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    HASSFURT

    Amtsgericht Haßfurt verurteilt Diebin – an ihrem Geburtstag

    Ausgerechnet an ihrem 35. Geburtstag musste sich am Freitag eine junge Mutter aus dem nördlichen Landkreis vor dem Amtsgericht verantworten. Anlass zum Feiern gab es freilich nicht: das Gericht verurteilte die Angeklagte zu einer eineinhalbjährigen Bewährungsstrafe wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in vier und Betrugs in 61 Fällen.

    Aus einem Geschäft in Königsberg ließ die Diebin bei zwei Gelegenheiten zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 17. Januar 2018 Geldbeutel, Goldketten, Kleidungsstücke und andere Gegenstände im Wert von 2664,50 Euro mitgehen, um sie auf der Internetplattform Ebay zu verkaufen. Im selben Zeitraum stahl sie aus einem Bekleidungsladen in Haßfurt Waren im Wert von 300 Euro und aus einer Haßfurter Buchhandlung Bücher für 30 Euro, die sie ebenfalls über Ebay verkaufte. Im Jahr 2016 bestellte sie im Internet Schuhe, eine Handtasche und Kleidungsstücke für 2635,08 Euro. Die Waren bezahlte sie nicht und verkaufte sie wiederum teilweise per Ebay.

    An Preisschildern erkannt

    Vor Gericht räumte die Angeklagte die Taten über ihren Pflichtverteidiger Stefan Wagner ein. Sie habe damals unter familiären Belastungen gelitten. Sie habe ihren Sohn alleine erziehen müssen, ohne eine Arbeitsstelle zu haben. Auf die Schliche kam der Angeklagten ein Bekannter der Inhaber des bestohlenen Geschäfts in Königsberg, der auf Ebay recherchierte und gestohlene Gegenstände anhand von handschriftlich ausgefertigten Preisschildern erkannte.

    Polizei führt Scheinkauf durch

    Bei einem Scheinkauf stellten Polizeibeamte Fingerabdrücke der Angeklagten auf dem Verpackungskarton fest. Bei einer Anfrage bei Ebay nach dem Inhaber des Accounts stellte sich heraus, dass die Angeklagte mit ihrem eigenen Namen und ihrer Adresse angemeldet war. „Das war unprofessionell, sodass die Tat raus kommen musste“ sagte der Verteidiger. Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung stellten die Beamten gestohlene oder nicht bezahlte Ware kartonweise sicher.

    „Erhebliche kriminelle Energie“

    Ganz unbekannt ist die Angeklagte vor Gericht nicht. Bereits im Jahr 2015 erhielt sie eine Geldstrafe über 900 Euro wegen Diebstahls. Die Staatsanwältin forderte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren plus 80 Stunden gemeinnützige Arbeit. Der Verteidiger hielt ein Jahr und drei Monate auf Bewährung für ausreichend. Die Vorsitzende Richterin Ilona Conver blieb zwischen den beiden Anträgen. Die Taten bezeichnete sie als einen „Hammer“. Die Verurteilte habe einen schwunghaften Handel auf Ebay betrieben und erhebliche kriminelle Energie angewandt.

    Neben 40 Arbeitsstunden ordnete die Vorsitzende die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 3950,56 Euro an. Diesen Betrag muss die Angeklagte an die Staatsanwaltschaft zahlen, die ihrerseits die Zahlungen an die Geschädigten weiterleitet. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Die Geburtstagsfeier fällt wohl aus.

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