sprach der Rechtsanwalt von einem „guten Jungen“, der sich nichts habe zu Schulden kommen lassen. Bei dieser Sach- und Rechtslage verständigten sich die Juristen darauf, dass keine strafrechtliche Verurteilung nötig sei. Von daher kam es zu der Einstellung des Verfahrens mit der Auflage, dass der junge Mann bis zum 10. September 400 Euro an den Kreisjugendring Haßberge zahlen muss. Damit hat sich der Einspruch gegen den Strafbefehl gelohnt. (mwa)

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