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    KRAISDORF

    Für den Winter gut gerüstet

    Schmerztherapeut Hilmar Gadamer kam am Donnerstag als Fachreferent zur Ortsbäuerinnen-Tagung nach Kraisdorf. Schnell kam... Foto: Sabine Weinbeer

    Die Ernte ist weitgehend abgeschlossen. Deshalb planen der Bayerische Bauernverband (BBV) und die Landfrauen jetzt das Bildungsprogramm für die Wintermonate – und das ist breit aufgestellt.

    Mit einem „Frauenfrühstück“ begann am Donnerstag die Tagung der Ortsbäuerinnen aus dem gesamten Landkreis Haßberge nach der Begrüßung durch Kreisbäuerin Cäcilie Werner und BBV-Geschäftsführer Manfred Kraus. „Habt Ihr genug Silage für Eure Tiere im Winter?“, „Sind bei Euch die Äpfel auch so klein, oder hat es mehr geregnet als bei uns?“ – der trockene Sommer beherrschte die Gespräche am Frühstückstisch. Jammern aber war das nicht, eher der Austausch von Informationen und Tipps, wie man der Ausnahmesituation doch noch etwas Gutes abgewinnen kann.

    Die Ackerfrucht bestimmt nach wie vor den landwirtschaftlichen Betrieb, oft sind es aber die Bäuerinnen, die den Hof breiter aufstellen. Sie gestalten den „Lernort Bauernhof“, unterrichten Schulkinder und sogar Lehrkräfte, die heute nicht mehr selbstverständlich wissen, wie Lebensmittel produziert werden. Viele Landfrauen sind aber auch fit im Kochen und Backen, wissen wie man Marmelade einkocht oder ein Bärlauchpesto herstellt.

    Alte Rezepte und Küchentechniken zu bewahren, das hat sich der Kreisvorstand der Landfrauen auf die Fahnen geschrieben. Deshalb führt das Koch- und Backbuch, das in diesem Jahr neu erschienen ist, viele althergebrachte Rezepte auf, von Schnickerli bis Hutzelbrot. Die Brotbackkurse, die Cäcilie Werner ins Leben gerufen hat, sind gut angekommen und werden auch weitergeführt, wie die Kreisbäuerin erklärte. Viele andere Themen können die Ortsbäuerinnen für Fortbildungsveranstaltungen in ihren Orten wählen vom kalten Buffet über selbstgemachte Nudeln und alte Hausmittelchen bis zum Tanzkurs.

    Aber auch für Gesundheitsvorträge stehen Referenten bereit. Einer von ihnen ist Hilmar Gadamer, der auch am Donnerstag referierte. Er ist Schmerztherapeut und ging direkt in Medias Res: „Wem tut was weh und wo?“, fragte er in die Runde und nicht nur Hiltrud Dünninger aus Rügheim traute sich, ihre Probleme zu schildern. Hilfreicher als manche Spritze oder Operation sei oft das Dehnen, betonte Gadamer – oder die Stimulation des Schmerzpunktes direkt am Übergang von Sehne und Muskel. Für Fersensporn-Geplagte hatte er das Rezept für ein linderndes Fußbad dabei und Tipps auch für schmerzende Knie. Mit einem der neuen Kochbücher bedankte sich Cäcilie Werner bei ihm.

    Vom Landwirtschaftsamt in Schweinfurt war Klaudia Schwarz angereist. Sie ist dort für die Hauswirtschaft zuständig und betonte die Bedeutung dieser Ausbildung. Je weniger Frauen fachkundig sind in der Hauswirtschaft, desto deutlicher werde jetzt die Bedeutung dieser Fähigkeiten, stellte sie fest. Dabei würden hauswirtschaftliche Dienstleistungen immer stärker nachgefragt – von älteren Menschen ebenso wie von berufstätigen Frauen. Leider fehle noch ein Stück weit die finanzielle Wertschätzung, dennoch warb sie für die Ausbildung und die Weiterbildung zur Meisterin oder zur hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin. Neben der klassischen Dualen Ausbildung biete das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten weiterhin den Lehrgang „Qualifizierung in der Hauswirtschaft“ an. Der nächste Lehrgang beginnt im Mai, die Informationsveranstaltung dazu ist am 29. Januar.

    Großes Augenmerk lege das Amt auch auf die Ernährungsbildung. Über kostenlose Kurse für junge Eltern würden seit neun Jahren jährlich zwischen 800 und 1000 Eltern erreicht. „Und darauf sind wir stolz“, erklärte Schwarz. Dabei geht es um Ernährung und Bewegung in Theorie und Praxis.

    „Inzwischen bringen wir bayernweit 40 Prozent der Kinder einmal in ihrer Grundschulzeit auf einen Bauernhof.“
    Klaudia Schwarz, Landwirtschaftsamt Schweinfurt

    Leider sei es im Landkreis Haßberge schwieriger, entsprechende Kurse zu bilden, als in anderen Bereichen des Amtsbezirks, erklärte Klaudia Schwarz. Gerade laufe die Vorbereitung auf die Ufra, bei der auch die Erlebnisbauern intensiv mit eingebunden sind. Schulklassen will man auf den „Pfannkuchenweg“ führen und dabei die Themen Eier, Mehl und Milch vertiefen. Den Menschen die Landwirtschaft wieder näher zu bringen, „dabei sind wir auf einem guten Weg. Inzwischen bringen wir bayernweit 40 Prozent der Kinder einmal in ihrer Grundschulzeit auf einen Bauernhof“, dankte Klaudia Schwarz den Bäuerinnen, die dieses Programm umsetzen. Die Resonanz sei gut, aber sie freue sich über jeden neuen Betrieb, der ebenfalls mitmacht. Sie selbst steht für die Beratung bereit. Außerdem gebe es ein- und mehrtägige Fortbildungen.

    Aus dem Verband landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen machte Schwarz noch auf das nächste Vlf-Bäuerinnen-Arbeitsfrühstück aufmerksam am 22. Oktober zum Thema: „Stress-Strategien – oder wie schaffen es andere?“

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