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    Burgpreppach

    Burgpreppach: Ein christlicher Weg voller Hoffnung und Mut

    "Lebenswege – Segenswege" nennen die beiden Burgpreppacher Seelsorger ihren Rundweg in der Gemeinde. Der soll eine kleine Hilfe in einer besonderen Zeit sein.
    Der katholische Pfarrer Duc-Ninh Nguyen (links) und der evangelische Pfarrer Michael Thiedmann haben für ihre Christengemeinde einen kleinen Rundweg in Burgpreppach mit Tafeln versehen.
    Der katholische Pfarrer Duc-Ninh Nguyen (links) und der evangelische Pfarrer Michael Thiedmann haben für ihre Christengemeinde einen kleinen Rundweg in Burgpreppach mit Tafeln versehen. Foto: Stefanie Brantner

    Trotz der Corona-Krise und der derzeitigen Einschränkungen gibt es in unserem Leben auch viel Gutes zu entdecken, sagen die Pfarrer Duc-Ninh Nguyen und Michael Thiedmann. Konfessionsübergreifend haben die beiden Geistlichen für ihre Christengemeinde einen kleinen Rundweg in Burgpreppach mit Tafeln versehen. Der Weg führt zwischen der evangelischen und katholischen Kirche am Ortsrand entlang und hat keine festgelegte Laufrichtung. Am Wegrand stehen Tafeln mit je einem Bibelwort und ganz unterschiedlichen Gedanken, die der Seele gut tun sollen.

    Mit QR-Codes zu Liedern und Videos

    Auf manchen Schildern finden sich zudem QR-Codes zum Scannen, die auf ein Lied oder Video verweisen. "Lebenswege – Segenswege" haben die beiden Geistlichen ihre Initiative überschrieben. Sie soll zu einem Spaziergang einladen, bei dem es nicht nur um Abstand halten und Rücksichtnahme geht. Vielmehr gibt er die Möglichkeit, anhand der Bibelworte und Texte Erfreuliches und Ermutigendes für das eigene Leben zu entdecken. Außerdem – auch wenn es derzeit keine Gottesdienste gibt, laden Pfarrer zum Gebet oder einen Moment der Stille in die jeweiligen Gotteshäuser ein, die von 9 bis 18 Uhr geöffnet sind.

    Wie es einem Pfarrer in der "Corona-Krise-Zeit" geht und welche Erfahrungen er mit den Gläubigen in der Gemeinde macht, verrät Pfarrer Thiedmann im Interview.

    Frage: Viele Berufstätige sind derzeit im sogenannten Home-Office. Wie sieht der Berufsalltag eines Pfarrers, der eigentlich immer nah am Menschen ist, Paare traut, Kinder tauft und Sterbende begleitet, in diesen Zeiten aus?

    Michael Thiedmann: Der übliche Pfarralltag ist deutlich eingeschränkt, nachdem auch der Landeskirchenrat seinen Pfarrern empfiehlt, auf persönliche Kontakte möglichst zu verzichten – Sterbebegleitung und Bestattungen sind davon ausgenommen. Neben den Stunden mit meinem Sohn spielt sich derzeit viel im Büro ab: Zeit, um liegengebliebenen Papierkram aufzuarbeiten, aber auch um mit Gemeindegliedern in Kontakt zu bleiben, anzurufen und einfach zu hören wie es ihnen geht. Trotzdem fehlt die persönliche Begegnung mit den Menschen.

    Weihnachten und Ostern sind normalerweise die zwei hohen kirchlichen Feste, die eigentlich immer für ein volles Gotteshaus sorgen. Genau dies ist aber in Pandemiezeiten nicht möglich. Also - Ostern ohne Gottesdienst. Wie geht es Ihnen damit?

    Michael Thiedmann: Es bleibt irgendwie unvorstellbar. Als ich vor ein paar Wochen am Sonntagmorgen ankündigte, dass vorerst alle weiteren Gottesdienste entfallen, sah ich Tränen in manchen Augen. Auf so lange Zeit gab es das in unserer Gemeinde vermutlich noch nie. Ich werde zwar an Ostersonntag zum Sonnenaufgang den Altar wieder aufdecken und mit einem Gebet die Osterkerze entzünden, aber ein Ostern ohne Posaunenklänge und feiernde Gottesdienstgemeinde bleibt hoffentlich einmalig. Für dieses Jahr muss man also über Alternativen nachdenken, wie z. B. eben unsere Aktion Lebenswege – Segenswege.

    Haben Sie noch andere Ideen?

    Michael Thiedmann: Wer von zuhause Gottesdienst feiern möchte, wird ja mit guten Angeboten im Fernsehen, Radio oder Internet fündig. Geplant ist bisher ein persönlicher Ostergruß, der sich als Video über Instagram oder andere Kanäle streuen lässt. Und am Ostersonntag und -montag kann sich jeder aus unserer Kirche eine kleine Osterkerze und eine Osterbotschaft mit nach Hause nehmen. Mehr wird noch nicht verraten.

    "Ostern erzählt uns jedes Jahr aufs Neue: Es geht weiter! Es gibt einen Weg! Es gibt Hoffnung!"
    Pfarrer Michael Thiedmann
    Der Pfarrer – der Seelsorger, bei Ihnen können die Menschen offen reden. Welchen Eindruck haben Sie? Haben die Menschen Angst, halten sie die Einschränkungen eher für übertrieben oder machen sie sich kaum Sorgen und sind eher verärgert über die derzeitigen Einschränkungen?

    Michael Thiedmann: Ich glaube, anfangs schienen die Maßnahmen vielen übertrieben. Doch mit den zunehmend erschreckenden Meldungen aus Italien und dem Bewusstsein, dass doch jeder Menschen kennt, die womöglich besonders gefährdet sind, haben die meisten doch Verständnis dafür. Was aber vor allem bleibt, ist die Unsicherheit. Es ist so unklar, wie die nächsten Wochen und Monate aussehen werden und welche Auswirkungen das auf Familie, Beruf und den weiteren Alltag hat. Solche Gedanken treiben schon viele Menschen um. Besonders leid tun mir all die Brautpaare, die monatelang geplant und ihren Festtag vorbereitet haben. Keiner kann derzeit eine realistische Einschätzung für eine solche Feier geben und manche planen bereits jetzt schon zu einem anderen Termin um.

    Man hört nun oft davon, dass sich die Menschen gerade jetzt, da es gilt, die soziale Distanz zu wahren, sogar eher näher kommen. Haben Sie auch diesen Eindruck? Rücken die Menschen, wenn auch bei räumlicher Distanz, enger zusammen?

    Michael Thiedmann: Ich glaube, dass wir uns derzeit vor allem ganz bewusst Zeit füreinander nehmen: für Telefonate, für Briefe und um einfach unsere familiären und freundschaftlichen Beziehungen zu pflegen. Das klappt im Alltag ja nicht immer so gut, das merke ich selbst schon auch. Aber das zeigt mir wieder, wie wohltuend und notwendig so ein geschützter freier Tag wie der Sonntag für unsere Gesellschaft ist. Auf lange Sicht wird es aber ohne die räumliche Nähe, ohne einen Händedruck oder ohne eine Umarmung nicht gehen.

    Was kann uns Mut machen in dieser Krise? Und gibt es etwas, dass man vielleicht in "die Zeit danach" mitnehmen sollte? Sehen sie bei allem auch durchaus einen positiven Effekt?

    Michael Thiedmann: Ostern! Passender könnte die Osterbotschaft gerade nicht sein: Als Jesus starb, schien für die Jünger alles vorbei, alles zu Ende. Bis Jesus auferstand. Ostern erzählt uns jedes Jahr aufs Neue: Es geht weiter! Es gibt einen Weg! Es gibt Hoffnung! Auch jetzt während dieser schwierigen Zeit der Corona-Krise. Und mal ehrlich: Wenn wir uns von Filmen wie "Herr der Ringe" oder "Star Wars" begeistern lassen, warum nicht auch von dieser unglaublichen und doch ermutigenden Geschichte von Tod und Auferstehung? Und was wir hoffentlich mitnehmen, ist die Geduld, die wir gerade aufbringen und neu erlernen. Das verändert vielleicht auch insgesamt unseren Umgang miteinander und unseren Blick füreinander. Das hoffe ich zumindest.

    Am Wegrand stehen Tafeln mit je einem Bibelwort und ganz unterschiedlichen Gedanken, die der Seele gut tun. Hinter diesem QR-Code versteckt sich das Lied 'Freiheit' von Marius Müller-Westernhagen.
    Am Wegrand stehen Tafeln mit je einem Bibelwort und ganz unterschiedlichen Gedanken, die der Seele gut tun. Hinter diesem QR-Code versteckt sich das Lied "Freiheit" von Marius Müller-Westernhagen. Foto: Stefanie Brantner
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