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    Haßfurt

    Gericht: Zwei Versionen zu Schlägerei beim Sander Faschingszug

    Ziemlich betrunken besuchte ein junger Mann vergangenes Jahr den Sander Faschingszug. Dort geriet er mit der Security aneinander. Die Quittung folgte jetzt vor Gericht.
    Am Amtsgericht Haßfurt wurde am Montag ein 18-Jähriger zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte sich beim Sander Faschingszug 2019 mit der Security geprügelt.
    Am Amtsgericht Haßfurt wurde am Montag ein 18-Jähriger zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte sich beim Sander Faschingszug 2019 mit der Security geprügelt. Foto: René Ruprecht

    Mit knapp zwei Promille Alkohol in der Blutbahn war ein 18-jähriger Auszubildender aus dem nördlichen Landkreis während des Sander Faschingszugs Anfang März vergangenen Jahres ausgetickt. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft trat er dem 56-jährigen Einsatzleiter der Sicherheitswacht in den Unterleib und wehrte sich gegen seine Festnahme. Der Einsatzleiter musste ärztlich behandelt werden und war danach für mehrere Tage krankgeschrieben. Der 18-Jährige erhielt einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegte, weshalb er sich am Montag vor dem Jugendgericht verantworten musste. Letztlich kassierte der junge Mann eine Geldstrafe über 900 Euro.

    Angeklagter gibt das Opferlamm

    Auf der Anklagebank gab er zunächst das Opferlamm. Ein Mädchen habe ihn geschubst, danach sei der Freund der jungen Frau auf ihn losgegangen. Schließlich sei der Einsatzleiter hinzugekommen,  habe ihn am Hals gepackt und gewürgt, sodass sein Kopf feuerrot angelaufen sei, gab der Angeklagte zu Protokoll. Er habe sich gewehrt, um sich geschlagen und getreten. Ob er den Security-Mann getroffen habe, könne er nicht sagen, da er selbst betrunken gewesen sei. Ab 10 Uhr morgens habe er zusammen mit seinen Freunden mit Hochprozentigem wie Wodka, Jägermeister oder Bacardi "vorgeglüht". Da sei er gegen 14 Uhr zum Faschingszug gegangen, wo die feuchtfröhliche Party weiterging.

    Widersprüchliche Aussagen

    Ganz anders lautete die Aussage des Geschädigten vor Gericht. Er gab an, dass es einen Tumult zwischen mehreren Personen gegeben habe. Als er hinzugekommen sei, habe ein anderer Mitarbeiter der Sicherheitswacht den Angeklagten am Boden fixiert. Der 18-Jährige habe ihn angeschrien, beschimpft, um sich geschlagen und getreten. Durch einen Tritt sei er nach hinten umgefallen. Er habe den Angeklagten mehrere Minuten lang am Boden mit einem Haltegriff fixiert bis Polizisten kamen und ihm Handschellen anlegten. Am Hals gepackt oder gewürgt habe er den Angeklagten keinesfalls. Er habe auf dem Rücken gelegen und habe dabei den Angeklagten gehalten. Dabei habe das Funkgerät in seinen Rücken gedrückt, wodurch sein bereits angeschlagener Rücken in Mitleidenschaft gezogen wurde. Später musste der Geschädigte deswegen behandelt werden. Der Tritt in den Lendenbereich sei ohne Folgen gewesen.

    Gerichtstermin verpasst

    Ganz unbekannt ist der Angeklagte vor Gericht nicht. Wegen einer Sachbeschädigung und dem Besitz jugendpornograpischer Schriften kam er bereits mit dem Gesetz in Konflikt.  Laut Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich hatte der Angeklagte keine einfache Jugend. Seine Eltern hätten sich getrennt, als der Angeklagte zwei Jahre alt war. Er habe seitdem überwiegend bei seiner Großmutter gewohnt, die seine Hauptbezugsperson sei. Heinrich bezeichnete den 18-Jährigen als "Luftikus", für den sein Auto sein Ein und Alles ist. Ein geplanter Täter-Opfer-Ausgleich sei geplatzt, weil der Angeklagte zusammen mit seiner Großmutter zu spät zu dem vereinbarten Gerichtstermin erschienen war.

    Richter folgt dem Staatsanwalt

    Der Staatsanwalt machte mehrere Fragezeichen hinter die angebliche Notwehrsituation, die der Angeklagte vor Gericht schilderte. Der Geschädigte habe vielmehr glaubwürdig ausgesagt. Der Anklagevertreter forderte eine Geldauflage nach Jugendstrafrecht in Höhe von 900 Euro, die Richter Martin Kober so übernahm. Im Urteil inbegriffen ist ein weiterer Anklagepunkt: Am Pfingstsonntag vergangenen Jahres ließ der Angeklagte seine Freundin auf einem Parkplatz in Haßfurt eine Runde in seinem Auto drehen. Da seine Freundin keinen Führerschein hat, wurde dies dem Angeklagten als "Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis" angelastet.

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