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    HOFHEIM

    Die Erinnerung an jüdische Opfer am Leben erhalten

    Die neue Kreisjugendpflegerin Theresa Fleischmann wurde am Donnerstag während der Frühjahrsversammlung des Kreisjugendrings in Hofheim vorgestellt. Foto: Martin Schweiger

    Karolina Rosenthal wurde am 7. Oktober 1922 in Haßfurt geboren. Am 25. April 1942 wurde die jüdische Mitbürgerin in das polnische Dorf Krasnicyn deportiert, wo die Nationalsozialisten im April 1941 ein Ghetto eingerichtet hatten, in dem mehrere Tausend Deportierte durchgeschleust wurden, um in die Vernichtungslager Sobibor, Belzec, Treblinka und Auschwitz-Birkenau transportiert zu werden. Karolina Rosenthal starb im Jahr 1942 im Raum Lublin in Polen.

    Damit ihr Schicksal und das vieler weiterer Juden, die in Unterfranken lebten, nicht vergessen wird, wurde der „DenkOrt“ Aumühle in Würzburg als zentrale Gedenkstätte für die jüdischen Opfer der NS-Gewaltherrschaft ganz Unterfrankens geschaffen. Aumühle heißt der Bahnhof in Würzburg, von dem aus viele Juden im Zweiten Weltkrieg deportiert wurden. „DenkOrte gegen den Hass“ ist das pädagogische Begleitprojekt zu „DenkOrt Aumühle“. Seit November 2018 werden Studierende als Teamleiter ausgebildet, um gemeinsam mit Jugendlichen in ganz Unterfranken Projekte und Aktionen ab diesem Sommer durchzuführen.

    Die Studentinnen Johanna Jans und Sharmoyne Hagn von der Fachhochschule Würzburg stellten am Donnerstag anlässlich der Frühjahrsversammlung des Kreisjugendrings Haßberge im Rot-Kreuz-Haus in Hofheim das Projekt vor. Demnach gab es im Jahr 1932 noch 109 jüdische Gemeinden in Unterfranken. Am 27. November 1941 rollte der erste Deportationszug bei Nacht vom Güterbahnhof Aumühle. Insgesamt gab es acht Deportationen von 1941 bis 1943 aus Würzburg und Kitzingen. Insgesamt wurden 2068 Menschen von dort deportiert. Nur 62 von ihnen überlebten die Vernichtungslager der Nazis.

    Dass auch heute Antisemitismus und Judenhass in vielen Köpfen noch vorhanden ist, zeige eine deutschlandweite Umfrage. Der Aussage „Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß“ hätten 10,1 Prozent der Befragten „manifest“ zugestimmt. Bei immerhin noch 20,7 Prozent der Befragten habe die Aussage eine „latente“ Zustimmung gefunden, die Aussage „Die Juden arbeiten mehr als andere Menschen mit üblen Tricks, um das zu erreichen, was sie wollen“ bei 7,6 Prozent der Befragten „manifeste“ Zustimmung, bei 21,5 Prozent noch „latente“ Zustimmung. Dem Satz „Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns“ hätten 9,1 Prozent der Teilnehmer „manifeste“ zugestimmt, 20,1 Prozent „latent“.

    Eine weitere Umfrage habe nach Aussage der beiden Studentinnen eine steigende feindselige Haltung gegenüber Muslimen bestätigt: „Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden“ hätten im Jahr 2017 44,1 Prozent zugestimmt. Um dieser Ausländerfeindlichkeit entgegenzuwirken, will das Projekt „DenkOrte gegen den Hass – Zurück in die Dörfer“ gemeinsame Projekte mit Jugendlichen durchführen. Die Projektkoordination und die Durchführung übernehmen die Jugendbildungsstätte Unterfranken und das Bündnis für Demokratie und Zivilcourage. 15 bis 20 Studierende sollen als Teamleiter zur Unterstützung und Schulung vor Ort mitwirken. Mindestens 36 Multiplikatoren mit einem direkten und dauerhaften Kontakt zu den Jugendlichen sollen eingesetzt werden. Mindestens 360 Jugendliche aus je drei Kommunen beziehungsweise Stadtteilen der zwölf Landkreise und kreisfreien Städte der 109 ehemaligen jüdischen Gemeinden in Unterfranken sollen beteiligt werden. Für Jugendbildungsmaßnahmen gibt das Projekt den Teamleitern interaktive Module an die Hand, damit sich die Jugendlichen mit Ausgrenzungsprozessen damals und heute auseinandersetzen können. Der Gegenwarts- und Zukunftsbezug soll durch die Auseinandersetzung mit konkreten Biographien einzelner Opfer hergestellt werden. Am Aktionstag stimmen die Projektbegleiter mit den Jugendlichen vor Ort die weitere Vorgehensweise in Bezug auf den DenkOrt gegen den Hass ab.

    Der Vorsitzende des Kreisjugendrings Haßberge, Daniel Fischer, stellte die neue Kreisjugendpflegerin Theresa Fleischmann vor. Sie ist seit dem 18. Februar dieses Jahres im Amt und trat die Nachfolge von Eva Pfeil an. Vorstandsmitglied Johannes Lang ist von seinem Amt als Beisitzer zurückgetreten. Bei der Wahl eines Ersatzes erklärte sich keiner der Anwesenden zur Kandidatur bereit. Die Wahl soll daher im Herbst erneut durchgeführt werden. (msch)

    Mehr Infos zum Projekt gibt Katharina Wehinger vom Würzburger Bündnis für Demokratie und Zivilcourage, E-mail: Katharina.wehinger@zivilcourage-wuerzburg.de., Tel. (09 31) 73 04 10 45.

    Die Studentinnen Sharmayne Hagn und Johanna Jans (von links) präsentierten das Projekt „DenkOrte gegen den Hass” am Donnerstag während der Frühjahrsversammlung des Kreisjugendrings in Hofheim.
    Landrat Wilhelm Schneider hielt ein Grußwort während der Frühjahrsversammlung des Kreisjugendrings am Donnerstag in Hofheim.

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