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    KREIS HAßBERGE

    Auch im Haßbergkreis: Mehr Ausbildungsstellen als Bewerber

    E-Trend in der Kfz-Ausbildung
    So viele Auszubildende auf einmal? Viele Betriebe wären froh, wenn sie auch nur einen Azubi bekämen. Doch es gibt auch Branchen, in denen deutlich mehr Bewerber als offene Stellen vorhanden sind. Foto: Jan Woitas/DPA

    „Der Ausbildungsmarkt hat sich in den letzten Jahren deutlich zu Gunsten der Bewerber verändert“. Das war die Kernaussage von Berufsberater Peter Stretz zur Ausbildungssituation im Landkreis Haßberge, der seinen Bericht bei der Sitzung des Kreisausschusses für Arbeit, Wirtschaft und regionale Entwicklung am Donnerstag dem Gremium vortrug.

    Waren vor zehn Jahren noch doppelt so viele Bewerber wie Ausbildungsstellen vorhanden, kommen nach den aktuellen Zahlen von August diesen Jahres 511 Bewerber auf 617 Ausbildungsstellen. Seit 2017 öffnete sich die Schere zwischen Bewerber und Stellen im Landkreis Haßberge in die andere Richtung, wobei die Region Main-Rhön insgesamt diese Änderung schon drei Jahre zuvor erfuhr. Während die Zahlen der Schulabgänger aus Mittel- und Realschule nahezu gleich blieben, verringerte sich die Zahl der Schüler, die mit Fachhochschulreife beziehungsweise Abitur eine Ausbildungsberuf erlernen wollten, um durchschnittlich gut ein Drittel in den letzten drei Jahren.

    „Der Ausbildungsmarkt hat sich in den letzten Jahren deutlich zu Gunsten der Bewerber verändert“
    Peter Stretz, Berufsberater der Agentur für Arbeit

    Ein deutliches Ungleichgewicht gibt es in den Berufsbereichen Maler/Bautenschutz, Verkauf/Handel, Hochbau und Lebensmittelherstellung. Hier übersteigen die offenen Ausbildungsstellen oft ein Vielfaches der Bewerber. Spitzenreiter ist hierbei der Verkauf von Lebensmitteln, bei dem zwei Bewerber die Auswahl unter 28 offenen Stellen hatten. Umgekehrte Verhältnisse herrschen im Bereich Unternehmensorganisation inklusive Verwaltung. Bei 27 Stellenangeboten gab es hier 64 Bewerber. Als besonderes schwierig bezeichnete Stretz die Situation in den Pflegeberufen. Nach seinen Angaben ist das Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt beispielsweise schon dazu übergegangen, eine einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer für Mittelschüler anzubieten. Mit dieser Qualifikation sei dann eine weitere Ausbildung zum Krankenpfleger möglich. Auf Nachfrage von Kreisrat Paul Hümmer (SPD) stellte sich heraus, dass im Pflegebereich die Schüler von Berufsfachschulen in keiner Statistik erscheinen.

    „Jeder Schüler, der noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, bekommt von uns ein persönliches Angebot“, erklärte der Berufsberater und wies gleichzeitig darauf hin, dass dies nur auf fünf Prozent der Heranwachsenden zutreffe.

    Alle anderen haben einen Ausbildungsplatz beziehungsweise eine Arbeitsstelle gefunden oder qualifizieren sich weiterhin auf dem schulischen Weg. Als gut integriert bezeichnete Stretz Dreiviertel der 63 Schüler der Berufsintegrationsklassen, die nach der Schule in Ausbildung gingen, eine Arbeit aufnahmen oder weiterhin sich schulisch fortbilden. Es sei unrealistisch von noch höheren Zahlen auszugehen, sagte Landrat Wilhelm Schneider und wähnt sich mit dieser Quote im oberen Bereich im Gegensatz zu größeren Städten.

    Anja Güll stellte den Kreisräten die Aktionen der Bildungsregion zur Fachkräftesicherung vor. So hat die Bildungskoordinatorin besonders das Projekt „Jobentdecker 2019“ vor, das kürzlich stattfand. Vier junge Frauen lernten dabei 16 Berufsfelder kennen und teilten ihre Erfahrungen in den sozialen Medien mit etwa gleichaltrigen Jugendlichen. Aus Sicht der beteiligten Unternehmen gab es bei einer Umfrage die Schulnote 1,75 für diese besondere Aktion, die Schulabgängern die verschiedensten Berufsbilder näher bringen sollen.

    Die Jobentdeckerinnen selbst seien begeistert von den erlebnisreichen Wochen gewesen und hätten die Note 1,33 vergeben, erklärte Güll. Im kommende Jahr soll die Jobentdecker-Tour auf jeden Fall wieder stattfinden, so Güll. Erweitert wird das Angebot unter anderem mit einem Bustour-Konzept. Die Bildungsregion als Vermittler plant gemeinsam mit Schulen und Unternehmen hierbei Fahrten zu Betrieben. Angedacht sind zum Beispiel auch themenspezifische Touren, wie etwa einer Handwerks-Tour, einer Gastro-Tour oder einer Tour de „Duales Studium“.

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