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    KREIS HAßBERGE

    Gerald Pittner sitzt in den Startlöchern für den Landtag

    Von wegen abgehängt: Gerald Pittner lieferte sich am Montagnachmittag noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinen unterfränkischen Mitbewerbern. Aber bis Redaktionsschluss war noch nicht klar, ob es der Freie Wähler aus Rhön-Grabfeld in den Landtag schafft. Foto: Gerhard Fischer

    Eigentlich konnten alle mit dem Ausgang der Landtagswahl zufrieden sein – fast alle. Die Union erlebte zwar ein Debakel, kann aber mit den Freien Wählern in einer Koalition der Bürgerlichen wahrscheinlich weiterregieren. Zumindest ist keine Koalition der demokratischen Parteien ohne die CSU möglich. Die Grünen sind Wahlsieger, die FDP ist in den Landtag gekommen, die Freien Wähler haben gut abgeschnitten und dürfen wahrscheinlich mitregieren. Die Linken blieben im Rahmen ihrer in Bayern bescheidenen Möglichkeiten – nur die SPD musste eine unerwartet deutliche Klatsche einstecken.

    Im Stimmkreis Haßberge/Rhön-Grabfeld der gleiche Trend wie im ganzen Freistaat, nur weniger ausgeprägt. Die CSU hat verloren, aber immer noch über 50 Prozent. Die Freien Wähler mit geringen Gewinnen, die FDP wäre im Stimmkreis nicht ins Parlament eingezogen, die Grünen haben ihre Prozentzahl fast verdoppelt, die SPD weniger als halbiert und den Rechten gelingt der Sprung auf Anhieb auf zehn Prozent.

    Als direkt gewählter Stimmkreisabgeordneter behält Steffen Vogel mit knapp 47 Prozent der Stimmen sein Mandat, gefolgt von Birgit Reder-Zirkelbach von den Grünen (12,66) und Gerald Pittner von den Freien Wählern (10,74).

    10,7 Prozent der Erststimmen entfielen am Sonntag auf den Freien Wähler Gerald Pittner. Als Listenkandidat auf Platz 1 der Freien Wähler in Unterfranken waren im Vorfeld der historischen Wahlnacht in Bayern Pittners Chancen auf einen Landtagssitz eigentlich als hoch bewertet worden. Allein, am Montagvormittag war von dieser Sicherheit nichts zu spüren. „Nein, nach derzeitigem Stand sieht es nicht so aus“, antwortet Pittner auf die Reporterfrage, ob er sich bald eine Wohnung in München nehmen müsse. Zu diesem Zeitpunkt waren die Freie-Wähler-Kollegen Frank Stierhof (Direktkandidat) aus Kitzingen und Anna Stolz (Arnstein) noch vor Pittner.

    Immerhin stand gegen Montagmittag fest, dass für die Freien Wähler Unterfrankens zwei Sitze im Parlament sicher sind. Also bestand immer noch Hoffnung für Gerald Pittner. Der war recht schnell der einzige Rhön-Grabfelder Aspirant auf einen Sitz. Yatin Sha aus Bad Königshofen, der für die Grünen im Stimmkreis Bad Kissingen angetreten war, war ebenso chancenlos wie die CSU-Kandidatin Juliane Demar aus Großbardorf, nachdem sogar das CSU-Urgestein Barbara Stamm kein Direktmandat mehr erringen konnte für Unterfranken. Die 25-jährige Grabfelderin Demar muss also ebenso auf den Einzug ins Maximilianeum verzichten wie schon ihr Vater Josef im Jahr 2015.

    Chancen Fifty-fifty

    Nachdem Pittner am Wahlsonntag schon seine Chancen für München schwinden sah, konnte er am Montagnachmittag plötzlich wieder hoffen: „Die Chancen stehen plötzlich wieder Fifty-fifty“, so Pittner, der sich auf einem Block Erst- und Zweitstimmen der Mitbewerber notiert hatte. Wie es auch sei: Es wird wohl den Dienstag brauchen, bis Gerald Pittner Klarheit hat: über eine politische Zukunft in München für einen Rhön-Grabfelder.

    Ein Blick auf das reichhaltige Zahlenwerk des Wahltages eröffnet interessante Ergebnisse. Vor allem in Kommunen, in denen die CSU ihre Vormachtstellung mit hohen Prozentzahlen nahezu ungebrochen verteidigen konnte, erreichten die Rechten nur relativ schlechte Ergebnisse. Beispiel Riedbach: Hier erreicht die CSU 61,8 Prozent, die AfD liegt mit 7,6 Prozent deutlich unter dem Trend. Als Hochburgen rechter Wähler erweisen sich erneut die Steigerwaldgemeinde Oberaurach (14,5), Gädheim (14,3), Stettfeld (16,0) und Wonfurt (14,4 Prozent).

    Wonfurts Bürgermeister Holger Baunacher sieht das mit gemischten Gefühlen. Die rechten Wähler seien bereits bei der Bundestagswahl in Erscheinung getreten. Damals habe man sie noch als Protestwähler abgetan. Nun gebe es sie zum zweiten Mal in Folge und es stelle sich die Frage: „Wo sind die hergekommen?“

    Die CSU habe in Wonfurt nicht signifikant an Stimmen eingebüßt, somit keine Anteile an die AfD verloren. Ebenso sei die Wahlbeteiligung hoch gewesen, was normalerweise gegen ein hohes Ergebnis der radikalen Parteien spricht. „Natürlich kennt man einige Spezln“, so Baunacher, „die mit Stammtischparolen durchaus ein paar Gesinnungsgenossen beeinflusst haben könnten.“ Aber letztlich werde erst die Kommunalwahl 2020 zeigen, ob sich die rechte Partei positioniert und etwaige Kandidaten sich outen. Dann werde man sehen, ob es sich hier doch nur um Protestwähler handele, oder „ob in unserer Gemeinde tatsächlich unerwünschtes Gedankengut vorhanden ist“.

    Freie-Wähler-Hochburg Breitbrunn

    Nach Riedbach erweisen sich ausgerechnet Maroldsweisach und Ermershausen als die großen CSU-Bastionen. Die Freien Wähler haben ihr bestes Ergebnis in Breitbrunn (15,7 Prozent), wo sie auch seit Jahren mit Gertrud Bühl die Bürgermeisterin stellen. Die Freien Demokraten haben ihre Hochburg mit über elf Prozent in Ebern und in Rentweinsdorf (8,9). Die Grünen sind am stärksten in der Kreisstadt vertreten, wo sie 14,1 Prozent der Zweit- und sogar 15,6 Prozent der Erststimmen verbuchen, in Zeil (13,3) und in Bundorf (14,9 bzw. 12,2).

    Die landesweit arg gebeutelten Sozialdemokraten haben ihre treuesten Wähler in Maroldsweisach (13,5 Prozent), Zeil (13,2), Ebelsbach (13,0) und Königsberg mit 12,3 Prozent. Wobei Königsberg ohnehin ziemlich gegen den Trend gestimmt hat. Hier schneiden auch die Grünen mit 14,6 bzw. 13,3 Prozent gut ab und sogar der Direktkandidat der Linken, Florian Beck, bekommt in Königsberg 6,0 Prozent und die Rechten bleiben mit 7,8 Prozent deutlich hinter dem Landes- und dem Stimmkreisergebnis zurück. Die Königsberger haben gegen den Trend gewählt. Hier holen die Sozialdemokraten 12,3 Prozent der Stimmen, die Grünen erreichen 14,6 bzw. 13,3 Prozent, Linke-Direktkandidat Florian Beck bekommt 6,0 Prozent und die Rechten bleiben mit 7,8 Prozent deutlich hinter dem Landes- und dem Stimmkreisergebnis zurück, während die CSU mit 46,6 bei den Zweitstimmen und 45,7 Prozent für Steffen Vogel ihr Ergebnis vom letzten Mal wiederholt hat.

    Was ist in der Stadt im Haßgau anders? „Königsberg war früher eine SPD-Hochburg“, sagt Bürgermeister Claus Bittenbrünn, selbst von den Freien Wählern, „durch 30 Jahre Bürgermeisterzeit von Rudolf Mett. Danach war Kurt Sieber Bürgermeister für die FDP und die SPD.“ Vielleicht sind aber auch die Königsberger zufriedener als der normale Haßberge-Wähler? Die offene Antwort von Bürgermeister Bittenbrünn verblüfft zunächst. „Wir haben mit Steffen Vogel sehr viel erreicht, ob für die Schule oder unser Sportgelände, er hat sich immer für uns eingesetzt. Ich bin kein CSU'ler“, so das Stadtoberhaupt, „aber ich weiß einen Abgeordneten Steffen Vogel zu schätzen, der immer versucht, zu helfen und etwas zu bewegen, egal welcher Partei der hilfesuchende Bürgermeister angehört. Außerdem bewegt sich bei uns etwas – und wir haben immer noch ein bisschen heile Welt.“

    Der Königsberger Bürgermeister hat aber noch eine andere Ursache für den Ausgang der Wahl: „Wenn die Leute weniger nach Berlin schauen würden, wären sie zufriedener. Die Berliner versuchen ja alles, dass sich die Bürger unwohl fühlen, denen geht es nur um ihre Ämter. Vielleicht wachen sie jetzt einmal auf“, poltert Bittenbrünn.

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