• aktualisiert:

    KREIS HAßBERGE

    „Der Trend zur Regionalität hält an“

    Auch in Zeiten der großen Supermärkte gibt es sie noch: Die kleinen Hofläden, in denen Landwirte ihre eigenen Produkte anbieten. Auch andere Lebensmittelproduzenten, von der Brauerei bis zur Tierzucht, bringen ihre Produkte gerne selbst an den Kunden. Auf der Genussmesse Kulinea in Zeil, die am Freitag beginnt, werden sich wieder einige dieser Direktvermarkter aus der Region präsentieren.

    „Das Bewusstsein für Regionalität ist in den letzten Jahren gestiegen“, sagt Franziska Endres. Seit mehreren Generationen bewirtschaftet ihre Familie den Weiki-Hof in Zell. „Seit 27 Jahren haben wir den Hofladen“, berichtet ihre Mutter Maria Endres. Seit einem Umzug im Jahr 1994 befindet sich der Hofladen an seiner heutigen Stelle. „Anfangs ist es zögerlich angelaufen“, erzählt Maria Endres, doch mittlerweile haben die Landwirte eine große Zahl an Stammkunden.

    Dabei unterliegt die Zahl an Leuten, die in den Laden kommen, starken saisonalen Schwankungen. Gerade mit der Obsternte laufe das Geschäft an. Insgesamt sei aber auf jeden Fall ein Trend hin zu mehr regionalen Lebensmitteln zu bemerken, berichtet Franziska Endres. „Gerade bei jüngeren Leuten.“ So gebe es viele junge Eltern, die beginnen, sich bewusster zu ernähren.

    Um Kunden auf sich aufmerksam zu machen, schalten die Obstbauern Werbung, außerdem sind sie Mitglieder bei „Natürlich von hier“, einer Vereinigung, in der sich verschiedene Direktvermarkter und Gastronomen aus der Region zusammengeschlossen haben. Da der Hof besonders für seine zahlreichen verschiedenen Apfelsorten bekannt ist, gibt es im November zudem die „Probiertage“, an denen Besucher die Gelegenheit haben, verschiedene Sorten zu probieren und zu vergleichen. Auch andere Aktionen wie ein Weihnachtsmarkt auf dem Hof tragen zur Kundenbindung bei.

    Viele Stammkunden

    Und was verspricht sich die Familie Endres von der Teilnahme an der Kulinea? Der Hof sei schon so bekannt, dass kaum ein Messebesucher den Namen „Weiki-Hof“ noch nie gehört hat. „Wir treffen dort vor allem Leute, die uns schon kennen“, sagt Maria Endres. Dennoch sei die Teilnahme gut für sie. „Das trägt zur Kundenbindung bei“, meint sie. Ihre Tochter Franziska berichtet zudem, durch die letzte Kulinea habe der Hof auch Neukunden gewonnen.

    Allerdings setzt der Weiki-Hof nicht nur auf den Hofladen. Seit es in Supermärkten auch immer häufiger Regionaltheken gibt, finden sich die Äpfel und Birnen aus Zell auch in den Rewe-Märkten im Landkreis. So müsse immerhin nicht jeder Kunde für den Einkauf nach Zell fahren.

    Auch in anderen Bereichen läuft die Vermarktung sowohl über einen Laden als auch über die Supermärkte: Das Bier der Brauerei Göller in Zeil ist überall in der Region in den Getränkemärkten zu bekommen und wird in vielen Gaststätten ausgeschenkt. Dennoch zeigt sich Eva Göller auch sehr zufrieden mit dem Verkauf im eigenen Biermarkt im Zeiler Gewerbegebiet. „Der Trend zur Regionalität hält an“, sagt sie.

    Zur Frage, wie die Brauerei mögliche Kunden auf ihr Angebot aufmerksam macht, berichtet Göller, dass neben Werbung vor allem die Mundpropaganda eine große Rolle spielt. „Wir haben viele Stammkunden“, sagt sie. Wichtig sei auch der persönliche Kontakt. „Die Gaststätte bringt einen großen Aufschwung“, sagt sie. Denn in der eigenen Brauereigaststätte biete sich die Möglichkeit, mit Gästen ins Gespräch zu kommen, was auch die Kundenbindung fördere. Dazu kommen Aktionen und Veranstaltungen, unter anderem der seit dem letzten Jahr sehr erfolgreich laufende Bierkalender.

    Langfristige Wirkung

    Von der Teilnahme an der Genussmesse erhofft sich Eva Göller eine weitere Gelegenheit, mit Kunden in Kontakt zu kommen. „Bei der letzten Messe hatten wir sehr gute Resonanz“, berichtet sie. Wie viele Kunden aber letztlich durch die Veranstaltung auf den eigenen Laden der Brauerei aufmerksam werden und beginnen, ihre Getränke dort zu kaufen, sei schwer zu bewerten.

    Dass viele Aussteller bei der Kulinea sehr positives Feedback bekommen, bestätigt auch Wirtschaftsförderer Michael Brehm. „Es ist nicht so, dass sie danach von den Kunden überrannt werden“, meint der Landratsamtsmitarbeiter. „Aber die Konsumenten werden dafür sensibilisiert, was es im Raum gibt.“ Von vielen Ausstellern habe er bereits die Rückmeldung bekommen, dass die Resonanz der Kunden bei der Genussmesse sehr gut sei. Es gebe auch noch mehr Direktvermarkter aus der Region, die sich gerne bei der Messe in Zeil präsentieren würden, „aber es scheitert oft an der Kapazität“. So gebe es durchaus Lebensmittelhersteller, die sich gerne auf der Messe präsentieren würden, doch dann hätten sie nicht mehr genug von ihren Produkten übrig, um sie im Laden anzubieten.

    „Der wesentliche Aspekt ist: Man muss sich innovativ zeigen“, beschreibt Jonathan Eller, was aus seiner Sicht nötig ist, um auf dem Markt bestehen zu können. 250 Tiere hat der Hofheimer Rinderzüchter in seinem Betrieb „Auenland Beef“. Seine Produkte verkauft er sowohl in seinem Hofladen als auch über die Regionaltheke in den Rewe-Märkten. Auch Gastronomen gehören zu seinen Abnehmern.

    Innovativ heißt für ihn beispielsweise, dass er besondere, teilweise saisonale Produkte anbietet. „Einfach nur Fleisch reicht nicht mehr.“ Dass er vor zwei Jahren an der Kulinea als Aussteller beteiligt war, habe ihm auf dem Weg zum langfristigen Erfolg durchaus geholfen. „Es kommen nicht alle gleich in der nächsten Woche in den Laden“, sagt er. Doch viele hätten sich Flyer genommen und mit ihm geredet. „Das bleibt im Gedächtnis.“

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!