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    BAMBERG

    Bistum Bamberg: Warum der Dom Null Euro Wert ist

    KINA - Zeitreise ins Mittelalter - Zu Besuch in Bamberg
    Kaum zu glauben, aber wahr: Kulturhistorisch und für viele Gläubige ist der Bamberger Dom von unschätzbarem Wert. Doch sein Verkehrswert beträgt nach Angaben des Bistums 0 Euro. Foto: David Ebener

    Generalvikar Georg Kestel kennt all die Vorurteile in der Öffentlichkeit zur Genüge, die sich um die Kirche und das liebe respektive böse Geld drehen. „Die Kirche schwimmt im Geld!“ „Niemand weiß, was die Kirche mit dem Geld macht!“ „Die Kirche soll ihre Immobilien und Kunstschätze verkaufen und das Geld den Armen geben!“ „Für die Caritas gibt die Kirche gar nichts!“ So und ähnlich schallt es dem Domberg entgegen.

    Um dem Bedürfnis gerade der Kirchensteuerzahler nach mehr Information gerecht zu werden, lud Generalvikar Kestel zu einer Pressekonferenz ins Ordinariat ein. Als Auskunftsgeber war auch Finanzdirektor Mathias Vetter dabei, der den zahlreichen Journalisten uneingeschränkt Rede und Antwort stand. Der Anlass für diese Medieneinladung klang schlicht und einfach: Erstmals legt das Erzbistum Bamberg einen Jahresabschluss (2018) nach den strengen Kriterien des Handelsgesetzbuchs (HGB) für große Kapitalgesellschaften vor, vollständig und uneingeschränkt testiert von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

    Außerdem wurden die Jahresabschlüsse der Rechtsträger Erzbischöflicher Stuhl, Metropolitankapitel und Emeritenanstalt veröffentlicht. „Die vorgelegten Jahresabschlüsse für das Jahr 2018 zeigen, dass das Erzbistum Bamberg wirtschaftlich solide aufgestellt ist und verantwortungsvoll mit seinen Mitteln umgeht“, sagte Finanzdirektor Vetter. Bei allem Wirtschaften sei ein „sparsamer Umgang mit den Mittel oberste Maxime“. Angelehnt an die derzeitige Diskussion im politischen Raum ergänzte er: „Die Schwarze Null ist uns wichtig, unser Ziel ist nicht, Gewinn zu erwirtschaften.“

    Das von Vetter und Kestel präsentierte Zahlenwerk ist das Ergebnis eines freiwilligen mehrjährigen Prozesses und den damit verbundenen Software-Umstellungen in der Erzbischöflichen Finanzkammer und den verschiedenen Dienststellen. Zwar gab es bisher schon detaillierte Haushaltspläne über die Verwendung der Kirchensteuern und Zuschüsse, die jeder Interessierte einsehen konnte. Doch die nun erreichte Transparenz über die finanziellen Ressourcen der verschiedenen juristischen Personen des öffentlichen Rechts innerhalb des Erzbistums ist bis dato einmalig. „Vollumfängliche Offenlegung“ nannte Generalvikar Kestel diese Offensive.

    700 000 Katholiken im Bistum

    Siebzig Prozent der knapp 700 000 Katholiken des Erzbistums brachten im Berichtsjahr 2018 rund 183 Millionen Euro Kirchensteuern ein, „unsere Hauptertragsquelle“, so der Finanzdirektor. Der demografische Wandel und eine möglicherweise steigende Zahl von Kirchenaustritten seien demnach „eine Herausforderung in der Zukunft“. Zu den Kirchensteuermitteln kommen Erträge aus öffentlichen Zuschüssen, Mieten und Pachten.

    1800 hauptberufliche Mitarbeiter

    Auf der Aufwandseite stehen 108 Millionen Euro Personalkosten für rund 1800 hauptberufliche Mitarbeiter in der Seelsorge und Verwaltung. 41 Millionen Euro investierte das Erzbistum in kirchliche Gebäude wie Bildungshäuser, Schulen, Kindertagesstätten und Pfarrheime. Der Jahresabschluss weist für 2018 ein positives Bilanzergebnis von 3 Millionen Euro auf. Dieses Geld soll nach dem Beschluss des Diözesansteuerausschusses für caritative Aufgaben eingesetzt werden, zum Beispiel für eine Einrichtung der Jugendhilfe oder für ein Altenpflegeheim. Der Diözesansteuerausschuss ist das höchste Kontrollorgan in finanziellen Belangen, in dem weder der Generalvikar noch der Finanzdirektor ein Stimmrecht haben.

    Vermögen: 744 Millionen Euro

    Das Vermögen des Erzbistums, zu dem vorwiegend für kirchliche und caritative Aufgaben genutzte Grundstücke und rund 1800 Gebäude ohne Kirchen gehören, wird auf 744 Millionen Euro beziffert. Hierzu zählen die Bildungshäuser in Vierzehnheiligen und das Jugendbildungshaus Am Knock in Teuschnitz, die Gebäude der diözesanen Schulen oder die der Stadtkirche Nürnberg oder der Caritas zur Verfügung gestellten Immobilien. Nach Berücksichtigung aller Verpflichtungen verbleibt ein Eigenkapital in Höhe von 563 Millionen Euro. „Das Kapital ist in Spezialfonds nach ethisch-nachhaltigen Kriterien angelegt“, erklärte Mathias Vetter.

    „Das Diözesanvermögen gewährleistet die Erfüllung des kirchlichen Auftrags, das Wort Gottes zu den Menschen zu tragen und sie seelsorglich zu begleiten“, sagte Generalvikar Georg Kestel und betonte den Dreiklang aus Feier der Sakramente, Verkündigung der frohen Botschaft und dem caritativen Dienst insbesondere an hilfsbedürftigen und notleidenden Menschen. Apropos Caritas: Hauptamtlich unterstützen die Tätigkeiten der Caritas und aller caritativen Einrichtungen annähernd 10.000 Mitarbeiter im Erzbistum. Für die Aufgaben der Caritas hat das Erzbistum 2018 rund 23,5 Millionen Euro ausgegeben.

    Bamberger Dom: Null Euro wert

    Für diejenigen, die auf den Verkauf von Immobilien, Gold und Prunk drängen, hatten die beiden Ordinariatsvertreter folgende Antworten parat: Der Verkehrswert des Bamberger Doms etwa, der sich im Eigentum des Metropolitankapitels befindet, wird mit 0 Euro angegeben. Ebenso der Wert von Kunstschätzen im Diözesanmuseum wie die Kaisermäntel: „Kunstunikate sind unverkäuflich auf dem Markt, sie haben einen ideellen Wert, der nicht marktkonform ist“, erklärte Generalvikar Kestel.

    Tja, und dann müsste doch der Erzbischof höchstpersönlich für die Armen und Bedürftigen seine pralle Schatulle öffnen! Auch das ist in der Öffentlichkeit zu hören. Der Erzbischöfliche Stuhl Bamberg ist eine Einrichtung zur Finanzierung von besonderen Belangen des Erzbischofs. Der Erzbischöfliche Stuhl verfügt über ein Vermögen von 5 Millionen Euro.

    Bstium im hinteren Drittel

    Gehört die Erzdiözese Bamberg nun zu den wohlhabenden Bistümern in Deutschland? „Was die Vermögenswerte anbelangt, liegt das Erzbistum im letzten Drittel in Deutschland“, meint Mathias Vetter, räumt jedoch ein, dass eine Vergleichbarkeit schwer sei wegen unterschiedlicher Rechtsträger von Einrichtungen. Ein Vergleich sei aber gewagt: Der Dom zu Aachen ist stolze zwei Euro wert!

    Einsicht: Interessierte können die Finanzberichte 2018 herunterladen: www.finanzberichte.erzbistum-bamberg.de.

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