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    BAMBERG

    Fastenzeit einmal ganz anders

    Ansprechpartnerinnen für die Online-Exerzitien: Pfarrerin Doris Otminghaus (links) und Pastoralreferentin Susanne Grimme... Foto: Marion Krüger-Hundrup

    In der Fastenzeit ist allgemein Verzicht angesagt. Verzicht auf Alkohol, Nikotin, Süßigkeiten oder Fleisch. Überhaupt sind der Fantasien keine Grenzen gesetzt, bis Ostern gute Vorsätze zu fassen. Im Falle dieser speziellen Ökumenischen Alltagsexerzitien kann es aber eine ansonsten beliebte Entsagung nicht geben: nämlich Computerfasten. PC, Smartphone und Co. werden ausdrücklich gebraucht, um sich auf den Weg zu machen: „Einen Weg der Stille, des Gebets, der Verbindung von Glaube und Leben“, sagen Pastoralreferentin Susanne Grimmer (Bamberg) und Pfarrerin Doris Otminghaus (Haßfurt) zu den Online-Exerzitien.

    Bereits zum sechsten Mal wird diese geistliche Übung in der Fastenzeit gemeinsam vom Erzbistum Bamberg und Kirchenkreis Bayreuth angeboten. Jedes Jahr nehmen hunderte Menschen daran teil – mit zunehmender Tendenz. „Darunter sind sehr Engagierte in den Gemeinden bis hin zu völlig Kirchenfernen“, erklärt Susanne Grimmer, die in der Hauptabteilung Seelsorge des Erzbischöflichen Ordinariates Bamberg das Referat Spiritualität verantwortet. Auch die Haßfurter Pfarrerin Otminghaus, die die Internet-Exerzitien überhaupt initiiert hatte, weiß nur zu gut, dass Teilnehmer „oft weg sind von der Kirche, doch hinterlassene Fragen klären wollen“.

    Unter Exerzitien im Alltag versteht man ganz allgemein eine Schule des Glaubens. Es gehe darum, Gott in den Geschehnissen des eigenen Lebens mehr wahrzunehmen und „eine Haltung zu ihm zu finden“, so die Pfarrerin. Die Pastoralreferentin ergänzt: „In Exerzitien kann man das Leben aus der Perspektive einer Beziehung zu Gott und den Menschen betrachten.“

    Wie in klassischen Exerzitien, die zumeist Klöster und kirchliche Häuser durchführen, gibt es auch in der Online-Variante eine geistliche Begleitung. Zunächst erhalten die Teilnehmenden täglich von Montag bis Freitag einen Impuls per E-Mail. Dieser Text soll zu Gebet, Betrachtung des Evangeliums, zur Meditation anregen. Wer möchte, kann sich wöchentlich per E-Mail mit einem Begleiter oder einer Begleiterin über seine Erfahrungen und Fragen austauschen – auf Wunsch auch anonym. Etwa dreißig Pfarrer beider Konfessionen, Pastoral- und Gemeindereferentinnen stehen in der Fastenzeit 2018 zur Verfügung.

    Grimmer und Otminghaus machen klar, dass es bei der geistlichen Begleitung „weder um Seelsorge noch um Therapie geht“. Seelsorge sei „Hilfe zum Leben, in dem Gott dabei ist“. Der Fokus beim Begleiten während der Exerzitien „ist ein anderer, nämlich wie schaffe ich es, im Alltag zur Stille, zum Gebet zu kommen?“ Natürlich könne ein fünfwöchiger Prozess „heilen oder aufreißen und zu einer Therapie anregen“. Doch die Alltagsexerzitien dienten keineswegs einer Krisenbewältigung.

    Neben der Online-Version gibt es auch die Möglichkeit, diese Exerzitien mit Hilfe eines Buches einzuüben, in dem Texte, Lieder, Impulse und Gebete zu 15 bis 30 Minuten Besinnung am Tag einladen. Wer Unterstützung sucht, kann sich einer ökumenischen Gruppe in den Pfarreien anschließen, die ausgebildete Haupt- oder Ehrenamtliche bei den wöchentlichen Treffen begleiten.

    In der Region gibt es in etlichen Gemeinden entsprechende Angebote. Und zwar unter der Überschrift „Fürchte Dich nicht – lebe!“ So lautet das Generalthema der Ökumenischen Alltagsexerzitien 2018.

    Von unserer Mitarbeiterin Marion Krüger-Hundrup

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