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    BREITBRUNN

    Auch die Bürger sollen beim „Blühenden Landkreis“ mitmachen

    Kreisfachberater Johannes Bayer und Bürgermeisterin Gertrud Bühl stellten den neuen Flyer an der Blühfläche der Gemeinde... Foto: Günther Geiling

    Ein vielfältiges Blühangebot für Bienen, Hummel, Schmetterlinge & Co bereitzustellen, das war das Ziel des Leader-Projektes „blühender Landkreis“ auf öffentlichen Flüchen von Gemeinden in diesem Jahr. Nun möchte man diese Aktion in einem nächsten Schritt auch auf den Privatbereich ausdehnen. Dazu wurde der Flyer „Blüten(t)raum“ aufgelegt und vorgestellt, der Tipps zur Anlage und Pflege von privaten Blühflächen und Nistgelegenheiten enthält und jetzt in den Gemeindeverwaltungen erhältlich ist.

    Gemeinschaftsprojekt

    21 Kommunen aus dem Landkreis Haßberge hatten sich an dem Projekt mit 126 Flächen beteiligt. Hintergrund der Aktion war die Erkenntnis, dass Insekten und Bienen für das natürliche Gleichgewicht unersetzlich sind. Sie brauchen aber entsprechende Nahrungsquellen, die nicht mehr so gegeben sind wie früher. An einem „runden Tisch“ hatten sich deswegen Imker, Bauern, Vertreter der Obst- und Gartenbauvereine, der Bund Naturschutz sowie Vertreter der Kommunen und des Regionalmanagements zusammengesetzt, um das gemeinsame Projekt „blühender Landkreis“ zu entwickeln.

    Kreisfachberater Johannes Bayer vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege nannte dabei als vorrangiges Ziel, diese Problematik ins Bewusstsein der Menschen zu rücken und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

    In den vergangenen Tagen und Wochen konnte man sich davon überzeugen, dass die Blühflächen ihre Wirkung und Anziehungskraft nicht verfehlten. Auch der heiße Sommer und die Trockenheit hätten dafür gesorgt, dass nicht alle Flächen so erblühten, wie gewünscht. Manchmal brauche es auch ein wenig Geduld. Bayer hat die Hoffnung, dass die entsprechenden Gräser im nächsten Jahr zur Blüte kommen.

    „Den Wirkungsgrad wollen wir aber insofern vergrößern, dass wir nun die Bürger dazu ermuntern wollen, auf ihren Flächen oder im eigenen Garten solche Blühflächen anzulegen mit Pflanzen, die auch im Hochsommer blühen und so die blütenarme Zeit ab Juni überbrücken“, betonte der Kreisfachberater bei der Vorstellung des neuen Flyers. In dieser Zeit stünde den blütenbesuchenden Insekten relativ wenig Nahrung in der oft intensiv genutzten Kulturlandschaft zur Verfügung.

    Anschauungsobjekte für Bürger

    Die bisher angelegten Pilotflächen könnten für die Bürger Anschauungsobjekte sein und positive Beispiele für den eigenen Garten oder auch für auf Randflächen in der Landwirtschaft.

    Bayer stellte an der Blühfläche in Breitbrunn den Flyer vor, der sich mit den Themen Blühwiesen anlegen, Umwandlung von Rasen in Blumenwiesen, Auswahl des Saatgutes, Aussaat, Pflege sowie Insektenhotels oder Nisthügel befasst. Zur Anlage müsse man aber eine Fläche auswählen, die nicht intensiv genutzt werde. Flächen wie Spielrasen seien ungeeignet, denn Blumenwiesen seien relativ trittempfindlich. Ebenso sollte die Fläche möglichst sonnige und nährstoffarme Verhältnisse aufweisen.

    Bei der Auswahl des Saatgutes sollte man gebietsheimische Arten ohne Weiß- und Rotklee verwenden. Im Handel gebe es auf die Bodenart zusammengestellt Blumenwiesenmischungen mit unterschiedlichen Anteilen an Kräutern und Gräsern. Bei einigen Anbietern könne man sich seine Mischung sogar individuell zusammenstellen lassen. Außerdem gibt es sogar eine eigene Mischung „Blumenwiese Haßberge“. Näheres lässt sich auf der Internetseite www.hassberge.de in Erfahrung bringen.

    Als besten Aussaatzeitpunkt hätten sich Mitte bis Ende April sowie der Herbst herausgestellt. Bei den Herbstaussaaten ist laut Bayer eine Beregnung meist nicht nötig, aber im Frühjahr müssten die Flächen permanent etwa zwei bis drei Wochen feucht gehalten werden. „Natürlich ist auch die Pflege für die Entwicklung einer artenreichen Blumenwiese sehr wichtig“, meinte Bayer. Gerade im Aussaatjahr könnten neben der Aussaat auch viele Unkräuter keimen, die im Boden vorhanden seien. Diese würden am besten per Hand mit der Wurzel entfernt. Die Mahdhöhe sollte sieben Zentimeter nicht unterschreiten, um die Artenvielfalt zu erhalten.

    Nisthilfen für Insekten

    Im Flyer wird auch über Nisthilfen informiert wie Insektenhotels, denn Insekten bräuchten neben Blühflüchen auch einen Platz zum Nisten. Doch Insekten seien bei den Nistplätzen genauso wie bei der Futtergrundlage durchaus wählerisch. Natürliche Nisthilfen wie Trockenmauerspalten, Erdlöcher oder Schneckenhäuschen seien besser geeignet als künstliche Nisthilfen. Eine Variante für bodennistende Arten seien Sandhaufen und Sandbänke. Eine ganze Reihe von Sandbienen, Furchenbienen und Schmalbienen bevorzuge diese. Am besten würden Sandhügel zwischen Oktober und Februar vor Beginn der Vegetationsperiode angelegt.

    Ein weiterer Tipp wird im Flyer auch für den Herbst gegeben: „Steckt man im Herbst vor der Aussaat Blumenzwiebeln, kann man sich bereits im zeitigen Frühjahr über die ersten Frühlingsboten wie Schnittlauch, Traubenhyazinthe, Krokus und Wildtulpe in der Blumenwiese erfreuen.

    Der Kreisfachberater erinnerte daran, dass das Anlegen von Blühflächen dieses Jahr etwa 70 000 Euro gekostet habe bei einer Förderung von 60 Prozent. Den Rest hätten sich die beteiligten Gemeinden und der Landkreis geteilt. Die Abrechnung erfolgt über den Projektträger. Das ist die Gemeinde Breitbrunn. Wenn nun auch noch im Privatbereich viele Blühflächen dazu kämen, würde sich diese Investition in die Natur gut verzinsen und möglicherweise vervielfachen.

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