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    BUNDORF

    Gibt es etwas Weicheres als junge Angorakaninchen?

    Die Äuglein sind noch zu – aber schon in Kürze dürfte der Kaninchennachwuchs die Augen aufmachen, denn die Kleinen sind jetzt schon zehn Tage alt. Foto: Stefanie Brantner

    Wie große Fellkugeln mit langen Puschelohren sehen sie aus und wenn man ihnen über den Rücken streichelt – meint man, noch nie etwas Weicheres berührt zu haben. Angorakaninchen sind schön anzusehen und dabei sind sie noch sehr zutraulich. Die von Christiane Dietz auf jeden Fall. Interessiert schnuppern sie an der Hand und lassen sich von ihrer Besitzerin auch problemlos auf den Arm nehmen. „Die sind sehr menschenbezogen“, erklärt Dietz. „Schon da sie regelmäßig alle drei Monate geschoren werden müssen, sind sie den Kontakt gewöhnt.“ Dass muss auch sein, sonst verfilzt das Fellhaar, und dann würde es den Tieren schlecht gehen.

    Vor sechs Jahren hat sie angefangen mit den Angorakaninchen und heute möchte sie ihr Hobby nicht mehr missen, so die Kaninchenzüchterin. Zwar gebe es Angorakaninchen schon seit mehreren Hundert Jahren aber sie stehen heute auf der roten Liste der gefährdeten Nutztiere. Schon von daher ist es das richtige Tier für die Bundorfer Bio-Landwirtin. Auch bei ihren Hühnern hat sie darauf geachtet, dass es sich um Rassen handelt, die nur noch selten zu finden sind.

    Am Anfang völlig hilflos

    Was ihre Kaninchen betrifft, so hat sie Tiere in fünf von sieben Farbschlägen. „Man muss nicht alles haben, lacht sie. Die Schwarzen gefallen mir eben nicht so gut und auch die rotäugigen Weißen muss ich nicht haben.“ Derzeit haben zwei ihrer Angorakaninchen Junge. Die Kaninchenjungen sind in den ersten Tagen noch völlig hilflos, nackt und auf die Nestwärme angewiesen. Erst am zweiten Tag sieht man die ersten Haarspitzen, mit etwa sechs Tagen sind sie dann flächig behaart. Die Jungtiere liegen auf einem Haufen zusammengekuschelt im Nest, werden ein bis dreimal täglich gesäugt. Um den zehnten bis elften Lebenstag herum öffnen sich ihre Augen. Kurz darauf, in ihrer zweiten Lebenswoche, werden sie auch mobiler und kommen kurze Zeit aus dem Nest, laufen umher. Aber sie bleiben noch nicht lange außerhalb ihres Nestes. Die meiste Zeit schlafen sie noch eng zusammengekuschelt. „Sie können ihre Körperwärme noch nicht halten“, erklärt Dietz. Selbst fressen können sie mit etwa vier Wochen, aber sie trinken auch noch bei der Mutter. Abgestillt sind sie dann meist nach rund acht Wochen. Eigentlich können die Kaninchen dreimal im Jahr Junge bekommen. „Das finde ich viel zu oft“, so Dietz. Sie lässt ihre Kaninchendamen nur einmal im Jahr schwanger werden. „Sechs bis zehn Junge sind es meist und die wollen ja erst einmal großgezogen werden.“

    Auch die Jungen müssen mit acht Wochen das erste Mal geschoren werden, erklärt Dietz. Von Rupfen oder dem Anschnallen der Tiere bei der Prozedur hält sie natürlich gar nichts. „Das ist wirklich eine absolute Tierquälerei, schließlich handelt es sich hier um Fluchttiere. Vor allem aber ist es völlig unnötig“, so Dietz. Die Tiere blieben nämlich eigentlich ganz brav sitzen. Nur unten am Hals seien sie etwas empfindlich, da müsse man eben ein bisschen aufpassen.

    Im Ofen landen sie nicht

    Natürlich kann sie nicht alle Kaninchen behalten, die bei ihr zur Welt kommen. Aber im Ofen landen sie bei ihr trotzdem nicht. „Kann man essen – musste ich aber bisher noch nicht“, sagt sie und ihrem Blick ist zu entnehmen, dass sie das wahrscheinlich auch nie tun wird. „Wir Kaninchenzüchter sind europaweit gut vernetzt, da werden die Tiere verkauft oder auch getauscht“, erklärt Dietz. Sie hat zum Beispiel einen Rammler aus Schweden. Ein Tauschgeschäft mit einer Zuchtfreundin war das. In Schweden hoppelt jetzt ein Bundorfer Rammler umher.

    Und was passiert mit dem ganzen flauschigen Fell, das regelmäßig abfällt, beziehungsweise abgeschoren wird? „Das sammle ich und immer, wenn ich ein bisschen Zeit habe, verspinne ich es zu Wolle.“ Das Spinnen habe sie sich selbst beigebracht und das sei bei Angorafellhaar nicht gerade die leichteste Übung, erklärt Dietz. „Im Gegensatz zum Schaffell ist es ja viel feiner und am Anfang bin ich schon ein wenig verzweifelt wie langsam es voranging. Heute klappt das wesentlich besser und es ist eine schöne meditative Arbeit.“

    Verkaufen kann sie ihre Wolle aber bislang nicht. „Ich produziere noch viel zu wenig – da fehlt mir einfach die Zeit.“ Es bleibt bei ihr auch nicht bei der Wolle, sondern die wird hernach noch verarbeitet. Früher habe sie oft am Abend gestrickt, inzwischen habe sich daraus aber ein Morgenritual entwickelt. „Ich steh so um fünf Uhr auf und dann trink ich erst einmal Kaffee und stricke eine Stunde“, erzählt sie. Doch auch das Endprodukt der morgendlichen Strickrunden, also Handstulpen, Socken, Mützen und dergleichen gehen nur an die Familie und gute Freunde. Eigentlich schade, denn die Mütze und die Handstulpen, die auf dem Tisch zur Ansicht liegen, sind ein wahrer Traum. Und wenn man dann noch weiß, dass das Scheren für die Tiere keine unzumutbare Prozedur war. Kaum zu begreifen, dass das Material so aus der Mode gekommen ist.

    Angorawolle ist sehr empfindlich

    Heute gibt es eben viele andere Fasern, die auch weich sind, und vor allem mit denen sich wesentlich billiger produzieren lässt. Auch sei die Angorawolle natürlich schon sehr empfindlich. „Schnelle und hohe Temperaturunterschiede oder in nassem Zustand gedrückt und geknetet werden mag sie gar nicht, da verfilzt sie“, erklärt Dietz. Dafür nehme sie den Schmutz aber erst gar nicht so leicht an und Gerüche werden quasi von selbst neutralisiert, so dass lüften meist völlig ausreicht. Da kann man die Familie Dietz eigentlich nur beneiden, dass sich in ihren Reihen eine so begeisterte Angorakaninchenzüchterin findet, die zudem weiß, wie die kuscheligen Fellhaare verarbeitet werden. Und – die dabei auch noch sehr gut stricken kann.

    Christiane Dietz mit ihrem schwedischen Rammler. Ein Tauschgeschäft mit einer Zuchtfreundin war das. In Schweden hoppelt jetzt ein Bundorfer Rammler umher. Foto: Stefanie Brantner
    Die Jungen fangen schon an mobil zu werden. Aber sie bleiben noch nicht lange außerhalb ihres Nestes. Die meiste Zeit schlafen sie noch eng zusammengekuschelt. Foto: Stefanie Brantner
    Das Spinnen hat sich Christiane Dietz selbst beigebracht und das ist bei Angorafellhaar nicht gerade die leichteste Übung. Im Gegensatz zum Schaffell ist es viel feiner und rutschiger. Foto: Stefanie Brantner

    Stefanie Brantner

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