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    HAßFURT / COLUMBUS

    Fränkischer Sound für Helene Fischer

    Zusammen auf der Bühne: Helene Fischer und Maria Voskania (links) während der „Farbenspiel“-Tour 2014. Auch bei der neuen Tournee, die im September beginnt, setzt der Schlagerstar auf fränkische Schützenhilfe. Foto: Christoph Weiss

    Ein kleiner Bub sitzt in Haßfurt an einem viel zu großen Klavier und träumt von der Karriere in der noch viel größeren Musikwelt. Heute, mit 55, sitzt er an einem großen Mischpult in Columbus im US-Bundesstaat Ohio – und hat es geschafft. Selbst Helene Fischer verlässt sich auf den Sound, den Felix Weber kreiert.

    Es ist erstaunlich, wie klein die Musikwelt ist, auch in der Unübersichtlichkeit des Internets, wo 400 Stunden Videomaterial auf Youtube hochgeladen wird – in jeder Minute! Manches ist trotzdem so geblieben wie zu der Zeit, als die Musik kratzte und rauschte oder sich als unentwirrbares Knäuel um den Tonkopf im Kassettenrekorder wickelte.

    Die kleine große Welt der Musik trifft sich bei Felix Weber, Jahrgang 1960, in den USA. Von hier kommt der Sound für den Trailer zu Helene Fischers neuer Tournee, und hier bekommt die Stimme von Maria Voskania aus Wasserlosen im Landkreis Schweinfurt den letzten Schliff.

    Alles kein Zufall. Weber hat viele Kontakte aus seiner deutschen Zeit mit in die USA genommen, unter anderem mit dem Soundhouse und der Songwerkstatt in Haßfurt. Die Songwerkstatt ist die Heimat des Produzentenduos Irmgard Klarmann und Felix Weber. Die beiden arbeiten seit den 70er Jahren zusammen und nahmen in den 80ern viele amerikanische Künstler unter ihre Fittiche, so dass Weber irgendwann in die USA ging. Klarmann und Weber stehen hinter vielen Hits – unter anderem von Paul Anka, Jennifer Rush, LaToya Jackson, Bernie Paul, Chaka Khan . . . Der größte Hit des Duos ist ein Lied, das nie als Platte produziert wurde, und die Band, die es sang, war nur ein virtuelles Projekt: „Christmas Time“ von „Gingerbread“.

    Maria Voskania ist das jüngste Küken, das in der Songwerkstatt geschlüpft ist. Felix Weber nennt die Armenierin, die 1995 mit ihren Eltern nach Unterfranken zog, sein „Baby“, in das er große Hoffnungen setzt. Zwei Alben hat er mit der Sängerin produziert, das dritte ist in Arbeit. Geadelt wurde die 29-Jährige durch Helene Fischer. Die Schlagerkönigin holte die Unterfränkin 2010 in ihren Background-Chor. Auf eigenen Füßen versuchte sich Voskania beim Vorentscheid für den Eurovision Songcontest (Platz zwei in Armenien) und in der Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) mit Dieter Bohlen, wo sie 2005 auf Platz zwölf landete.

    In der aktuellen DSDS-Staffel ist sie wieder dabei. Als Schlagersängerin hat sich Maria Voskania bereits einen Namen gemacht.

    Weil die Musikwelt so klein ist, bekam Felix Weber den Auftrag, den Werbeclip für Helene Fischers kommende Tournee zu vertonen. „Der Kontakt kam über Fischers Konzertagentur zustande, Semmel Concerts in Bayreuth“, erzählt Weber.

    Hatt er Berührungsängste mit dem deutschen Superstar? „Gar nicht“, sagt der Haßfurter. Zum einen gab es gar keinen direkten Kontakt, denn „das läuft in der Branche heute alles virtuell“, erzählt der Produzent. Zum anderen gibt es den Begriff „Schlager“, der hierzulande abfällig klingt, im internationalen Musikgeschäft nicht. Da spricht man von Entertainment, Unterhaltung – und wollte Musik jemals etwas anders?

    Zur Person

    Felix Weber wurde 1960 in Haßfurt geboren und absolvierte eine klassische Klavier-Ausbildung. Er spielte in verschiedenen Bands und begann schon früh, eigene Kompositionen zu schreiben. Bekannt wurde Weber als Mitglied der Band „Relax“, deren Mundart-Rock Anfang der 80er Jahre sehr erfolgreich war. „Weil i di mog“ und „A weißes Blatt?l Papier“ sind die bekanntesten Hits der Gruppe. 1992 schrieb er Chaka Chans Nummer-eins-Hit „Love you all my lifetime“. gf
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    Musikproduzent Felix Weber in seinem Studio in Columbus, Ohio. Foto: Weber

    Von unserem Mitarbeiter Günter Flegel

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