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    HAßFURT

    Der Jugend eine Chance

    Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten
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    Es gibt eigentlich keine Generation, die nicht über die aktuelle Jugend gelästert hat. Das beweisen nicht zuletzt zahlreiche Spruchweisheiten von Sokrates über Sartre bis Schopenhauer: Die jungen Leute haben schlechte Manieren, verachten die Autorität, haben keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzen, wo sie arbeiten sollten, sie stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten, widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft und tyrannisieren ihre Lehrer. Gut, das haben wir – wie gesagt – alle früher gemacht, als wir eben noch jung waren. Eines allerdings hat inzwischen eine neue Qualität erreicht, das ist die Landflucht der jungen Leute.

    Dummerweise sind es gerade diejenigen, die auf Hochschulen, Universitäten und anderen Instituten ein hohes Maß an Bildung und Ausbildung gesammelt haben, das auch auf dem Lande gut gebraucht werden könnte. Aber die Lockungen der Metropolen sind eben ungleich größer als die ländliche Ruhe und Zwischenmenschlichkeit, die in Großstädten oft schmerzlich vermisst werden.

    Um dem für die Region nicht unbedenklichen Trend entgegenzuwirken, hat sich der Landkreis inzwischen Einiges einfallen lassen. An dieser Stelle hat das geplante Kunststoff-Kompetenzzentrum bereits seine Würdigung erfahren. Dieses soll ebenso den Landkreis für junge Menschen attraktiv aussehen lassen wie das Famulatur-Projekt der Gesundheitsregion plus. Dieses Projekt läuft heuer bereits im dritten Jahr. Die Resonanz auf die beiden ersten Aktionen ist durchaus positiv. Die Medizinstudenten können so einen wichtigen Bestandteil ihres Studiums im Landkreis absolvieren.

    Das bietet die Möglichkeit, hier Vernetzungen zu installieren, wie es heutzutage heißt, wenn jemand Kontakte – oder althochdeutsch Beziehungen – aufbaut. Vielleicht wird der Beruf des Hausarztes, den eventuell mancher angehende junge Mediziner – in Anbetracht der lockenden hohen Einnahmen für Orthopäden in der Landeshauptstadt – bislang etwas von der Seite betrachtete, durch die Begegnung mit der Realität interessanter.

    Der Landrat träumt darüber hinaus von den Haßberg-Kliniken als Akademisches Lehrkrankenhaus. Dafür wird's wohl nicht ganz reichen. Um in diesen erlauchten Kreis aufgenommen zu werden, müsste Haßfurt noch deutlich mehr medizinische Möglichkeiten bieten. Aber was spräche denn gegen eine Kooperation mit Schweinfurt? In vielen Bereichen arbeiten die Häuser ohnehin schon eng zusammen. Also warum sollten nicht junge Ärzte einen Teil ihres Praktischen Jahres in Haßfurt in Abteilungen ableisten können, in denen die Haßberg-Kliniken konkurrenzfähig sind?

    Natürlich hat Landrat Schneider dabei den Hintergedanken, dass durch häufige Aufenthalte der jungen Mediziner im Landkreis die Doktores in spe diesen so schätzen und lieben lernen, dass sie sich vorstellen können, hier eines Tages eine Praxis zu übernehmen. Vielleicht von einem Arzt, mit dem sie sich einst während ihrer Famulatur vernetzt haben?

    Noch sind die Bewohner des Landkreises recht gut medizinisch versorgt. Aber das kann sich ändern. Mit dem Projekt „Main Sommer“ hat Landrat Schneider jedenfalls begonnen, das Berufsbild des Facharztes für Allgemeinmedizin auf dem Land für den einen oder anderen angehenden Medicus zu versüßen.

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