• aktualisiert:

    FRIESENHAUSEN

    Eine literarische Tafelrunde in Friesenhausen

    Sich in gemütlicher Runde über Bücher austauschen, dazu lädt der Literaturkreis „Halitaru” nach Friesenhausen ein. Foto: Gudrun Klopf

    In der Gaststube ist eingeheizt, Kaffee und andere Getränke stehen bereit. Doch die Gespräche der Gäste drehen sich nicht wie ehemals um die Jagd nach Toren, um Abseits oder Fouls, sondern um Bücher.

    Dort, wo sich früher vor allem die Friesenhäuser Fußballer und die Dorfbewohner bei „der Musch“ trafen, treffen sich heute Literaturliebhaber. Grundschullehrerin Inge Hahn kaufte das ehemalige Gasthaus „Zum weißen Lamm“, das lange Jahre unter der Wirtin Adolfine Berger, genannt „Musch“, betrieben wurde.

    Bevor sie nach Friesenhausen zog, lebte Inge Hahn 30 Jahre in Würzburg. „Ich habe damals schon selbst geschrieben und war in einem Literaturkreis aktiv.“ Deshalb lag es für sie nahe, auch an ihrem neuen Wohnort Gleichgesinnte zu suchen, die am Austausch über Bücher interessiert sind.

    Es sollte aber nicht, wie in klassischen Literaturkreisen meist üblich, über ein von allen zu lesendes Buch gehen. „Ich wollte, dass man sich gegenseitig von Büchern erzählt, die man gelesen hat.“

    Erfolgreiche Namenssuche

    Auf der Suche nach einem Namen sei ihr die Bettenburger Tafelrunde in den Sinn gekommen, erklärt Hahn die Bedeutung von „Halitaru“ – Haßberger literarische Tafelrunde. Auf die Spuren dieses Literaten-Kreises, dem auch Friedrich Rückert und Jean Paul angehörten, begaben sich die Literaturliebhaber bei einer literarischen Wanderung im Landschaftspark Bettenburg.

    Seit vergangenen Jahres ist der Literaturkreis im Angebot der Volkshochschule zu finden. Unter dem Motto „Weißt du ein schönes Buch für mich?“ richtet er sich an Menschen, die in lockerer Runde Büchertipps austauschen oder Selbstgeschriebenes vorstellen möchten. Jeder steuert neben Büchern etwas zum Essen oder Trinken bei.

    Unter den fünf Bücherfreunden, die an diesem Sonntag um den großen Tisch sitzen, ist Anneliese Reining. „Es ist sehr interessant und anregend, sich auszutauschen und die Ansichten der anderen zu hören“, sagt die pensionierte Lehrerin aus Nassach.

    „Das ist genau mein Jahrhundert“, schwärmt Inge Hahn von dem historischen Roman „Die Manufaktur der Düfte“. Die Autorin Sabine Weigand stamme aus Franken, weiß Manfred Kern zu berichten.

    Der Autor sitzt mit am Tisch

    Der Coburger Schriftsteller hat sich mit seiner Frau zu der Runde gesellt. Von ihm machte die autobiographische Familienerzählung „Meine Oma“ die Runde. Das Buch beleuchtet das Leben einer Bauersfamilie vor dem Hintergrund zweier Weltkriege. Für die Teilnehmer ist es natürlich besonders bereichernd, wenn der Autor selbst über die Hintergründe und Entstehung seines Buches Rede und Antwort steht. Mit dem Roman „Die Preisrede“ stellte Kern sein neuestes Werk vor. In ihm spiegelt der Autor durch die Schilderung seiner Kindheitserlebnisse die Schrecken einer ganzen Generation durch psychische und physische Gewalt misshandelter Kinder wider. Die literarisch erfasste Lebensgeschichte müsse immer auch über das je Eigene, Persönliche hinausweisen, so das Anliegen Kerns.

    Mit einem Kinderbuch über den Künstler Paul Klee gewährte auch die Hausherrin Einblick in ein eigenes Werk, das gerade im Entstehen ist.

    Der nächste literarische Brunch von „Halitaru“ findet am Sonntag, 2. Februar, um 10 Uhr in Friesenhausen in der Pfarrer-Hofmann-Straße 7 statt.

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!