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    KREIS HASSBERGE

    Die Bahn kennt Hofheim i. UFr. nicht mehr

    Bis Mitte 2015 bediente noch ein OVF-Bus die Buslinie von Hofheim nach Haßfurt. Das hat sich nun geändert.
    Bis Mitte 2015 bediente noch ein OVF-Bus die Buslinie von Hofheim nach Haßfurt. Das hat sich nun geändert.

    Wer eine Reise mit der Deutschen Bahn plant und von Hofheim zum Haßfurter Bahnhof starten will, erlebt eine Überraschung: In der Internet-Suchmaschine der Bahn findet sich kein Hofheim i. Ufr. mehr. Der Grund: Die Buslinie 8168 von Hofheim über Königsberg nach Haßfurt ist keine Bahnbuslinie mehr. Dies führt dazu, dass in den Bussen dieser Linie auch das Bayernticket nicht anerkannt wird.

    Die Strukturen im Öffentlichen Personennahverkehr sind kompliziert. In den vergangenen Jahren bediente die Omnibusverkehr Franken GmbH (OVF) die Linie 8168 zwischen Haßfurt und Hofheim. Dieses Tochterunternehmen der Deutschen Bahn („Frankenbus“) entstand vor gut 25 Jahren aus der Tradition der Post- und Bahnbusse. Auf allen OVF-Linien werden auch die Fahrkarten der Deutschen Bahn – im Behördendeutsch: Schienenfahrausweise – anerkannt. Und dazu zählt auch das Bayern-Ticket.

    Doch die Zeit des OVF auf der Linie 8168 ist vorbei. „Unsere Konzession war abgelaufen“, erklärt ein Sprecher des für die Region Main-Rhön zuständigen OVF-Büros in Bad Neustadt. „Und bei der Neuausschreibung hat sich dann ein Privatunternehmen durchgesetzt, das die Linie jetzt eigenwirtschaftlich betreibt.“ Dieses Privatunternehmen ist die Firma Erlebnisreisen Wagenhäuser aus Hofheim. Chefin Eva-Maria Wagenhäuser-Müller bestätigt, dass ihr Unternehmen die Linie schon seit dem 1. Juni 2015 bedient. Zunächst habe man die Reisenden, die mit einem Ticket der Bahn in den Wagenhäuser-Bussen auf der Linie mitfuhren, während einer Übergangszeit noch intern über die OVF verrechnen können.

    Doch dies sei mittlerweile nicht mehr möglich. „Die Bahn zahlt uns jetzt keinen Pfennig mehr.“ Versuche, deswegen mit der Bahn in Kontakt zu treten, seien gescheitert. „Wir kommen nicht an die ran“, sagt die Unternehmerin.

    Die Folge: Seit dem 1. Januar 2016 müssen auch diejenigen Reisenden den Fahrpreis für den Bus entrichten, die ein Bayernticket der Bahn vorweisen können. Eva-Maria Wagenhäuser-Müller bittet hier um Verständnis. Man betreibe die Buslinie eigenwirtschaftlich, deswegen sei auch die Einnahmenseite wichtig und man könne die Inhaber eines Bayerntickets nicht gratis befördern.

    Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken, bestätigt, dass die Linie 8168 vor dem 1. Juni 2015 von der OVF in Kooperation mit der Firma Wagenhäuser betrieben wurde. Nach der Neuausschreibung habe die Regierung dann zum 1. Juni 2015 die Neukonzession an Wagenhäuser genehmigt.

    Bei den im Zuge der Ausschreibung eingehenden Angeboten der Busunternehmen prüfe die Regierung die Anzahl der angebotenen Verkehrsverbindungen und wie diese in den bestehenden ÖPNV eingebunden werden sollen, bevor das beste Angebot den Zuschlag erhalte. „Die Fahrpreis-Konstellation ist aber keine Genehmigungsvoraussetzung“, stellt Hardenacke klar. Soll heißen: Die Regierung kann kein Busunternehmen zwingen, beispielsweise das Bayernticket anzuerkennen.

    Diese Entwicklung hat ihren Niederschlag auch im Internetportal der Bahn gefunden. Derjenige, der unter der Internetadresse bahn.de ein Bahnticket kaufen oder eine Fahrplan-Auskunft möchte, wird stutzig. Denn in dem Feld, wo man den Bahnhof oder die Haltestelle eingeben muss, an der man seine Reise beginnen möchte, sind bundesweit zwar zwölf verschiedene Hofheim-Varianten hinterlegt, das „Hofheim i. UFr.“ ist allerdings nicht mehr darunter. Aus Sicht der Bahn kann man also direkt von Hofheim aus keine Reise mehr antreten.

    Bei den Hofheimer Stadtteilen sieht das noch anders aus. Allerdings werden hier von der Deutschen Bahn teils abenteuerliche Streckenführungen angeboten über OVF-Routen, auf denen die Schienenfahrausweise – und damit auch das Bayern-Ticket – anerkannt werden.

    Einige Beispiele: Wer von Eichelsdorf aus mit Verkehrsmitteln der Bahn nach Würzburg reisen möchte, dem wird zuerst die Buslinie 8169 nach Bad Königshofen angeboten. Von dort geht es dann, je nach Tageszeit, entweder mit dem Bus 8170 nach Schweinfurt zum Hauptbahnhof oder mit dem Bus 8304 zuerst noch weiter bis nach Bad Neustadt, um von dort dann mit der Erfurter Bahn nach Schweinfurt zu fahren.

    Von Schweinfurt aus geht's per Bahn nach Würzburg. Die Reisezeit beträgt ziemlich genau drei Stunden.

    Wer in Lendershausen wohnt, der kann – wenn er über die Bahn online seine Fahrtkarten bucht – zunächst mit dem Bus 9112 in Richtung Stadtlauringen aufbrechen. In Fuchsstadt muss er in den Bus 8130 umsteigen, der dann über Reichmannshausen nach Schweinfurt zum Hauptbahnhof fährt. Schließlich geht es weiter per Zug bis Würzburg. Auch hier beträgt die Reisezeit rund drei Stunden.

    Noch länger unterwegs ist man, wenn man sich entschließt, von Goßmannsdorf aus auf Bahn-Linien zu reisen. Das Bahn-Computerprogramm empfiehlt zunächst den Bus 9113, der über Burgpreppach bis nach Ebern fährt. Dort erfolgt das Umsteigen in einen Zug von Agilis, der nach Bamberg fährt. Von der Domstadt Bamberg geht es dann per Zug über Haßfurt bis nach Würzburg. Gut dreieinhalb Stunden sollte man als Reisezeit schon einplanen.

    Eine leichte Verbesserung der Situation ist allerdings in Sicht. Es wird derzeit daran gearbeitet, dass „Hofheim i.UFr.“ und somit auch die Busverbindung zwischen Hofheim und Haßfurt wenigstens wieder in der Internet-Suchmaschine der Bahn auftaucht. „Wir haben den Antrag gestellt, dass unsere Fahrplandaten ins DEFAS Bayern eingelesen werden“, sagt Eva-Maria Wagenhäuser-Müller. Dahinter verbirgt sich das „Durchgängige Elektronische Fahrgastinformations- und Anschlusssicherungssystem“.

    Eine grundsätzliche Änderung im Tarifgefüge würde sich ergeben, wenn der Landkreis dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) beitreten würde. Denn im VGN-Gebiet wird das Bayernticket auf allen Buslinien anerkannt. Und die Busunternehmen bekommen ihren berechtigten Anteil. Foto: M. Mößlein

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