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    Landkreis Haßberge

    Corona: Was nützt der beste Wein, wenn er nicht kredenzt wird

    Die Weinprinzessin des 'Abt-Degen-Weintals', Anna-Lena Werb, wies zwischen den historischen Mauern des Weinbergs ihrer Familie in Steinbach auf die Unterstützung der heimischen Betriebe hin.
    Die Weinprinzessin des "Abt-Degen-Weintals", Anna-Lena Werb, wies zwischen den historischen Mauern des Weinbergs ihrer Familie in Steinbach auf die Unterstützung der heimischen Betriebe hin. Foto: Günther Geiling

    Die Corona-Krise trifft die Gastronomie in besonderem Maße, aber mit ihr auch Weinbaubetriebe. Abgesagte Weinfeste und geschlossene Restaurants lassen den Umsatz schrumpfen und auch Privatkunden kommen anscheinend deutlich seltener auf den Hof. Dazu ist die Unsicherheit riesig, weil noch keiner abschätzen kann, wie lange diese "Durststrecke" noch andauert und wie sich die Gäste danach verhalten werden.

    Selbst auf die Repräsentation der Weinprinzessin aus dem "Abt-Degen-Weintal" wirkt sich die "Corona-Krise" aus. Noch im Januar war Prinzessin Anna-Lena Werb auf wichtigen Terminen wie dem "Wein-Tourisumus-Symposium" in Iphofen, auf der Freizeitmesse in Nürnberg oder der "Grünen Woche" in Berlin unterwegs und nahm auch an einem "Wein-Sensorik-Kurs" mit anderen Prinzessinnen teil. Eine der letzten Veranstaltungen war dann im Februar die "Kulinea" in Zeil.

    Nun sind aber schon in den letzten Wochen einige Veranstaltungen ausgefallen oder wurden verschoben. Darunter sind zahlreiche Abkrönungen oder Umkrönungen von Prinzessinnen bis hin zur Krönung der Fränkischen Weinkönigin. Außerdem wäre jetzt auch die Zeit, um die guten Weine des Jahrganges 2019 zu präsentieren. Prinzessin Anna-Lena bestätigte in diesem Zusammenhang, "dass die Qualität des Weines die Erwartungen der Winzer bei weitem übertroffen hat. Doch leider nutzt der beste Wein nichts, wenn man ihn nicht präsentieren und mit Freunden genießen kann. Erst damit bekommt der Winzer die Anerkennung und Freude für das zurück, was er das ganze Jahr gleistet hat".

    So hätten sich in den letzten Wochen zahlreiche Winzer für die Öffnung ihrer "Heckenwirtschaft" gerüstet, hätten geschlachtet und zahlreiche Hausmacherspezialitäten für die Gäste vorbereitet. Durch die Corona-Krise sei die Bewirtung der Gäste aber nun nicht mehr möglich.

    Verkauf ab Hof

    "Abt-Degen-Weinprinzessin" Anna-Lena bedauerte dies sehr und richtete deswegen auch eine Bitte an die Verbraucher. "Lasst die Winzer bei euch vor Ort nicht im Stich und unterstützt sie in dieser schweren Zeit. Denn wer möchte schon in Zukunft auf den leckeren Wein auf der Terrasse oder auf einem Weinfest im Abt-Degen-Weintal verzichten?" So könne man die Winzer jetzt auch gut über den "Verkauf ab Hof" unterstützen.

    Von der Rebe bis zu einem guten Wein ist es ein langer Weg. Die eigentliche Arbeit leistet dabei die Natur mit Unterstützung des Winzers, dessen Arbeit bis hin zur Weinlese sehr vielfältig ist. Für die Winzer habe dies begonnen mit dem Rebschnitt. In den letzten Wochen beginnen die Reben nun schon zu "bluten" und es ging weiter mit der Arbeit des Biegens und Bindens der Reben, mit denen eine gleichmäßige Verteilung der Triebe erreicht wird. Wie die Weinernte in diesem Jahr ausfallen wird, kann man jedoch heute noch nicht vorhersagen und der Winzer wird immer wieder im Weinberg gefordert sein.

    Winzer Christian Zehendner aus Gleisenau vor seinen Weintanks, aus denen demnächst die Flaschen des qualitätsvollen Jahrgangs 2019 abgefüllt werden.
    Winzer Christian Zehendner aus Gleisenau vor seinen Weintanks, aus denen demnächst die Flaschen des qualitätsvollen Jahrgangs 2019 abgefüllt werden. Foto: Günther Geiling

    Winzer Christian Zehendner aus Gleisenau berichtet so ganz aktuell von den nächtlichen Spaziergängen durch seine Weinberge, wo er dem "Knospenschädling" auf der Spur sei. Die zweigähnliche Raupe sei perfekt getarnt und nachtaktiv. Ab März, wenn andere Nahrungsquellen fehlen, seien für sie die Knospen von Rebstöcken ein gefundenes Fressen. Die angefressenen Knospen würden aber nicht mehr austreiben, blühten nicht und tragen dann auch keine Trauben. So könnten bereits wenige Tiere einen großen Schaden anrichten.

    "Ich hoffe nur, dass die Krise sich nicht auf die Wirtshauskultur auswirkt, die bei uns noch gelebt wird."
    Christian Zehendner, Gastronom, Winzer und Landwirt

    Der Winzer von der Traditionsgaststätte in Gleisenau sieht sich als Gastronom, Winzer und Landwirt in dieser aktuellen Situation der "Corona-Krise" zwar breit aufgestellt, aber auch für ihn stehe die Gesundheit der Menschen und seiner Kunden im Vordergrund. "Wir sind ein Haus mit fränkischer Wirtshaustradition, in dem die Menschen gemeinsam um den Tisch sitzen und das Gespräch miteinander suchen. Ich hoffe nur, dass die Krise nicht länger anhält, und wünsche mir, das sich dies nicht auf die Wirtshauskultur auswirkt, die bei uns noch gelebt wird. Es wäre nicht schön, wenn davon etwas auf der Strecke bleiben würde."

    Für viele Betriebe eine enorme Durststrecke

    Es sei ebenso kaum zu erwarten, dass bei einer ersten Lockerung der Einschränkungen auch die Gastronomie davon profitiere, die mehr als andere von der Krise betroffen sei. "Jeder fragt sich deswegen, wie lange das noch so bleiben soll. Die Auswirkungen auf die jeweiligen Betriebe sind dabei natürlich sehr unterschiedlich." Wenn jemand Miete zahlen müsse, Investitionen getätigt habe oder auf viel fremdes Personal angewiesen wäre, für den sei die Situation nicht einfach und eine solche Durststrecke mit enormen Umsatzeinbußen sei dann nur für eine begrenzte Zeit überbrückbar.

    Jahrgang 2019 verspricht gute Qualität

    "Der Umsatzrückgang schlägt sich aber auch bei uns nieder und ich kann mir nicht vorstellen, dass hier eine Zwischenlösung mit besonderen Regelungen und bestimmten Abständen zwischen den Tischen eine große Verbesserung brächte. Im meinem Weinbaubetrieb betrifft es mich insofern, dass ich durch die Krise nicht rechtzeitig Flaschenweine abfüllen konnte und so auf dem Trockenen sitze. Die Abfüllung soll nun in der nächsten Woche stattfinden." Ebenso wünsche er sich, dass die Schließung der Gaststätten möglichst bald aufgehoben wird. "Der Jahrgang 2019 verspricht nämlich eine sehr gute Qualität, auch wenn der Ertrag niedriger war. Er ist nämlich für einen jungen Wein schon gut entwickelt."

    Keine Kommunion- und Familienfeiern

    Ute Berninger vom Weingut mitten in den Weinbergen zwischen Steinbach und Ziegelanger macht Sorge, weil man nicht wisse, was nach dem 19. April kommt oder ob die Krise vielleicht erst auf ihren Höhepunkt zusteuert. "Natürlich ist es oberstes Ziel, dass jeder gesund bleibt. Auch ich habe Senioren im Haus und hoffe es auch für diese. Aber dazu gehört auch, dass ich jetzt hier in unserem Restaurant sitze und die Einnahmen fehlen. Gerade jetzt über diese Wochen und Ostern sind die Einbußen schon enorm. Dazu kommt, dass auch noch Kommunion- oder Geburtstagsfeiern abgesagt werden mussten." Zum Glück könne man noch etwas im Weinverkauf auffangen, der gut angenommen werde.

    Stollenführungen in Gefahr?

    Martin Fischer von "Frankensekt" in Steinbach wollte am 2. Mai wieder mit seinen traditionellen Führungen mit Bewirtung in den Stollen von Ebelsbach beginnen und befürchtet, dass mit dem Wegfall dieser Führungen auch sein Sektverkauf einbrechen würde. "Deswegen haben wir schon rechtzeitig auf Verkauf ab Hof gesetzt" und auch der Verkauf über Telefon sei eigentlich ganz gut angelaufen. Für ihn wäre es wünschenswert, wenn es nach den Osterferien eine Lockerung gäbe und er wieder seine Stollenführungen planen könnte.

    Doppelt betroffen

    Sandra Aumüller vom "Hotel Landgasthof Wallburg" in Eltmann ist gleichermaßen zweifach von der "Corona-Krise" betroffen. "Bei unseren Fremdenzimmern waren wir schon für den Monat Mai ausgebucht und auch für den April ist die Buchung gleich null, weil ja auch die Firmenvertreter nicht mehr kommen. Das schmerzt schon sehr." Aber auch das Restaurant musste sie ja schließen und habe hier von Anfang an die Auslieferung von Speisen ins Auge gefasst. Nun sei man aber auf "Essen to go" übergegangen, indem die Leute ihr Essen abholen. "Die Leute haben darauf verständnisvoll reagiert und es wird gut angenommen, vorwiegend natürlich an den Wochenenden. Dazu mussten auch wir uns etwas umstellen und bieten die Gerichte von unserer normalen Karte an. Die Leute bekommen es dabei so auf den Teller serviert, als würden sie es in unserem Restaurant verzehren."

    Sie wäre natürlich froh, wenn sie ihre Gäste wieder im eigenen Lokal bedienen dürfte, befürchtet aber, dass dies vor Ende April oder erst Mitte Mai nicht möglich sein dürfte. "Aber so lange werden wir unser Angebot aufrechterhalten, denn nur so haben wir eine Chance, unser Haus über die Runden zu bringen und in die Zukunft zu führen."

    Die Arbeit in den alten Weinbergsanlagen von Steinbach erfordert anstrengende körperliche Arbeit.
    Die Arbeit in den alten Weinbergsanlagen von Steinbach erfordert anstrengende körperliche Arbeit. Foto: Günther Geiling
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