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    HASSFURT

    Erst flogen Nudeln, dann die Fäuste

    Der Besuch des Zeiler Weinfests im August vergangenen Jahres endete für einen 27-Jährigen aus dem Landkreis Bamberg im Krankenhaus. Als er gegen 0.50 Uhr mit Freunden auf dem Heimweg war, kam es zu dem Zusammentreffen mit einem ihm unbekannten 20-Jährigen, der ihn durch einen Faustschlag zu Boden. Der Geschädigte erlitt einen Nasenbeinbruch, ein Schädel-Hirn-Trauma und hatte nach eigener Aussage „viele Farben im Gesicht“. Seine Nase musste unter Vollnarkose gerichtet werden und muss wahrscheinlich noch einmal operiert werden. Bis heute hat er Probleme mit dem Atmen.

    Am Montag verurteilte das Amtsgericht den Täter nach Jugendrecht zu einem Freizeitarrest, bei dem der 20-Jährige ein Wochenende in der Jugendstrafanstalt in Würzburg verbringen muss. Vor Gericht räumte der Angeklagte aus dem Maintal über seinen Verteidiger Alexander Wessel die Vorwürfe weitgehend ein. Es sei zu einem Streit gekommen, weil das spätere Opfer Nudeln durch die Fahrertür in das Auto des Angeklagten geworfen habe.

    Opfer erzählt andere Version

    Später habe er die ganze Nudelpackung über die Frontscheibe gekippt. Daraufhin sei er aus seinem Auto ausgestiegen und habe ihn zur Rede stellen wollen. Es sei zu einer Schubserei gekommen und anschließend habe der 20-Jährige dem Kontrahenten den Faustschlag verpasst. Später habe er sich der Polizei gestellt und bereits 500 Euro Schmerzensgeld gezahlt. Ganz anders schilderte der Geschädigte den Tathergang. Er sei in einer Gruppe zu Fuß auf dem Weg zum Auto gewesen, als der Angeklagte mit seinem Auto neben die Gruppe fuhr. Weil dessen Beifahrer einen Freund aus dem Auto heraus bespuckt habe, habe er zwei bis drei Nudeln auf das Auto geworfen. Daraufhin seien drei oder vier Leute aus dem Fahrzeug ausgestiegen. Er habe unvermittelt einen Faustschlag bekommen und sei auf dem Bordstein aufgeschlagen. Dabei flog die Nudelpackung durch die Luft und auf das Auto des Angeklagten. Eine Schubserei oder ein Wortgefecht habe es zuvor nicht gegeben. Der Angeklagte entschuldigte sich noch im Gerichtssaal für seinen Aussetzer.

    Ganz ausgestanden ist das Verfahren für ihn aber noch nicht. Denn laut Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich läuft noch ein Zivilverfahren, in dem die Höhe des Schmerzensgelds bestimmt wird. Der Angeklagte sei bei einem Gespräch kleinlaut und einsichtig gewesen. Er stamme aus einem intakten Elternhaus und sei am Tattag als Fahrer eingeteilt und wohl nüchtern gewesen. Es seien jugendtypische, „dumme und affige Aktionen“ gewesen, weshalb eine Geldauflage als Strafe genügen würde.

    Anders sah es der Staatsanwalt. Das Opfer sei erheblich verletzt worden. Zudem sei der Angeklagte bereits zweimal straffällig geworden, weshalb zwei Freizeitarreste nun fällig würden. Der Verteidiger führte ins Feld, dass der Geschädigte rund 1,2 Promille Alkohol intus hatte, während sein Mandant nüchtern gewesen sei. Er habe ein Geständnis abgelegt und zeige Reue, weshalb eine Geldauflage sinnvoll wäre.

    Gravierende Folgen

    Richter Martin Kober verhängte vor allem wegen der gravierenden Folgen des Faustschlags einen Freizeitarrest. Nur weil der Angeklagte Reue gezeigt und vorab Schmerzensgeld gezahlt habe, habe er von einem Dauerarrest abgesehen, sagte Kober. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (msch)

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