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    BAMBERG

    Bamberg: An dieser Baustelle wird 20 Jahre lang saniert

    Es ist ein 80-Millionen-Euro-Projekt, das innerhalb von 20 Jahren umgesetzt wird: Die Sanierung der Klosteranlage von St. Michael in Bamberg. Jetzt ist Halbzeit auf der Baustelle. Foto: Marion Krüger-Hundrup

    So einzigartig wie die Klosterlandschaft auf dem Michaelsberg ist mit ihrer über tausendjährigen Geschichte, Architektur und ihren Gartenanlagen, so beispiellos zeigt sich das für Bamberg derzeit größte Projekt. Nämlich die komplette Sanierung der Anlage, die Ausmaße hat wie zusammen zwölf Fußballfelder.

    Sagenhafte 80 Millionen Euro verschlingen die notwendigen Arbeiten am Kernbestand des UNESCO-Weltkulturerbes Bamberg. Nun ist auf dieser gigantischen Baustelle Halbzeit nach zehn Jahren umfassender Maßnahmen, in weiteren zehn Jahren, also 2029, wird der letzte Handwerker abziehen können. Eigentümerin des Kosterkomplexes ist die Bürgerspitalstiftung. Ihr Halbzeit-Motto lautet: „Die nächsten 1000 Jahre beginnen jetzt“.

    Der Anspruch: 1000 Jahre nicht mehr sanieren

    „Es ist unser Anspruch, die nächsten tausend Jahre nicht mehr sanieren zu müssen“, blickt Bertram Felix weit in die Zukunft. Der Finanz- und Stiftungsreferent der Stadt Bamberg ist sich aber sicher, dass außer der üblichen Instandhaltung keine eingreifenden Schritte notwendig sein werden. Denn die derzeitige Sanierung des Gesamtensembles verlaufe derart „professionell und hochqualifiziert“, dass der weitere Superlativ „Deutschlandweit einmalig“ auf dieses Mammutprojekt zutreffe. Ach was: Weltweit sogar! wie Bertram Felix an einem Beispiel klar macht: Mit einem völlig innovativen hydraulischen Anker, der erstmals in einem Bauvorhaben für die statische Instandsetzung verwendet worden sei, „können sich die Kirchtürme und die Westfassade ohne Spannungsrisse bewegen“.

    Gleichwohl bleibt die bildprägende ehemalige Abteikirche noch für mindestens sechs Jahre gesperrt. Nachdem faustgroße Putzstücke aus einem der Fensterscheitel des Langhauses gefallen waren, musste die Kirche im November 2012 geschlossen werden „St. Michael ist nicht mehr einsturzgefährdet“, versichert Felix nach den abgeschlossenen Maßnahmen und berichtet von insgesamt „dreieinhalb Kilometern Risse im Mauerwerk“, die unter anderem geschlossen wurden.

    Stiftungsreferent verspricht spektakuläre Ergebnisse

    Die Restaurierung der Innenraumschale steht an, die Ertüchtigung der Ausstattung und der Orgel. Stiftungsreferent Felix führt nach den akribischen Voruntersuchungen „deutlich größere, teils irreversible Schäden an den Gemälden an“. Und natürlich den wertvollen „Himmelsgarten“ am Deckengewölbe, der gesichert werden muss: „Es wird spektakuläre Ergebnisse geben“, verspricht Bertram Felix.

    Lang ist die Liste dessen, was in den vergangenen Jahren von fleißigen Händen geschafft wurde. Mauerabschnitte und Fassaden wurden saniert, der Wirtschaftsflügel beherbergt nun moderne Räume für die Stadtverwaltung, das „Informationszentrum am Michaelsberg“ und der „Bamberger Stiftsladen“ locken nicht nur Touristen. Der Delphinbrunnen erstrahlt wieder in neuem Glanz und vieles mehr.

    Entwässerungssystem bereitet Sorgen

    Sorgen bereitet noch das „desaströse Entwässerungssystem“, das eigentlich gar kein System sei und „in das noch viele Millionen investiert werden müssen“, so Felix. Freuen könnten sich die Bamberger, dass die Terrasse an der Orangerie wieder zugänglich wird. Und dass die Finanzierung des Gesamtprojektes aus Bundesprogrammen, aus Stiftungsgeldern sowie städtischen und Eigenmitteln gesichert ist.

    Dankbar zeigt sich der Stiftungsreferent, dass es bisher keinen nennenswerten Unfall auf der Baustelle gegeben hat. Dass die Baufirmen aus der Region, aus Oberbayern und Thüringen „hervorragende Arbeit leisten“. Dass die Anwohner keine Beschwerden wegen des Baustellenverkehrs geäußert haben. Dass die Bauherrenvertreterin und Bauleiterin Kirche, Architektin Karin Hamper, „Tag und Nacht für ihre Baustelle in Bereitschaft ist“. Dass das Stiftungsmanagement um Claudia Schelbert alles Menschen mögliche leistet.

    Bamberrgs erster Bischof stitete das Koster im Jahr 1015

    Der erste Bamberger Bischof Eberhard hatte im Jahr 1015 mit Unterstützung Kaiser Heinrichs II. das Benediktinerkloster St. Michael gegründet. Fast 800 Jahre lang, bis zur Säkularisation 1803, haben das Kloster und die Kultur der Mönche nicht nur das Gesicht des Michaelsberges geprägt. Die Bamberger Benediktiner mit ihren über 400 Besitzungen kultivierten unter anderem Früchte, die noch heute in der Gärtnerstadt oder am 2011 wiederbelebten Weinberg angebaut werden. Die Klosterkirche birgt das Grab des heiligen Bischofs Otto von Bamberg, durch die Jahrhunderte hinweg ein Ziel zahlloser Pilger. „Das Otto-Grab wird im Informationszentrum nachgebaut, damit es für die Besucher erlebbar bleibt“, tröstet Bertram Felix über einen Aspekt der Kirchenschließung hinweg.

    Unübersehbarer Fortschritt am Bau: Alle Dächer sind erneuert. Foto: Marion Krüger-Hundrup
    Auch Laien erkennen sofort. Die Dachkonstruktionen - jetzt saniert – waren in einem schlimmen Zustand. Foto: Marion Krüger-Hundrup
    An vielen Stellen weist die Fassade des Gebäudekomplexes von St. Michael große Schäden auf. Foto: Marion Krüger-hUndrup
    Auch die vielen Mauern der imposanten Klosteranlage sind stark renovierungsbedürftig. Foto: Marion Krüger-Hundrup

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