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    BAMBERG

    Der Kampf des Teufels gegen Gott ist in Bamberg zu sehen

    „Bilder wie Balladen“ malt die Eberner Künstlerin Anne Olbrich. Einige ihrer Bilder sind demnächst in Bamberg zu sehen. Foto: Sabine Meißner

    Die Geschichte der Kirche auf dem Bamberger Stephansberg begann vor mehr als 1000 Jahren. Sie ist die älteste evangelische Kirche in der Weltkulturerbe-Stadt. Zu einem ganz besonderen Gotteshaus macht diese ehrwürdige Kirche aber nicht nur ihr Alter. „Sie ist die einzige von einem Papst geweihte Kirche nördlich der Alpen“, verkündet die Evangelische Kirchengemeinde St. Stephan auf ihrer Webseite. 800 Jahre war die Kirche katholisch und „nur“ 200 Jahre evangelisch, aber keine andere, jetzt evangelische Kirche, ist je von einem Papst geweiht worden.

    Die Stephansgemeinde hat sich anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums viel vorgenommen. Bei den Feierlichkeiten werden die „Heilige Kunigunde“ und die „Bamberger Apokalypse“, aber auch die fränkische Malerin Anne Olbrich aus Ebern eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Die heilige Kunigunde hat der Legende zufolge während des Zweiten Weltkriegs die Kirche und die Stadt vor größerer Zerstörung bewahrt, indem sie einen Nebelschleier wie ihren Mantel über die Stadt gebreitet und so weitgehend die Bombardierung verhindert habe.

    Den Schleier wegziehen

    Das ganze Gegenteil eines schützenden Schleiers behandelt die „Bamberger Apokalypse“, die ab 19. Januar in den Blickpunkt der Kirchenbesucher von St. Stephan rücken wird. Die etwa um das Jahr 1000 herum verfasste Handschrift enthält den Text des letzten Bibelbuches, die Offenbarung des Johannes vom Ende der Welt sowie dem Kampf des Teufels gegen Gott. Eine prophetische Vorstellung des Schreckens wird darin ausgebreitet, die „Apokalypse“, was nach der griechischen Wortherkunft soviel wie „den Schleier wegziehen“ bedeutet.

    Die „Bamberger Apokalypse“ enthält künstlerische Zeichnungen. Sie ist 2003 in das UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes eingetragen worden. Einst war sie von Kaiser Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde der Kirche des Bamberger Kollegiatstifts St. Stephan geschenkt worden. Im Jubiläumsjahr 2020 wird nun den alten Bildern der „Bamberger Apokalypse“ ein zeitgenössischer Bilderzyklus der Künstlerin Anne Olbrich aus Ebern mit dem Titel „Apokalypse“ gegenübergestellt werden. Der Zyklus kommt vom 19. Januar bis 22. Februar in der Stephanskirche sowie im Stephanshof zur Ausstellung.

    Die Malerin Anne Olbrich befasst sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen, aber auch mit Religion, Naturschutz und sozialer Integration. Sie hat wiederholt in der Region auf sich aufmerksam gemacht. So beteiligte sie sich an Gemeinschaftsausstellungen in der Kunstmühle Mürsbach im Landkreis Bamberg. Dabei kamen unter anderem ihre Bilder „Dem Licht entgegen“ und „Ökumene“ zur Auswahl. Einen „beeindruckenden Bildzyklus“ nannte der Bamberger Kunsthistoriker Matthias Liebel Olbrichs „Gemälde zur Offenbarung des Johannes“. In seiner Laudatio zur Eröffnung der Ausstellungssaison 2018/2019 in der Xaver-Mayr-Galerie in Ebern charakterisierte er sie als „eine Malerin mit vielseitigem Schaffen“, was sich in den Bilden widerspiegele.

    Schon 2015 nahm Michael Koller, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kunstreferat der Diözese Würzburg, Olbrichs Apokalypse-Bilder zum Anlass, das Thema in der bildenden Kunst zu beleuchten. Einige Werke der Eberner Malerin waren damals in der Ritterkapelle in Haßfurt zu sehen und wurden bei einem Themenabend im Haßfurter Bibliotheks- und Informationszentrum im Rahmen des Kulturprojekts „Kunststück“ des Landkreises Haßberge besprochen.

    Auszeichnung für die Künstlerin

    Die Ausstellungen in Ebern und Haßfurt haben offenbar bis nach Bamberg gewirkt, denn in Bamberg entstand die Idee, Olbrichs „Apokalypse“ zum Jubiläum 2020 zu zeigen und den Bildern des alten Originals gegenüberzustellen. Die Künstlerin selbst äußert sich gegenüber dieser Redaktion bescheiden: „Ich freue mich sehr, denn es ist für mich eine Auszeichnung.“

    Die Stephanskirche zu Bamberg

    Geschichte: Die Weihe der Bamberger Stephanskirche nahm im Jahr 1020 Papst Benedikt VIII. vor. Als er die Domstadt an der Regnitz besuchte, gab er unweit des Dombergs dem Vorgängerbau der heutigen Stephanskirche seinen Segen. Dieser erste Kirchenbau existiert nicht mehr. An seiner Stelle war in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen worden. Deren Vollendung zog sich durch den Dreißigjährigen Krieg über mehrere Jahrzehnte hin. Das heutige Kirchengebäude, eine im Kern gotische Kirche mit Turm, ist ein Einzeldenkmal von nationalem Rang. Es besteht aus einem Langhaus in Ost-West- und einem Querhaus in Nord-Süd-Richtung aus dem 16./17. Jahrhundert. Beide Gebäudeteile bilden zusammen mit dem Chor ein gleicharmiges Kreuz. Mehrere Restaurationen und Teilerneuerungen sind in den vergangenen Jahrhunderten vorgenommen worden, zuletzt bis in 2019 hinein.

    Jubiläum: Das Jubiläum enthält neben Gottesdiensten Ausstellungen, Vorträge, Theater, Konzerte und Feste, die nicht nur in der Kirche selbst, sondern auch außerhalb stattfinden. Auch der Kunigundentag soll am 29. Februar im Dom und in St. Stephan begangen werden.

    Das Jubiläumsjahr der 1000-jährigen Stephanskirche wird am 19. Januar durch Regionalbischöfin Dorothea Greiner mit einem Festgottesdienst eröffnet.

    Als erste Veranstaltung steht die Gemäldegalerie „Apokalypse“ auf dem Festprogramm. Am 5. Juli findet der Dekanatskirchentag im Stephanshof statt. Den Schlusspunkt der Feierlichkeiten wird am 26. Dezember 2020 der Abschlussgottesdienst mit Einweihung einer neuen Chororgel setzen.

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