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    KREIS HASSBERGE

    Bunte Gaudiwürmer trotzen grauem Himmel

    Der Himmel grau, aber die Faschingszüge kunterbunt: Mehrere Gaudiwürmer haben sich am Wochenende durch den Haßbergkreis geschlängelt. Ungeschlagen, was mit bis zu 12 000 Zuschauern die Publikumsgunst und mit 60 Zugnummern und 1500 Mitwirkenden die Zahl der Akteure anbelangt, war auch dieses Mal der närrische Aufmarsch in Sand am Main.

    Dampf gegen Diesel

    Den Auftakt machte am Samstag in Obertheres der Zug des Obertherser Carnevalsvereins (OCV). Ulrike Langer, unsere Reporterin vor Ort, sprach von elf besonders fantasievollen Wagen, 16 nicht minder schönen Fußgruppen, die von den Musikkapellen aus Untertheres, Obertheres und Buch sowie der Sambagruppe Bateria Caliente aus Hofheim angetrieben wurden. Der OCV selbst kam mit einem prächtigen Saloon-Wagen daher, begleitet vom Prinzenpaar Alexander I. und Jenny I, der Zwergen-, Kinder-, Jugend- und der Prinzengarde sowie den OCV-Senioren. OCV-Präsident Karl Dotzel sei mit den geschätzt 3000 Zuschauern und 500 bis 600 Akteuren „sehr zufrieden“ gewesen. Der Aufwand, einen Umzug durch Obertheres zu veranstalten, habe sich wiederum gelohnt. Besonderer Hingucker auf der Route vom Kahlberg über die Klosterstraße zur Turnhalle war die Dampflok, mit der die Katholische Landjugend Bewegung Unterspiesheim herangebraust war, „weil die Politik kein Diesel mehr will“.

    In der Turnhalle ging die Faschingsgaudi dann weiter.

    „Blue Angela“ ganz umsonst

    Es muss nicht immer Tageslicht sein, wenn sich der Gaudiwurm fortbewegt, dachten sich dann am Samstagabend die Dampfacher. Und weil Dampf zu Dampfach passt, brauste auch hier die Unterspiesheimer Dampflok bis zur Turnhalle am Sportplatz, wie unsere Berichterstatterin Elke Englert beobachten konnte. Ansonsten sorgten die örtlichen Vereine und die Wonfurter Jugendfeuerwehr für Humor, außergewöhnliche Lichteffekte und Musik – und nahmen den Abgasskandal ebenso auf die Schippe wie den Streit um Steuerreformen. Freudig begrüßt vom Publikum am Straßenrand wurde auch die Koalitionbar Steigerwald aus Spielhof, bei der die Cocktails Jamaica „nix“, und GroKo „gornix“ kostete und es „Blue Angela“ umsonst gab.

    Kaiser Heinrich und Kunigunde

    Weil die Stadt Zeil heuer ihren 1000. Geburtstag feiert, gab sich beim närrischen Zug in der Wein- und Fachwerkstadt die ganz große Prominenz die Ehre: Allen voran Kaiser Heinrich (Karlheinz Große) und seine Gemahlin Kunigunde (Michaele Eisenacher) mit gut 30 Gefolgsleuten, wie es sich für ein Kaiserpaar aus dem Ende des 10. Jahrhunderts gehört. Auch andere gekrönte Häupter und Blaublütige defilierten durch die Zeiler Straßen, so die Queen (Bernhard Jilke) aus dem fernen England, das Knetzgauer und das Thereser Prinzenpaar sowie die heimische Prinzenschwarte. Ralf Naumann, der für diese Redaktion in Zeil auf den Auslöser drückte und den Bleistift zückte, schätzte die Zuschauerzahl grob über den Daumen gepeilt auf 5000. Doch das Publikum sah nicht nur wohlwollende Geburtstagsaufwartungen: Die Zeiler Stadtsklaven hatten doch tatsächlich etwas zu meckern. Die Bauhof-Mitarbeiter beschwerten sich nämlich: „Der Haushalt hat ein Riesenloch. Für die Ehrengäste reicht es aber immer noch“, behaupteten sie.

    Bürgermeister Thomas Stadelmann, mit seiner Frau Monika standesgemäß als edle Herrschaften im Einsatz, habe ob des rekordverdächtigen Gaudiwurms mit fast 50 Fußgruppen und aufwendig geschmückten Wägen über das ganze Gesicht gestrahlt, ließ Ralf Naumann all jene wissen, die es nicht selbst miterlebten. „So sind wir Zeiler, wie bleiben uns treu, auch im Jubiläumsjahr“, habe Stadelmann verkündet.

    Aicher Moggl im Höhenflug

    Tief im Steigerwald erwiesen sich derweil Akteuere wie Zuschauer beim 54. Faschingszug durch Trossenfurt und Tretzendorf als wetterfest. Rund 900 Aktive im Zug und geschätzt zehn Mal so viele Zuschauer wurden nach Angaben unserer Reporterin Sabine Weinbeer dann auch mit einer Pause beim Schneefall belohnt. Zu den zahlreichen Gästen des Zuges zählte die Faschingsgesellschaft Titer vom Hahn aus Trunstadt, die den Schlusspunkt des Zuges setzte. Ihre Liebe zu Holland erklärten die „Aicher Moggl“ und die Aicher Jugend setzte mit dem Space-Shuttle zum Höhenflug an. Zu früh war der Fasching für die Dankenfelder Jugend, die sich zu ihrem unfertigen Wagen bekannte. Urmenschen aus Fatschbenbrunn, Barbies aus Eschenbach und das Faschingskomitee aus Eltmann bereicherten den Zug.

    Politische Themen kamen ebenso aufs Tapet. Hier wurde Markus Söder schon zum fränkischen König gekürt und der Stammtisch Kesseldampfer mokierte sich über das noch immer nicht wieder aufgebaute Buswartehäuschen in Tretzendorf. Die Dorfjugend Trossenfurt-Tretzendorf stellte sich gegen das Brauereinsterben und gab einen Treueschwur für das heimische Bier ab.

    Sander Gänsejäger

    Beim Sander Faschingszug, der die stärkste Magnetwirkung im Landkreis Haßberge ausübt, war heuer erstmals Elisabeth Goger, die Prinzessin des Abt-Degen-Weintals mit dabei. Zusammen mit Bürgermeister Bernhard Ruß und Stellvertreter Gerhard Zösch sei sie auf dem Wagen des Faschingskomitees mitgefahren, gab unser Berichterstatter Christian Licha bekannt. Gleich zwei Gruppen befassten sich mit dem neuen Sander Kreisel, wo sich derzeit die Geister scheiden, wie die Mittelinsel gestaltet werden soll. Auch die Gänseplage nahmen die Narren auf die Schippe: Die „Flur-Patrol – Sander Gänsejäger“ bedrohten das Federvieh gar mit Maschinenpistolen.

    Stefan Flachsenberger, der neue Präsident des Faschingskomitees, freute sich darüber, dass sein Gaudiwurm einmal mehr Besucher aus der Ferne angezogen hatte – wie Autos mit Nummern der Landkreise Main-Spessart, Würzburg oder Aschaffenburg nahelegten. Im Maintal wie im Steigerwald verliefen die Faschingszüge am Wochenende nach bisherigen Erkenntnissen friedlich, fröhlich und ohne größere Zwischenfälle.

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