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    ELTMANN

    Bademeister Schaluppke: Der Superheld am Beckenrand

    Bademeister Schaluppke gastierte in Eltmann und bezog immer wieder seine Zuschauer „am Beckenrand“ mit ein. Foto: Günther Geiling

    Wer glaubte, dass es aus dem Alltag eines Bademeisters nicht viel zu erzählen gibt, der irrte sich – und zwar gewaltig. Bei seinen „Chlorreichen Tagen“ in Eltmann schonte Robbi Pawlik, alias „Bademeister Schaluppke“, weder sich noch sein Publikum, das immer wieder kollektiv nach Luft schnappte. Das begann schon mit den ersten Sätzen des Komikers: „So Sportsfreunde! Wer nicht mitmacht – Schaluppke kann auch Mund-zu-Mund-Beatmung!“

    Das Thema „Chlorreiche Tage“ passt in derzeit wohl in kaum eine andere Stadt besser als nach Eltmann angesichts der Diskussion um ein mögliches Allianzbad im Maintal, für das die Wallburgstadt ein geeigneter Standort sein könnte. „Bademeister Schaluppke“ nahm das Problem der Schwimmbadschließungen in sein Programm mit auf. „Allein 60 Bäder sind im letzten Jahr geschlossen worden. Dabei sind doch Schwimmbäder ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und ein Ort hoher Bedeutung. Hier kann man schwimmen, sich eine Auszeit nehmen, alle Generationen, alle sind hier gleich – ob alt oder jung, ob ledig, gegerbt, gepierct oder arschgeweiht.“

    Als „Bademeister Schaluppke“ verlegt Robbi Pawlik alle möglichen Themen von der Straße in den Mikrokosmos des Schwimmbades. Es sei schließlich in Zeiten von Bewegungsmangel und virtuellem Wahnsinn doch ein Ort von großer Bedeutung für die Gesundheit.

    Urlaub in Baden-Baden

    Er dürfe sich häufig Sätze anhören wie: „So wie sie arbeiten, möchte ich mal Urlaub machen!“ Und auf die Frage, was ein Bademeister eigentlich den ganzen Tag so treibe, entgegne er meist nur „Kacheln zählen“ oder „Ich bereite mich auf den Urlaub vor“. Reiseziel sei logischerweise Baden-Baden. Schaluppke räumte auch mit dem Vorurteil auf, dass Bademeister ihre Mittagspause im Kiosk verbringen. Schließlich heiße die wichtigste Baderegel: Nicht mit vollem Magen in das Wasser!

    Auch mit anderen Unsitten müsse er sich alltäglich herumschlagen, beispielsweise mit von Badetüchern blockierten Liegen. „Das Handtuch gehört ja dem Badegast, aber der Liegestuhl nicht und deswegen kann ich den schon wegziehen“, erklärte Schaluppke seine Problemlösung.

    Das Klientel in den Schwimmbädern glaube ja großteils, dass Bademeister nur am Beckenrand stünden, Kinder und Rentner schikanierten, auf dicke Hose machten und den Rest des Tages den Frauen hinterherglotzten. Schaluppke aber machte den Eltmannern klar: „Dieser Job verlangt einen komplexen Kompetenzkatalog. Als Bademeister bist du Mädchen für alles. Du bist Animateur, Kindertröster, Sorgenonkel, Psychologe, Sonderpädagoge, Sozialberater, aber auch Stilberater, Diplomat oder eine Art Superheld mit kurzer Hose und Badelatschen.

    Einsatz für's Publikum

    Immer wieder bezog „Schaluppke“ auch sein Publikum mit ein, das mitsang, mitklatschte und die bunten Episoden des Entertainers über meckernde Muttis, renitente Rentner und pöbelnde Pubertiere mit Lachen und großem Applaus begleitete. Sein Bauchtanz oder die Synchronschwimmshow und das Mimen eines rassigen Latin-Lovers gingen die Zuschauer gerne mit. Sie ließen sich sogar zu Gymnastikübungen und Gesangseinlagen mitreißen.

    Dabei zeigte der rappende und rockende Bademeister auch musikalisches Können. Schaluppke tauchte dabei ein in Hip-Hop-Battles und sorgte mit zuckenden Pomuskeln und kreisenden Speckhüften für den richtigen Latschenkieferaufguss in der Damensauna, was ihm schon „Publikumspreise“ eingebracht habe.

    Die Blümchenbadekappe der alten Damen gefällt Bademeister Schaluppke besonders gut. Foto: Günther Geiling

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