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    BAMBERG

    Einbrüche in Handyshop: Über drei Jahre Haft für 29-Jährigen

    Achtmal wurde in den Handy-Laden in Ebelsbach eingebrochen – die Täter gingen jeweils mit brachialer Gewalt vor. Foto: R. Naumann

    Die Einbrüche in einen Handy-Laden in Ebelsbach waren wohl das Werk von kaltblütigen Profis. Dafür spricht die Aufnahme einer Überwachungskamera, die am Donnerstag im Landgericht beim Prozess gegen einen der mutmaßlichen Täter gezeigt wurde. Darauf war zu sehen, dass die drei vermummten Täter trotz einer heulenden Alarmanlage und flackernden Lichtsignalen in aller Ruhe auf die Eingangstür zuliefen, um diese mit einem Vorschlaghammer einzuschlagen.

    Täter muss für Schaden haften

    Wenig später dringt weißer Rauch einer Nebelmaschine aus der Tür. Keine Minute später rennen die Täter mit vollen Taschen weg. Einer von ihnen ist nach Überzeugung des Gerichts ein 29-jähriger rumänischer Taxifahrer, der seit Dienstag vergangener Woche auf der Anklagebank des Landgerichts saß. Am Donnerstag verurteilte ihn die Zweite Strafkammer am vierten Verhandlungstag zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Außerdem muss er für den Schaden von 32 422 Euro haften, den er bei einem der Einbrüche verursacht hatte. Angeklagt war der 29-Jährige für drei Einbrüche. Das Gericht konnte ihm jedoch nur die Beteiligung an zwei Straftaten nachweisen. Im dritten Fall wurden zwar DNA-Spuren des Angeklagten am Tatwerkzeug gefunden, was aber für eine Verurteilung nicht ausreichte.

    Richter hat keinen Zweifel an Schuld

    Überführt wurde der Angeklagte eines Einbruchs am 11. Dezember 2017 um 0.55 Uhr. Damals erbeuteten die Täter unter anderem 27 iPhones im Wert von 32 422 Euro. Die Auswertung des Handys und des Navigationssystems des Angeklagten passten mit dem Zeitpunkt der Videoaufnahme der Überwachungskamera zusammen. Zudem hatte der Angeklagte eingeräumt, damals als Fahrer dabei gewesen zu sein. Er habe allerdings nur eine Scheibe eingeschlagen. Von einem Handyraub wolle er nichts mitbekommen haben, sagte er am ersten Verhandlungstag. „Die Summe der Indizien geben keinen Zweifel, dass Sie dabei waren“ war sich der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt, sicher.

    Auch bei einem Einbruch am 24. Januar 2017 nahm der Angeklagte nach Überzeugung des Gerichts teil, denn es wurden DNA-Spuren von ihm am Tatwerkzeug gefunden und er war nach Auswertung des Navigationsgeräts zur Tatzeit am Tatort. In diesem Fall blieb es bei einem Einbruchsversuch, da die Täter nicht auf die Nebelmaschine vorbereitet waren, die der Ladeninhaber kurz zuvor eingebaut hatte.

    Nach Angabe eines Polizeibeamten, der die Nebelanlage versehentlich ausgelöst hatte, hatte er die Hand nicht vor den Augen sehen können. Den größten Schaden richteten die Täter am 25. November 2016 an, als sie gegen 4.38 Uhr nachts Handys und Tablets im Wert von 89 602 Euro entwendeten. In diesem Fall fanden die Ermittler nur DNA-Spuren des Angeklagten am Tatwerkzeug, was für eine Verurteilung nicht reichte. Insgesamt wurde achtmal in den Laden eingebrochen, auch über das Dach und eine Hintertür. Die Täter entwendeten Ware im Wert von weit über 100 000 Euro. Der Sachschaden liegt im fünfstelligen Bereich.

    Staatsanwältin Janina Pöller hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten beantragt. Sie sah den

    Diebesgut bis in die USA

    Angeklagten in allen drei Anklagepunkten für schuldig. Die Aussagen des Angeklagten bezeichnete sie als unglaubhaft. Er habe Schutzbehauptungen aufgestellt und Sachverhalte zu seinen Gunsten verdreht. „Kein denkender Mensch verleiht sein Auto an Menschen, die er nur von Spitznamen her kennt“ sagte sie. Der 29-Jährige habe Diebesgut „im Wert eines Mittelklassewagens“ in seinem Auto verstaut und vor Gericht behauptet, er habe „nichts gemacht“. Die Anklagevertreterin geißelte die Abgebrühtheit der Taten und das gewerbsmäßige Vorgehen. Denn die Handys wurden kurz nach den Taten nach Polen, Rumänien, in die USA und weitere Staaten verkauft, wo der Hersteller Apple sie orten konnte.

    Anwalt: Wahre Täter laufen frei herum

    Verteidiger Constantin Sperneac-Wolfer redete in seinem einstündigen Plädoyer die Rolle seines Mandanten klein. Er sei nur selbst gefahren, ohne Fragen zu stellen, gab er zu Protokoll. Das DNA-Gutachten sei allein nicht ausreichend für eine Verurteilung, die Kameraaufnahmen seien nicht aussagekräftig, die Funkzellenüberwachung lückenhaft. „Die wahren Täter laufen frei herum“ meinte er.

    Die Täter hätten unterschiedliche Fahrzeuge, Kleidung und Tüten benutzt, sodass es sich bei den Taten um unterschiedliche Täter handeln müsse. In seinen 35 Jahren als Anwalt habe er erfahren, dass rumänische Täter meist auspacken und Namen von Komplizen und Hintermännern nennen. Sein Mandant habe dies nicht gemacht trotz der möglichen Kronzeugenregelung, die ihm Strafmilderung verschafft hätte. Dies spreche für seine eingeschränkte Schuld, sagte der Anwalt und forderte eine Haftstrafe von maximal drei Jahren. Das Gericht war jedoch überzeugt, dass aufgrund der ähnlichen Tatausführungen immer dieselben Täter in Betracht kommen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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