• aktualisiert:

    KÖNIGSBERG

    Die letzten Töne der alten „Königin“

    Mit einem Familiengottesdienst hat sich die Kirchengemeinde Königsberg von ihrer 115 Jahre alten Orgel verabschiedet. Den Gottesdienst gestalteten die Kinder der Arche mit. Sie zogen mit Orgelpfeifen in das Gotteshaus ein.
    Mit einem Familiengottesdienst hat sich die Kirchengemeinde Königsberg von ihrer 115 Jahre alten Orgel verabschiedet. Den Gottesdienst gestalteten die Kinder der Arche mit. Sie zogen mit Orgelpfeifen in das Gotteshaus ein. Foto: Christiane Reuther

    Musik macht froh und hilft, Gott zu loben. Seit 115 Jahren diente die Orgel in der Marienkirche in Königsberg diesem Zweck. Sie begleitete Menschen in Glück und Freude, in Trauer und Leid und sah erlebte unzählige Schicksale und zwei Weltkriege. Den Untergang der Monarchie, der Weimarer Republik und des sogenannten Dritten Reiches überstand sie genauso wie die Wiedervereinigung. Lange Jahre begleitete sie treu die Kirchenbesucher, bevor sich die Holzwürmer einnisteten. Jetzt hat die Orgel ausgedient und macht Platz für eine neue.

    Mit einem Familiengottesdienst hat sich die Kirchengemeinde Königsberg am Sonntag in der Marienkirche von der im Jahre 1904 von Johannes Strebel erbauten, mit zwei Manualen und mit 15 Registern ausgestatteten Königin der Instrumente verabschiedet. Den Gottesdienst umrahmten die Kinder der Arche, die Klänge des Posaunenchors und – zum letzten Mal die Strebel-Orgel, die zum Abschluss „Muss i denn zum Städele hinaus“ anstimmte.

    Pfarrer Peter Hohlweg machte sich seine Gedanken zu der Orgel, in der viele Pfeifen stecken: Große und kleine, dicke und dünne, laute und leise aus Metall oder aus Holz, die sanft und weich oder stark und kräftig klingen. Eine Predigt zum Thema „Wir alle sind Pfeifen“ – das wollte der Pfarrer nach eigenen Worten dann doch nicht machen, wie er den Gottesdienstbesuchern versicherte – auch wenn er beim Blick in die Reihen schon Lust dazu verspürt habe.

    Wie der Orgelbauer die Pfeifen so bearbeitet, dass sie sich wieder einfügen ins Ganze, um harmonisch zu klingen, so würde es auch bei den Menschen einen Spezialisten geben, der Jesus Christus heißt. Während es eine Pfeife über sich ergehen lassen müsse, gestimmt zu werden, müsse vom Menschen die Bereitschaft ausgehen, sich von Christus in den Gesamtklang seiner Schöpfung einfügen zu lassen. Die neue Orgel könne ein Sinnbild sein für Gottes Wort: „Siehe ich mache alles neu.“ So müssten die Gottesdienstbesucher nicht traurig sein über das, was sie verlieren, sondern sollten sich freuen auf das, was kommt: eine neue Orgel.

    Diese soll Ende 2019 in der Marienkirche stehen und 2020 festlich eingeweiht werden, um den großen Kirchenraum mit ihrem Klang zur Freude der Besucher in den Gottesdiensten und Konzerten zu erfüllen. Die Kosten belaufen sich auf 400 000 Euro. Aktuell beträgt der Spendenstand 300 000 Euro. Der Orgelbauverein nimmt weitere Spendengelder entgegen. Die alte Orgel wird in den nächsten Wochen abgebaut. Das weitere Schicksal ist noch ungeklärt. Vielleicht findet sie irgendwo noch ein Plätzchen, um zum Lobe des Herrn zu erklingen. (cr)

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Haßberge-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!