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    KREIS HAßBERGE

    Eine Lanze für die Gelbe Tonne gebrochen

    Willi Riß, Leiter der Abteilung „Zentrale Angelegenheiten“ im Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen, berichtete vor dem Kre... Foto: Wolfgang Sandler

    Der Kreistag Haßberge und seine zuständigen Ausschüsse haben sich schon mehrmals mit dem Thema Gelbe Tonne beschäftigt. Die Junge Liste sammelt derzeit Unterschriften, um ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen, das die Einführung einer Gelben Tonne zum Ziel hat. Der Umweltausschuss des Kreistages hatte sich deshalb am Montag einen Kenner der Materie eingeladen. Willi Riß, Leiter der Abteilung „Zentrale Angelegenheiten“ im Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen, berichtete den Kreisräten von den Erfahrungen, die dieser Landkreis seit der Einführung der Gelben Tonne sammeln konnte. Und die Kernaussage dürfte die Haßberge-Kreisräte ins Grübeln bringen. Das neue System funktioniert zufriedenstellend, die Menge des Mülls ist gestiegen, Leichtverpackungen sogar sprunghaft, und zudem ist es gelungen, die Müllgebühren zu senken.

    Mit Landkreis Haßberge vergleichbar

    Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist mit dem Landkreis Haßberge vergleichbar. Rund 95 000 Einwohner, eine etwas höhere Bevölkerungsdichte. Bis zur Einführung des Holsystems gab es dort 34 Wertstoffhöfe. Und ähnlich wie im Heimatkreis wurden die Stimmen vieler Bürger lauter, die mit dem Bringsystem nicht mehr einverstanden waren. Müllinitiativen wurden ins Leben gerufen. Die Initialzündung ging dort von dem Umstand aus, dass der bisherige Landrat nicht mehr zur Wahl antrat, sein Nachfolger hatte im Wahlkampf damit geworben, er werde das Müllsystem einführen, das die Mehrheit der Bürger haben wolle. Demzufolge wurde eine Umfrage beschlossen, Fragebogen an 10 000 Haushalte verschickt, Besucher der Wertstoffhöfe befragt und 250 Bürger telefonisch interviewt. Also 11 000 Bürger insgesamt konnten ihre Meinung abgeben. „Der Rücklauf war sensationell“, berichtete Willi Riß. Rund 56 Prozent der Fragebogen seien ausgefüllt zurückgekommen. Die Aussagen seien zwar „in ihrer Aussagekraft etwas diffus“ gewesen so Riß, aber dennoch habe sich Ende 2011 eine Tendenz hin zur Gelben Tonne entwickelt.

    Zunächst habe man mit dem „Dualen System Deutschland“ (DSD) über die Einführung einer Art Mischsystem verhandelt: Ein Gelber Sack, der von den Bürgern zum Wertstoffhof gebracht wird. Das DSD schlug darauf vor, keine halben Sachen zu machen, sondern gleich das Holsystem einzuführen. Ähnlich wie im Landkreis Haßberge hatte der Landkreis Neuburg zuvor rund eine Million Euro jährlich für die Vorhaltung der Wertstoffhöfe vom DSD bekommen.

    Mit klarer Mehrheit entschied sich der dortige Kreistag für die Einführung der Gelben Tonne. Zunächst wollten die Kommunalpolitiker jedoch parallel alle 34 Wertstoffhöfe behalten. Eine Kostenberechnung führte aber schließlich dazu, dass die Zahl der Wertstoffhöfe doch auf 21 vor allem in den größeren Kommunen reduziert wurde. Dies war wichtig, da rund 80 Prozent der Gelder vom DSD in den Betrieb der Wertstoffhöfe und dabei vor allem in die Personalkosten geflossen seien. Heute bekomme der Landkreis Neuburg noch 36 000 Euro für die Aufstellung der Glascontainer.

    Müllmenge sprunghaft gestiegen

    Willi Riß berichtete von einem sprunghaften Anstieg der Menge an Leichtverpackungen in der Gelben Tone. Diese war zum 1. Januar 2013 eingeführt worden. Im Jahr 2012 fielen im Landkreis Neuburg noch 12,5 Kilogramm Leichtverpackungen pro Kopf an, das Gesamtmüllaufkommen lag bei 147 Kilogramm pro Kopf. Schon 2013 stiegen diese Zahlen auf 27 Kilogramm Leichtverpackungen und 153 Kilogramm Gesamtmüll. Im Jahre 2017 hat sich der Anfall auf 33 Kilogramm Leichtverpackungen und 160 Kilogramm Gesamtmüll pro Kopf eingependelt.

    Und nicht minder eindrucksvoll waren die Erfahrungen über die Entwicklung der Müllgebühren. Nach einer „strukturellen Anpassung der Wertstoffhöfe“, so Riß, sei es gelungen, die Müllgebühren, die in den Jahren 2002 bis 2005 noch 156 Euro pro Jahr betragen hatten, auf derzeit 118,80 Euro zu senken. In den Wertstoffhöfen würden nach wie vor Sperrmüll, Elektroschrott, Stahlschrott, Glas, Altkleider und Papier kostenlos angenommen.

    Nicht einfach für Verbraucher

    Allerdings machte Riß auch auf einige seltsame Begleitumstände hin, die vom Verbraucher oftmals nicht leicht realisiert werden könnten. Riß wählte zur Verdeutlichung das Beispiel Aluminium. So könne der Alu-Deckel eines Joghurtbechers in die Gelbe Tonne geworfen werden. Die Alu-Grillschale von der letzten Feier jedoch nicht, da es sich hierbei nicht um eine Umverpackung handele. Eine solche nannte Riß jedoch einen „intelligenten Fehlwurf,“ denn die Aluschale werde dennoch einer sinnvollen Verwertung zugeführt. Dadurch entging dem Landkreis jedoch der Erlös, den er aus dem Verkauf von Wertstoffen erzielen könne, die nicht „Eigentum des DSD“ seien, wie Riß es bezeichnete.

    Riß resümierte: „Die Politik muss sich nicht mehr der Diskussion aussetzen. Wir brauchen kein ökologisch schlechtes Gewissen zu haben. Selbst Fehlwürfe werden einer Verwertung zugeführt, als wären sie korrekt in die Restmülltonne geworfen worden.“

    Lesen Sie dazu auch den "Standpunkt" von Redakteur Wolfgang Sandler.

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