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    OBERAURACH

    Entsteht in Oberaurach ein Klimawald aus 60 000 Bäumen?

    Der Steinbruch in Kirchaich wird im nördlichen Bereich erweitert. Foto: Christian Licha

    Die Realisierung eines Klimawaldprojektes auf gemeindlichen Grün- oder Ackerflächen wird in Oberaurach geprüft. Das beschloss der Gemeinderat einstimmig in seiner Sitzung am Dienstag. Vorausgegangen war ein überparteilicher Antrag der Gemeinderäte Julian Bayer (Junge Liste), Thomas Karg und Roland Baumann (beide SPD).

    In dem Antrag wird ein Flächenbedarf von circa zehn Hektar veranschlagt. Gepflanzt werden sollen Baumarten, die aus heutiger Sicht auch bei einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung von mehr als zwei Grad noch klimatolerant sind. Die zu bepflanzende Fläche ist durch Einzäunung oder andere geeignete Maßnahmen vor Wildverbiss zu schützen und zu pflegen, um den Erfolg und ein sinnvolles Aufwachsen der Pflanzung zu gewährleisten, heißt es in dem Schriftstück weiter.

    Den Berechnungen der drei Antragsteller nach müssten etwa 60 000 Bäume gepflanzt werden, um genügend Aufwuchs für die angestrebte Menge an Bäumen zu gewährleisten. Die Kosten für die Pflanzen würden sich auf rund 30 000 Euro belaufen. Für den Zaunbau würden nochmals circa 30 000 bis 40 000 Euro hinzukommen. Insgesamt dürften sich die Kosten inklusive Pflanzung durch Unternehmer und Nachbesserung ausgefallener Pflanzen auf rund 100 000 Euro belaufen. Derzeit gebe es vom Freistaat Bayern für die Erstaufforstung von Laubholz einen Zuschuss von 1,35 Euro pro Pflanze. Dies wären bei der angestrebten Menge rund 81 000 Euro. Die Gemeinde müsste demnach noch 19 000 Euro investieren.

    Bürgermeister Thomas Sechser möchte vor einer etwaigen Verwirklichung des Projekts auf jeden Fall Fachleute mit ins Boot holen. Beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie bei den Bayerischen Staatsforsten sind bereits entsprechende Stellungnahmen angefordert. Auch sollen die Experten in einer der nächsten Sitzungen den Gemeinderat über das Für und Wider aufklären. Sechser gab auch noch zu bedenken, dass die Pflege einer solch großen Fläche nicht durch das zur Zeit vorhandene Personal am Bauhof gestemmt werden könne. Mindestens zwei neue Mitarbeiter müssten nach Schätzung des Gemeindeoberhauptes zusätzlich eingestellt werden. In der Diskussion wurden lebhaft die Vor- und Nachteile diskutiert. Alle Gemeinderatsmitglieder meldeten sich zu Wort, wobei zum Beispiel Ortssprecher Rainer Rennert eine Pressemitteilung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes zitierte, in dem es heißt, dass Einzelmaßnahmen nicht sinnvoll seien. Die Kursrichtung der Bundesregierung müsse abgewartet werden. Als einer der Befürworter begrüßte Gemeinderat Norbert Hartmann die Initiative und schlug vor, das Ganze als Nutzwald auszugestalten, damit kein Urwald entsteht. Außerdem könne er sich einen sanften Tourismus in diesem Gebiet vorstellen zusammen mit einem pädagogischen Angebot zur Umwelterziehung. „Wir wollen nicht morgen gleich den Spaten in die Hand nehmen, sondern alles sinnvoll bedenken“, sagte Roland Baumann. Wenn jeder sage, der Einzelne könne nichts verändern, werde sich nichts tun.

    Im Zuge des Ausbaus der Ortsdurchfahrt in Dankenfeld soll neben dem Austausch der Hausanschlüsse auch ein FTTH-Netz mit verlegt werden. Diese Glasfaserplanung und auch die Ausführung wird durch die Überlandzentrale Mainfranken in Lülsfeld vorgenommen. Der Gemeinderat beschloss, einer entsprechenden Vereinbarung zuzustimmen. Die Gemeinde soll für die notwendigen Tiefbauarbeiten der Überlandzentrale dafür pauschal 8000 Euro in Rechnung stellen.

    Wiederverfüllung

    Der geplanten Erweiterung und Wiederverfüllung des bestehenden Steinbruchs in Kirchaich durch den Betreiber steht aus Sicht der Gemeinderäte nichts im Wege. Einstimmig wurde dem Bauantrag zugestimmt, der jetzt an das Landratsamt weitergeleitet wird. Die letzte Erweiterung wurde im Jahr 2000 genehmigt. Die jetzigen Flurstücke liegen im nördlichen Bereich des ursprünglichen Steinbruchs. Der Erweiterungsbereich hat einen Abstand von 438 Metern zur nächstgelegenen Wohnbebauung. Zehn bis 15 Jahre sollen nach Schätzung der Antragsteller die Abbaumaßnahmen in Anspruch nehmen, wobei die Wiederverfüllung mit vorhandenem Abraummaterial und unbelastetem Rohboden erfolgen soll.

    Wenn es nach dem Willen einer überparteilichen Antragsgemeinschaft im gemeinderat geht, soll Oberaurach ein Klimawaldprojekt verwirklichen. Vielleicht sieht steht dann dort nach einigen Jahrzehnten so dichter Wald wie hier zu sehen ist. Foto: Christian Licha

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