• aktualisiert:

    SAND

    „Dann habe ich Wasser geschluckt . . . “

    Eine Kurzschlussreaktion hätte Ludwig Bart am 1. September beinahe das Leben gekostet. Dass er an diesem Tag nicht im Baggersee von Sand (Lkr. Haßberge) ertrunken ist, hat der 63-Jährige aus Nürnberg aufmerksamen Rettern zu verdanken. Marco Swietza, den jungen Mann, der ihn aus dem Wasser gezogen hat, bezeichnet Ludwig Barts Frau Lilia im Gespräch mit dieser Redaktion als „Engel“.

    Seit 24 Jahren hat das Ehepaar Bart einen Platz auf dem Sander Campingplatz am See. Oft kommen sie im Sommer dort hin. Ludwig Barth hat auch ein Boot, mit dem er häufig auf dem See angeln ging. Das hatte er auch am Samstag vor. Zusammen mit einem Freund wollte er gegen 17 Uhr auf den See hinausrudern. Sein Freund war noch nicht da, doch Ludwig Bart bereitete schon einmal alles vor. Er legte die Angel und die Ausrüstung ins Boot und machte das Boot los. Dann kam ein Bekannter vorbei, mit dem er sich eine Zeit lang unterhielt.

    Dem Boot hinterher

    Als er sich danach wieder umdrehte, sah er, dass sein Boot abgetrieben war. Reflexartig sprang er ins Wasser und schwamm dem Boot hinterher.

    „Schwimmen kann er. Aber er hat nicht die Ausdauer“, beschreibt Lilia Bart, warum der Versuch, sein Boot zu retten, ihrem Mann beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Auch im Strandurlaub in der Türkei sei ihr Mann zwar ins Wasser gegangen, aber nie geschwommen. Dass er dennoch hinter dem Boot her schwamm, bezeichnet die 61-Jährige als Kurzschlussreaktion.

    „Dann habe ich Wasser geschluckt“, erinnert sich Ludwig Bart an den Moment, in dem ihm die Kraft ausging. Etwa 80 Meter war er bis dahin geschwommen. An das, was danach geschah, erinnert er sich nicht. Immerhin war er, nachdem er unterging, mehrere Minuten unter Wasser. Zu seinem Glück sah eine Gruppe von jungen Leuten, wie er hinter dem Boot her schwamm und im See unterging. Der 27-jährige Polizeischüler Marco Swietza sprang ins Wasser und schwamm zur Unglücksstelle, während sein Bruder ihm vom Ufer aus half und seine Freundin den Notarzt alarmierte.

    „Er war ganz blau und kalt“

    Lilia Bart saß zu dieser Zeit im Garten auf ihrer Parzelle des Campingplatzes. Was geschehen war, erfuhr sie erst, als der Freund der Familie, mit dem ihr Mann hatte Angeln gehen wollen, gerannt kam. Er war an den See gekommen, als die Retter Ludwig Bart bereits aus dem Wasser gezogen hatten und Erste Hilfe leisteten. Dabei hatte er auch gesehen, wie die Helfer den 63-Jährigen auf die Seite legten, wobei noch Wasser aus seinem Mund lief.

    Darauf eilte auch Lilia Bart zum See. Während der notärztlichen Versorgung hielt sie die Hand ihre Mannes. „Er war ganz blau und kalt“, berichtet sie. Dabei bemerkten auch Notarzt und Sanitäter, dass es dem Patienten offenbar gut tat, die Hand seiner Frau zu spüren. Daher durfte sie auch hinten im Krankenwagen mitfahren, was eigentlich unüblich sei, berichtet Lilia Bart.

    Auch sie sei sehr aufgeregt gewesen. „Aber dann sagst du: Nein, du musst helfen. Schreien hilft nichts.“ Für sie selbst sei es eine große Erleichterung gewesen, als die Ärzte ihr sagten, dass mit der Sauerstoffsättigung bei ihrem Mann alles in Ordnung sei – dann habe sie sich auch innerlich etwas beruhigt. An die Fahrt zum Krankenhaus hat Ludwig Bart selbst keine Erinnerung mehr, obwohl er, wie seine Frau berichtet, während der Fahrt mit ihr gesprochen hat. Als sie am Abend das Krankenhaus verlassen musste, habe er geweint, weil er Angst hatte, alleine zu sein.

    Aus dem Krankenhaus entlassen

    Seit dem 1. September hat Lilia Bart ihren Mann jeden Tag im Krankenhaus besucht. Jeden Tag fuhr sie die Strecke von ihrem Zuhause in Nürnberg zum Krankenhaus in Schweinfurt. Am Freitag war es dann so weit: Ludwig Bart konnte aus dem Krankenhaus entlassen werden. Am Nachmittag begleitete er seine Frau, seine Tochter und die Enkelkinder wieder auf den Campingplatz, wo er von zahlreichen Nachbarn begrüßt wurde. „Alle kennen ihn hier“, sagt Lilia Bart. „Schön, dass du wieder da bist“, war an diesem Nachmittag von vielen Leuten zu hören. Lilia Bart zeigte bei dieser Gelegenheit auch ihrer Tochter Viktoria und deren Kindern, an welcher Stelle Marco Swietza ihren Mann aus dem See gerettet hat. Mit zum Wasser kommt Ludwig Bart allerdings nicht. Zu frisch ist die Erinnerung an das schreckliche Erlebnis, das er dort hatte. Sein Boot will er wahrscheinlich verkaufen.

    Begeistert ist Lilia Bart von der tollen Reaktion des Retters Marco Swietza. Sie habe bereits seine Telefonnummer, angerufen habe sie ihn aber noch nicht, da sie weiß, dass er momentan im Urlaub ist. Dort möchte sie ihn nicht stören. Doch bald wollen sie und ihr Mann mit ihm sprechen, um sich persönlich bei dem Lebensretter zu bedanken.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!