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    Kreis Haßberge

    Der Klimawandel ist spürbar

    Ein Mähdrescher bei der Arbeit (Symbolbild): Nach einigen schlechten bis sehr schlechten Jahren freuen sich die Bauern in diesem Jahr zumindest wieder über eine durchschnittliche Ernte. Foto: Thomas Warnack

    Klaus Merkel zeigt sich erleichtert. "Endlich mal wieder ein Jahr mit halbwegs durchschnittlichen Erträgen", sagt der Landwirt und Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. Dabei blickt er auf ein Jahr zurück, das viele Bauern als tiefen Einschnitt empfanden. "2018 war ein Schock. Das vergisst man so schnell nicht", sagt Merkel, der mit dem Gut Mariaburghausen einen reinen Ackerbaubetrieb führt. Denn der extrem heiße und trockene Sommer hatte die Ernte im vergangenen Jahr sehr schlecht ausfallen lassen. Merkel und andere Landwirte sind sich einig: Der Klimawandel ist spürbar und gerade die Landwirtschaft muss sich auf Veränderungen einstellen.

    Dass es im Mai starke Regenfälle gegeben hatte, habe die durchschnittliche Ernte ermöglicht, sagt Merkel. "Sonst wäre es noch schlimmer geworden als letzes Jahr." Denn die folgenden Monate wurden wieder sehr heiß und trocken; der Juni war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sowohl in Deutschland als auch in ganz Europa der wärmste Juni seit Beobachtungsbeginn. Im Juli wurde dann mit einer Temperatur von 42,6 Grad im Emsland sogar ein neuer nationaler Allzeitrekord registriert. Dass viele Pflanzen diese trockene Hitze doch relativ gut überstanden haben, ist wohl dem Wasser zu verdanken, das sie im Mai abbekommen hatten. Doch je länger die Pflanzen danach noch in der Hitze auf den Feldern standen, desto schlechter waren die Erträge. "Die Gerste, die man zuerst drischt, war noch recht gut", erzählt Merkel. Pflanzen, die erst später geerntet werden, hätten dagegen mehr unter der Hitze gelitten. "Jetzt warten wir wieder auf Regen", sagt Merkel. "Man sieht, wie Zuckerrüben und Mais nach Regen schreien."

    Unterfranken ist besonders trocken

    Ähnlich sieht es auch der Bio-Bauer Hans Dünninger aus Goßmannsdorf. "In den letzten Jahren hatten wir extrem lange Trockenphasen", berichtet er. Gerade Unterfranken sei von der Trockenheit besonders betroffen. Auch Dünninger berichtet, dass vor allem die Gerste normale Erträge gebracht hätte, während alles, was später geerntet wird, in einem schlechteren Zustand war. "Natürlich hat sich die Trockenheit deutlich bemerkbar gemacht. Aber es war nicht so schlimm wie letztes Jahr."

    Auch ein paar weitere Trends sind sowohl Merkel als auch Dünninger aufgefallen. So sprechen beide davon, wie unterschiedlich die Erträge auf verschiedenen Feldern sein können. "Man merkt sehr deutlich den Unterschied zwischen guten und schlechten Böden", sagt Klaus Merkel. Und auch Hans Dünninger berichtet: "Die Tendenz ist ganz stark. Gute Standorte halten super durch." Dagegen gebe es auch Felder, auf denen es sehr schlecht aussieht. "So extrem war es noch nie", sagt er über die unterschiedliche Ernte auf unterschiedlichen Feldern. So riesig seien die Unterschiede früher nicht gewesen.

    Mit einem Punkt zeigt sich Klaus Merkel allerdings sehr zufrieden: "Die Ernte ging relativ glatt." So seien die Bauern kaum von Regen gestört worden. "Dementsprechend gut sind die Qualitäten."

    Bäume haben keine Kraft mehr

    Beide werfen auch einen Blick auf die Wälder. Dass die Bäume immer vertrockneter aussehen, betrifft die Landwirtschaft zwar nicht direkt, trotzdem sei im Zustand der Bäume ein gutes Beispiel dafür zu sehen, wie sich die Trockenheit auf Pflanzen auswirkt. "Die Bäume leiden jetzt seit drei Jahren. Sie haben keine Kraft mehr", sagt Dünninger. Und auch Merkel spricht von einem traurigen Bild, das die Wälder momentan abgeben.

    Denen, die einen menschengemachten Klimawandel leugnen, widersprechen die beiden sehr deutlich. "Der Klimawandel ist da, wir Bauern spüren das am eigenen Leibe", sagt Klaus Merkel. "Eigentlich müssten wir selber bei Fridays for Future mitmachen." Denn es gäbe schon eine gewisse Anzahl an Maßnahmen, die sofort wirksam wären. Doch die Politik tue sich schwer damit, diese umzusetzen.

    Als Beispiel nennt er Biodiesel und Bioethanol. "Man könnte mit einem Schlag schnell CO2 einsparen", meint er. Doch statt eine Mindestbeimischung der biologisch hergestellten Brennstoffe zu den konventionellen zu fordern, habe die EU eine Obergrenze dafür eingeführt. Zudem gebe es in der Landwirtschaft Möglichkeiten, etwas für das Klima zu tun, die aber mit Aufwand und Kosten verbunden sind. "Da könnte man mit einer Förderung nachhelfen", betont Merkel, dass er sich mehr Anreize und vor allem Unterstützung für Bauern wünschen würde, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. "Ich mache das, weil ich überzeugt bin, dass es richtig ist", sagt er beispielsweise über einen Zwischenfruchtanbau.

    Nachdem die Felder abgeerntet sind, kann die Zwischenfrucht ausgesät werden, wie hier auf den Feldern von Klaus Merkel. Foto: Peter Schmieder

    Auch eine Erhöhung des Humusgehaltes, durch die CO2 dauerhaft im Boden gespeichert werden könne, hält er für sinnvoll. "Ich verstehe nicht, dass man solche Dinge nicht anpackt", meint Klaus Merkel. "Das geht uns zu langsam, es sind zu viele andere Interessen dahinter, die das blockieren."

    Wunsch nach wechselhaftem Wetter

    Auch Hans Dünninger lässt keinen Zweifel daran, dass es eine spürbare Klimaveränderung gibt. "Der Klimawandel bringt uns extreme Phasen. Vor allem extreme Trockenphasen", sagt er. "Wir können nur hoffen, dass die große Politik bald die Wichtigkeit erkennt." Dabei gehe es den Menschen in Mitteleuropa noch relativ gut. "Wir leiden noch am wenigsten darunter", sagt er. "Die ärmeren Länder vertrocknen und saufen ab."

    Und welches Wetter wäre nun ideal für die Landwirtschaft? "Wir leben eigentlich vom wechselhaften Wetter", sagt Klaus Merkel. "Weder durchgehend Regen noch durchgehend Sonne ist gut."

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