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    HASSFURT

    Glücklicher Verkehrssünder vor dem Haßfurter Amtsgericht

    Ein 63-jähriger Rentner aus dem Maintal strahlte am Freitag über das ganze Gesicht, als ihm Anklagevertreter Ilker Özalp im Gerichtssaal nach der Verhandlung seinen Führerschein aushändigte. Am 8. Juli 2018 war ihm das Lachen erst einmal vergangen. Denn an diesem Tag musste er seine Fahrerlaubnis einer Polizeistreife übergeben, nachdem er mit später festgestellten 2,16 Promille Alkohol in der Blutbahn nach Mitternacht vor den Beamten in Ebelsbach in Schlangenlinien hergefahren war.

    Die Polizisten schalteten das Blaulicht ein und signalisierten dem Betrunkenen, dass er anhalten solle. Dies tat er in einer Parkbucht. Das Aussteigen fiel ihm schwer. Während der Unterhaltung mit den Beamten musste er sich an seinem Fahrzeug festhalten, um nicht umzukippen. Zwei Bier und zwei Schoppen Wein habe er getrunken, erzählte er den Ordnungshütern. „Das nehme ich Ihnen nicht ab“, sagte dazu Özalp vor Gericht und deutete damit an, dass der Angeklagte deutlich tiefer ins Glas geschaut haben musste. Dass ihm überhaupt eine Polizeistreife gefolgt war, war einer Zeugin zu verdanken, die den Angeklagten beobachtet hatte, als er in Sand beim Ausparken ein anderes Auto anfuhr, um dann das Weite zu suchen. Die Zeugin rief die Einsatzzentrale an, die eine Streife auf den Weg schickte – mit Erfolg.

    Unfall nicht bemerkt

    Wenig später erhielt der Angeklagte einen Strafbefehl über 2400 Euro wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht, gegen den er Einspruch einlegte und somit erstmals in seinem bislang unbescholtenen Leben auf der Anklagebank des Amtsgerichts Platz nehmen musste. Dort ließ der das Gericht über seinen Verteidiger Willy Marquardt wissen, dass er den Unfall nicht bemerkt habe. Der Schaden in Höhe von 879 Euro sei bereits von der Haftpflichtversicherung beglichen worden. Dem Geschädigten habe man – um eine außergerichtliche Einigung zu erreichen – 1000 Euro als Schadenersatz angeboten, was er jedoch ablehnte und höhere Forderungen stellte. Nun habe er weniger bekommen. „Selber schuld“, meinte der Anwalt.

    Die Unfallflucht war seinem Mandanten vor Gericht nicht nachzuweisen. Denn die Zeugin hatte zwar den Aufprall bemerkt, den Fahrer in der Dunkelheit aber nicht erkannt. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass beim Ausparken ein anderer Fahrer am Steuer saß.

    Daher stellte das Gericht – in dubio pro reo – diesen Vorwurf ein. Und auch im Fall der Trunkenheitsfahrt ließ Özalp Milde walten. Er forderte in seinem Plädoyer nur eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Euro (1800 Euro) gemäß den Einkommensverhältnissen des Rentners und wandelte die Fahrsperre in ein Fahrverbot von sechs Monaten um. Verteidiger Marquardt sah in der Tat einen „Ausreißer“ im ansonsten straffreien Leben des 63-Jährigen, dem auch noch Regressforderungen der Haftpflichtversicherung drohen würden. Er hielt eine Geldstrafe von 1500 Euro (50 Tagessätze zu 30 Euro) für angemessen, sowie ein sechsmonatiges Fahrverbot.

    Einspruch lohnt sich

    Richterin Ilona Conver übernahm die Forderung des Anwalts und legte fest, dass das sechsmonatige Fahrverbot auf die Zeit der Sicherstellung anzurechnen ist. Da der Angeklagte seinen „Lappen“ nun schon ein Jahr los ist, erhielt er ihn noch auf der Anklagebank sitzend zurück. Der Einspruch hat sich für ihn daher gelohnt. (msch)

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