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    Die Braut nicht küssen

    Sie dürfen die Braut jetzt küssen!“ Die Messe ist gelesen, die Bedingungen sind ausgehandelt, der Vertrag ist unterzeichnet, die Gläser haben geklungen, nicht jeder wollte mit anstoßen, aber schließlich sind sich alle einig: Die Ehe könnte vollzogen werden. Aber es kann der Frömmste sich nicht in Frieden vereinigen, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt . . .

    Eigentlich ist Rainer Gottwald gar kein Nachbar. Er kommt aus Oberbayern. Aber er ist dennoch dagegen, dass die Sparkassen Ostunterfranken und Schweinfurt Hochzeit feiern. Warum? Das kann ich Ihnen nicht sagen, lieber Leser. Aber offenbar ist der gute Mann nicht nur gegen diese Sparkassenfusion. Ursprünglich hat er in seiner Heimatstadt Landsberg damit begonnen, gegen die Sparkasse ins Felde zu ziehen. Dort forderte er die Ausschüttung der Sparkassengewinne an die Kommune, statt damit die wegen der Nullzinsphase dringend benötigten Rückstellungen zu erhöhen.

    Im Landkreis Haßberge sieht der Querulant die Interessen der Sparkassenkunden vernachlässigt. Argumente von Landrat Wilhelm Schneider sowie Bürgermeister Wolfgang Borst (Hofheim) und Ex-Bürgermeister Christoph Winkler (Freie Wähler), die Fusion diene durch Synergieeffekte einem notwendigen Personalabbau, ohne dabei das Filialnetz weiter auszudünnen, lässt er nicht gelten.

    Gottwald hatte aber seine Chance. Im Rahmen eines Infoabends konnte er der interessierten Bevölkerung und deren Mandatsträgern seine Bedenken schildern. Dennoch entschieden sich diese Volksvertreter mit beeindruckenden Mehrheiten in Kreistag (einstimmig) und Stadtrat Königsberg (zwei Gegenstimmen) für die Fusion.

    Doch der notorische Sparkassengegner, der sich eigentlich als Anhänger der ursprünglichen Sparkasse-Idee outet, kann sich damit nicht abfinden. Er möchte ein Bürgerbegehren gegen die Fusion durchsetzen. Dafür braucht er entweder rund 4100 Unterstützer im Landkreis oder etwa 300 Unterschriften in Königsberg, da die Stadt Königsberg einer der Gesellschafter der Sparkasse ist. Erreicht er eine der beiden Zahlen, kann das Bürgerbegehren initiiert werden. Da Gottwald wohl der Meinung ist, eher die 300 Stimmen in Königsberg mobilisieren zu können, konzentriert er sich mit seiner Agitation aller Voraussicht nach auf diese Bürger. Sollte er es schaffen, müsste der Stadtrat das Bürgerbegehren genehmigen. Erst danach müssten die Bürger zur Urne schreiten, sich mehrheitlich für den Kritikaster entscheiden und gleichzeitig eine Wahlbeteiligung von über 20 Prozent der Königsberger Wahlberechtigten übertreffen.

    Wahrlich eine hohe Hürde, die der Querulant überwinden muss, bis er sein fragwürdiges „Hobby“ ausleben kann, aber nicht so aussichtslos wie der Kampf von Don Quichotte gegen die Windmühlen, mit dem er oft verglichen wird.

    Beschwerte sich Gottwald noch vor Wochenfrist an dieser Stelle über mangelnden Respekt einzelner Haßberg-Kreisräte, so muss man seine jüngste Offensive wohl ebenfalls als impertinent bezeichnen. Er forderte den Vorstand der Haßfurter Sparkasse auf, die beschlossene Fusion noch nicht umzusetzen, sondern abzuwarten, ob er mit seinen Störversuchen nicht doch erfolgreich sein werde. Um nicht unnötig Geld zu verplempern: „Sie dürfen die Braut küssen?“

    Von Wolfgang Sandler wolfgang.sandler@mainpost.de

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