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    HOFHEIM

    BRK-Auskunftsbüro: Helmut Endreß behält im Chaos den Überblick

    _ Foto: Berthold Diem
    „Selbst die Polizei bekommt von uns keine Auskunft nach dem Verbleib der Leute.“
    Helmut Endreß, ehemaliger BRK-Geschäftsführer

    Die 20 Ehrenamtlichen lassen sich schulen, bilden sich fort und hoffen, nicht gebraucht zu werden. Die Rede ist von dem Kreisauskunftsbüro des Roten Kreuzes in Schweinfurt, das heuer mit der Aufstellung einer Schnellen Einsatzgruppe (SEG) bayernweit bei der Schadens- und Katastrophenbewältigung eine Vorreiterrolle übernommen hat.

    Bei großen Unglücksfällen oder gar bei Katastrohen geht der Überblick schnell verloren. Ist der Sohn, ist die Tochter, sind Vater und Mutter verunglückt? Wohin sind Verletzte gebracht worden? Dies wollen und müssen Verwandte und Freunde wissen. Antworten kann dann das Kreisauskunftsbüro geben.

    Ordnung im Chaos

    Evakuierungen wie in Augsburg, wo wegen einer Weltkriegsbombe am ersten Weihnachtsfeiertag 50 000 Menschen ihre Wohnungen verlassen mussten, sind Ausnahmen. Doch schon bei einem Brand in einem Altenheim, bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn machen sich Unsicherheit und Ängste schnell breit, die nur durch eine funktionstüchtige Organisation und Koordination in den Griff zu bekommen sind.

    Verletzte werden in Kliniken gefahren, Unverletzte irgendwohin gebracht, Handys gehen verloren. Um das Chaos zu ordnen, hat das BRK den Dienst eingerichtet, der Suchende und Betroffene zusammenbringt.

    Die Idee ist nicht neu. Das BRK hat jahrzehntelange Erfahrung – insbesondere aus dem Suchdienst, der angesichts Millionen von Flüchtenden, Vermissten, Gefangenen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet worden war.

    Jahrzehntelange Erfahrung

    Die Anfänge des Suchdienste reichen sogar die Zeit des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 zurück. Als feste Institution entstand der Suchdienst allerdings erst nach dem II. Weltkrieg. 1945 wurde die Zentrale für die amerikanische Zone in München eingerichtet. Die Helfer erfassten Anfragen, forschten nach Vermissten und bemühten sich, über Grenzen hinweg Familien zusammenzuführen. Nach Gründung der Bundesrepublik waren 1950 rund 1,7 Millionen Soldaten, Zivilisten und Kinder als vermisst oder in Gefangenschaft notiert.

    Mit der Perestroika und dem Fall der Mauer kam noch einmal eine ganz große Herausforderung auf den Suchdienst zu, der sich heute in Schweinfurt vor allem der Flüchtlinge annimmt, die es aus den Krisengebieten an den Main verschlagen hat.

    Hilfe für Flüchtlinge

    Den Suchdienst in Schweinfurt hat heute zwei Mitarbeiter, die 2016 15 Fälle bearbeitet haben: Helmut Endreß (ehemaliger BRK-Geschäftsführer) und Gabi Siegmund (hauptamtliche Sachgebietsleiterin Soziale Dienste beim BRK). Beim Besuch der Redaktion im Rot-Kreuz-Haus in der Gorch-Fock-Straße 15 bereitete sich <%LINK href="http://www.

    mainpost.de/regional/hassberge/Gemeinwohl;art1726,6793194" text="der Hofheimer Helmut Endreß"%> auf das Gespräch mit einem Afghanen vor, der nicht weiß, wo sein Bruder ist. Zwei bis drei Stunden dauern solche Gespräche, sagt Endress, denn nicht nur die Personalien der Suchenden und der Gesuchten sind aufzunehmen, sondern alles, was auf den Aufenthalt des Vermissten hinweisen könnte. Gesucht wird längst international und nicht nur über die offiziellen Regierungsstellen, welche sogar gemieden werden, wenn Gefahr von dort droht.

    Genutzt wird auch das Internet, in welches das Rote Kreuz unter www.tracetheface.org Bilder der Betroffenen einstellt, die zudem auf Plakaten zu sehen sind, die das BRK in Wohnheimen für Flüchtlinge oder etwa in der Erstaufnahme in der Ledward-Kaserne aushängt.

    Jeder wird registriert

    Endreß und Siegmund leiten auch das Kreisauskunftsbüro mit den 20 ehrenamtlichen Helfern, die Verstärkung gebrauchen können (kbl@brk-schweinfurt.de). Zum Einsatz kommen die Ehreamtlichen bei Großereignissen. Am Ort des Geschehens notieren sie die Namen und Funktionen der Helfer der verschiedenen Rettungsdienste, von jedem Arzt im Einsatz und auch die Namen der Feuerwehrleute genauso wie die Namen sämtlicher Betroffenen – verletzt oder unverletzt.

    Angehörigen kann dann das zentrale Büro Auskunft geben, das bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn in der Gorch-Fock-Straße, bei noch größeren Schadensereignissen im Landratsamt eingerichtet ist und dann mit dem Katastrohenschutz der Stadt und des Landkreises eng zusammenarbeitet.

    Zentrales Büro im Landratsamt

    An dieser zentralen Stelle können Eltern erfahren, wohin das Kind in Sicherheit gebracht wurde und wie es ihm geht. Wichtig ist Endreß die Verschwiegenheit: „Selbst die Polizei bekommt von uns keine Auskunft nach dem Verbleib der Leute. Die Daten sind nur für Suchanfragen bestimmt, weshalb wir mehr als nur den Namen wissen wollen.

    “ Bei längeren Einsatzen ist aus den Karteikarten auch zu erfahren, wer abgelöst werden muss, wer bereits auf dem Heimweg ist, und wer verpflegt werden muss. Die Dokumentation hält zudem vieles fest, was bei der Klärung der Vorgänge und auch beim Klären von Versicherungsfragen gebraucht wird.

    Die Ausbildung für die Mitarbeiter des Kreisauskunftsbüros umfasst fünf Module an fünf Wochenenden. Bei den allmonatlichen Treffs geht es später auch um die Zusammenarbeit mit den Büros der benachbarten Kreise, wobei Schweinfurt eng mit Main-Spessart verbunden ist. Beide Büros bauen heuer jeweils eine Schnelleingreifgruppe (SEG) auf. Ziel ist es, mit einem halben Dutzend Leute in kürzester Zeit vor Ort zu sein.

    Nicht nur für die SEG gilt, dass die Ehrenamtlichen im Falle eines Falles auch von außerhalb angefordert werden, wie etwa bei den oft gewaltigen Folgen eines Hochwassers.

    Helmut Endreß und Gabi Siegmund leiten den Suchdienst und das Kreisauskunftsbüro. Foto: Gerd Landgraf

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