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    HAßFURT

    Blaupause für das Energiesystem der Zukunft

    Startschuss für das Wasserstoff-Blockheizkraftwerk: Das Bild zeigt (von links): Projektleiter Markus Eichhorn, Raphael L... Foto: Peter Schmieder

    Als eine der größten Herausforderungen der Energiewende gilt die „Dunkelflaute“, also eine Zeit, in der die Sonne nicht scheint und kein Wind weht. Denn dann kann weder aus Photovoltaik noch aus Windkraftanlagen Strom gewonnen werden. Zwar wird zu anderen Zeiten überschüssige Energie produziert, doch noch ist einiges an Forschung nötig, um diese auch über einen gewissen Zeitraum speichern zu können. In Haßfurt gibt es nun eine neue Anlage, die helfen soll, diese Lücke zu schließen.

    Reallabor in Haßfurt

    Als „Blaupause für das Energiesystem der Zukunft“ bezeichnete Raphael Lechner vom Institut für Energietechnik (IfE) der Oberbayerischen Technischen Hochschule die Anlage, die nun in Haßfurt in Betrieb geht. Schon seit 2016 gibt es in Haßfurt die Power-to-Gas-Anlage. Diese erzeugt durch Elektrolyse aus Wasser das brennbare Gas Wasserstoff, das gespeichert werden kann, um bei Bedarf daraus Energie zu gewinnen. Bisher wurde der auf diese Art gewonnene Wasserstoff ins Erdgasnetz eingespeist. Mit einem neuen Wasserstoff-Blockheizkraftwerk direkt neben der Power-to-Gas-Anlage ist es nun auch möglich, das Gas direkt in Haßfurt zu verarbeiten.

    Die Anlage entstand in Zusammenarbeit des Stadtwerks mit dem IfE und der Firma 2G Energy. Professor Markus Brautsch von der Oberbayerischen Technischen Hochschule begleitet das Projekt wissenschaftlich. Er spricht dabei von einem „Reallabor“. „So etwas könnten wir an der Hochschule niemals aufbauen. Da brauchen wir solche Partner wie die, die hier am Tisch sitzen“, sagte er bei der Pressekonferenz zur Inbetriebnahme des Blockheizkraftwerks (BHKW). Denn mit diesem kann erstmals im kommunalen Bereich eine geschlossene Speicherkette für regenerativen Strom im praxisnahen Maßstab dargestellt werden.

    Wärme für die Waldorfschule

    Für etwa 100 Haushalte könnte der Strom aus der neuen Anlage reichen. Da es bei jeder Umwandlung von einer Energieform in eine andere zu Verlusten kommt, liege der Wirkungsgrad „von Strom zu Strom“ nur bei rund 30 Prozent. So schätzen jedenfalls die Verantwortlichen – wie viel es genau ist, wird die Testphase zeigen. Diese geringe Ausbeute sei aber immer noch besser, als die Windräder im Sailershäuser Wald abzuschalten und damit die überschüssige Energie einfach verfallen zu lassen. Zudem hätten manche ältere Kraftwerke auch keinen höheren Wirkungsgrad.

    Zudem hängen diese Energieverluste auch damit zusammen, dass ein Teil davon in Wärme umgewandelt wird. Diese wiederum könnte über einen Anschluss ans Wärmenetz zur Beheizung der Waldorfschule oder der Firma Weyermann verwendet werden. Diese Möglichkeit soll es aber erst nach dem Ende der Testphase geben, die nun anläuft und zweieinhalb Jahre dauern soll.

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