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    THERES

    Der Grabbesuch wird zum Waldspaziergang

    Mit einer großen Gruppe besuchte der Stadtverband für Gartenbau und Landespflege Haßfurt den RuheForst Maintal Theres. A... Foto: Sabine Gehles

    Nach einer Umfrage von Aeternitas der Verbraucherinitiative Bestattungskultur von 2016 lag der Wunsch vieler Deutscher, sich in einem üblichen Sarggrab auf einem Friedhof beisetzen zu lassen, bei 24 Prozent. Nach einem Bericht von Spiegel Online habe der Prozentsatz der Feuerbestattungen in Deutschland schon 2015 bei 60 Prozent gelegen. Das schreibt der Stadtverband für Gartenbau und Landespflege Haßfurt in einer Pressemitteilung.

    Vor diesem Hintergrund will sich der Stadtverband des Wandels der Friedhofskultur annehmen, erklärt die Vorsitzende Petra Schilling. Unter dem Thema „Orte der Würde, Kultur und Natur“ sollen neuere und auch alte Entwicklungen der Bestattungskultur ein Thema sein. Ziel sei es, verschiedene Ruhestätten zu besuchen, wie den jüdischen Friedhof oder auch den alten und neuen Friedhof in Haßfurt. Zum Auftakt besuchte der Stadtverband für Gartenbau und Landespflege den 2015 ausgewiesenen „RuheForst“ Maintal in Theres. Begrüßt wurden die Teilnehmer der Exkursion von Achim Friedrich Graf von Beust und Diana Tapper, die Ansprechpartner und Betreiber des Ruheforstes. Träger ist die Gemeinde Theres. Der Ruheforst bietet Ruhestätten innerhalb eines historischen Laubwaldes. Wer sich für eine Beisetzung im Ruheforst entscheidet, der erwirbt das Recht auf Nutzung der Ruhestätte für 99 Jahre. Erst 2114 entscheidet sich, ob der Wald weiter Ruheforst sein wird oder nicht. Insgesamt sind 300 Bäume als Ruhebiotope ausgewiesen.

    Die Baumart ist frei wählbar

    Dabei könne laut der Pressemitteilung die Eiche oder Buche genauso ausgewählt werden wie die Kirsche oder Kastanie. Es gebe Gemeinschaftsbiotope, Familien- und Freundschaftsbiotope. Ein Gemeinschaftsbiotop habe zwölf Plätze in einem Radius von zwei Metern um den Lieblingsbaum. Die Urne aus biologisch abbaubarem Material werde 90 Zentimeter tief eingesetzt. Der Ruheforst sei von der evangelischen Kirche gesegnet und von der katholischen Kirche geweiht, versichert Graf Beust. Die Trauerzeremonien fänden an der Andachtsstelle des Forstes statt.

    Die Trauerfeier könne laut Beust individuell oder nach kirchlich-religiösen Ritualen gestaltet werden. Wer sich für einen Platz im Ruheforst entscheide, sei in die Natur des Waldes eingebettet. Es gebe keine individuelle Grabpflege. „Nur natürliches Moos aus dem Wald und Blumenköpfe sind erlaubt“, sagte Beust. 35 bis 40 Prozent der Ruhestätten würden laut Beust ohne Kenntlichmachung vergeben. Nur die Familie kenne in diesem Fall die letzte Ruhestätte des Verstorbenen.

    „Der Grabbesuch wird zum Waldbesuch“, erklärte Petra Schilling, die die Führung durch den Ruheforst als gelungenen Anfang zur Besucherreihe der Bestattungsformen im Landkreis erklärte. Der Ruheforst sei eine pietätvolle Entwicklung der Friedhofskultur und sensibilisiere gleichzeitig für die Schönheit der Natur.

    Bearbeitet von Markus Erhard

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